accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Die Vorhersage der Monsunregen in Indien. 
137 
strömung sowohl vom atlantischen als vom pacifischen hohen Druck in 35” N 
gegen, aber nicht um den amerikanischen Trog niederen Druckes, Diese letztere 
Cirkulation ruft die starken nördlichen Winde an der Küste des Stillen Oceans 
und die Südostwinde am Ostabhange der Rocky Mountains hervor. Diese zwei 
Systeme von Winden sind die Monsuncharaktere des amerikanischen Klimas. 
Möglicherweise steigen beide Systeme auf und gehen in obere .absteigende Ströme 
über. .Wie in Indien, so hängt auch in den Vereinigten Staaten der Regenfall 
an der Küste selbst zunächst von der Temperatur, Feuchtigkeit, Stärke und 
Dauer dieser Winde ab, im Innern des Landes aber von der Wirkung der unteren 
Winde, oder des Bodens, auf die oberen Luftströme, das heifst auf den sogenannten 
vertikalen Luftaustausch. Das Gleiten der oberen über die unteren Schichten 
unter dem Einflufs der Erdumdrehung veranlafst das Gesetz, welches J. Allan 
Broun in Makerstoun zuerst entdeckt und 1847 ausgesprochen hat, wonach die 
Bewegung der verschiedenen Luftschichten je höher hinauf, um so weiter nach 
rechts von der Richtung der unteren Winde abweicht. Die Stärke dieser unteren 
Winde und die Mächtigkeit der bewegten Schicht sind die entscheidendsten 
Faktoren des Regenfalls. Wenn die Luft schnell in der Nähe des Randes eines 
Festlandes aufsteigt und zurückkehrt, haben wir nur eine Seebriese; wenn sie aber 
am Boden bleibt und weit landeinwärts Tag und Nacht über vordringt, so haben 
wir einen Monsun. Je stärker der Wind an der Erdoberfläche ist, um so gröfser 
wird der Einflufs der Unregelmäfsigkeiten der letzteren sein, und um so mehr 
werden deshalb atmosphärische Rollen, Wogen und Wirbel sowie lokale Wolken 
und Regen sich bilden. 
‚Der wichtigste topographische Zug bei der Erzeugung des Monsuns im 
Gegensatz zur Seebriese ist die Gegenwart von Bergabhängen; wie dies Ferrel 
in seinem „Popular Treatise on the Winds“, Art. 132, 134, 136 gezeigt hat.') 
Die Unterschiede des Luftdrucks, die man an der Erdoberfläche beobachtet, 
sind zu einem grofsen Theile mechanische Resultate der Bewegung der Luft und 
der Centrifugalkräfte, welche durch diese Bewegung erzeugt werden; die Gebiete 
hohen und niedrigen Luftdrucks, welche durch unsere Isobaren erkennbar werden, 
sind Erzeugnisse der Bewegung der Atmosphäre, aber nicht deren direkte Ursache, 
Die letzte Ursache der Strömungen und Winde mufs stets in abweichenden 
Dichtigkeiten gefunden werden, welche ursprünglich durch die. Vertheilung der 
Temperatur und der Feuchtigkeit erzeugt sind; in der freien. Atmosphäre haben 
die Unterschiede in der Dichtigkeit geringen Einflufs auf den Druck, aber die 
hervorgerufenen Bewegungen geben Anlals zu den gröfseren Erscheinungen unserer 
Druckgebiete, Eine Zunahme der Dichtigkeit in den Hochdruckgebieten an den 
Wendekreisen in der Nachbarschaft unserer atlantischen und pacifischen Küsten 
wird dahin wirken, beide südwärts zu schieben; eine Verringerung der Dichtigkeit 
über dem amerikanischen Kontinent wird dieselbe Tendenz haben. Eine gleich- 
mäfsige Aenderung in der Dichte über allen drei Gebieten wird keine Wirkung 
auf ihre relative Lage äufsern. 
Die südliche Strömung über unseren Golfstaaten und die Südostwinde über 
unserer atlantischen Küste sind. bei Weitem minder stetig, seichter und trockener 
als der Südwestmonsun Indiens, und sie dringen weniger weit ins Innere vor, so 
dafs der von ihnen abhängige Regenfall entsprechend geringer ist. Die Regen, 
die in den Vereinigten Staaten östlich von den Rocky Mountains fallen, sind, 
sowohl im Winter als im Sommer, bis zu einem hohen Grade dem kühleren 
Unterstrom zuzuschreiben, der die Südwest- und Südostseite eyklonischer Um- 
läufe charakterisirt, die hintereinander das Festland durchqueren, Selbst die 
sogenannten lokalen Sommergewitter sind häufig Theile solcher Systeme von 
Unterströmung und Emporhebung. 
Eine Prognose auf lange Zeit bezüglich der Menge und der Art der Regen 
zur Sommerszeit in den Vereinigten Staaten ist abhängig von der Möglichkeit 
der Vorherbestimmung: (1) der Lage des tropischen Hochdruckgebiets, das in 
unsere südlichen atlantischen Staaten übergreift, und (2) der Strömung von kalter, 
trockener Luft, die sich von den britischen Besitzungen südwärts ergiefst, wenn 
4) Wir mnüssen uns hier, an Stelle des längeren Auszugs aus Ferrels Werk, den Prof, 
Abbe giebt, mit einem Hinweis auf Seite 32 bis 33 des Segel-Handbuchs der Seewarte für den 
Indischen Ocean begnügen, W.K, 
Ann, d, Hydr, etc., 1897, Heft IM.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.