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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

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Annalen der Hydrographie und Marıtimen Meteorologie, März 1897, 
ab. Im Anfang des Monsuns über dem Ocean findet sich viel Wasserdampf, 
aber wenig aufsteigende Bewegung; wo der Luftstrom die Küste trifft, giebt es 
schnelles Aufsteigen und schweren Regen; weiterhin, da die Dampfmenge ab- 
nimmt, die Luft herabsteigt und sich mit der heifsen trockenen Luft des Innern 
mischt, gehören viel gröfsere und gewaltsamere aufsteigende Bewegungen dazu, 
und mufßs die Luft entweder auf den Kamm grofser atmosphärischer Wogen 
gestoßen oder emporgewirbelt werden, wie im Gewitter und Tornado, um reich- 
lichen Regen oder auch nur starken Hagel zu erzeugen. Auf diese Weise ist 
die Abnahme des Regens mit dem Fortschreiten landeinwärts theilweise der 
Verringerung der Dampfmenge, zum gröfseren Theile aber der Verringerung der 
gegenseitigen Beeinflussung zwischen dem Erdboden bezw. der untersten Luft- 
schicht und dem Südwestmonsun darüber zuzuschreiben. 
Wie wünschenswerth und wichtig Prognosen auf längere Zeit hinaus, be- 
sonders während der Zeit des Wachsthums der Feldfrüchte, sein würden, ist klar. 
Wenn wir die in Indien gesammelten Erfahrungen auf die Vereinigten Staaten 
anwenden und ähnliche Prognosen hier versuchen wollten, so wären folgende 
besondere Umstände zu berücksichtigen: 
Das Arabische Meer, Hindostan, die Bai von Bengalen und Hinterindien 
nehmen ein Gebiet zwischen dem 5. und 25. Grade nördl. Breite ein, das sich 
etwa 3500 Sm von West nach Ost erstreckt, und über dem Nordostwinde im 
Januar und Februar und Südwestwinde im Juni, Juli, August und September 
herrschen. Diese sommerlichen Winde stellen einen modißeirten cyklonischen 
Wirbel dar, der durch die Ansaugung von Luft vom weiten Indischen Ocean im 
Süden gespeist wird. Die Wirkung irgend eines kleinen Hindernisses, wie einer 
Insel oder eines Küstengebirges, äufsert sich alsbald in der Vertheilung von 
Wind und Regen. Wenn die Vereinigten Staaten so grofs wie Asien wären und 
ein ähnliches Himalaya-Plateau besäfsen, und wenn eine ebenso starke An- 
saugung von Luft südliche Winde an unserer Südgrenze erzeugen würde, wie jene 
am Südrande von Asien, so würden wir doch keinen starken feuchten Südwest- 
monsun mit Regen haben, weil unser Südrand vom äquatorialen Theile des 
Stillen Oceans durch die grofsen Tafelländer von Mexico und Centralamerika ge- 
trennt ist. Südwestwinde, die an unseren Südgrenzen durch Monsunzug ent- 
ständen, würden den pacifischen Küsten von Mexico und Centralamerika Regen 
bringen, aber darauf zu unseren niedrigeren Landschaften als trockene Winde 
niedersteigen und Texas und New Mexico keinen Regen bringen. 
In der Wirklichkeit indessen ist wenig Tendenz zu südwestlichen Monsun- 
winden vorhanden, einerseits weil der größere Theil von Nordamerika in höheren 
Breiten liegt als Indien, noch mehr aber wegen der Vertheilung der Hoch- 
länder. Das asiatische ist kompakt und oval, das amerikanische streckt sich 
lang und relativ schmal von Süd nach Nord, Das System von Drucken, Teıun- 
peraturen und Winden, das in der Nähe der nördlichen und südlichen Wende- 
kreise die Erde umgiebt, wie es von Ferrel zuerst für eine reibunglose ideale 
Erde behandelt wurde, ist auf der wirklichen Erde entstellt durch systematische 
Abweichungen, in der Form von oceanischen und kKontinentalen Gebieten. 
Während des Sommers, wenn ein ovales Gebiet niederen Druckes über Central- 
und Südasien sich entwickelt, entsteht über den Vereinigten Staaten ein Trog 
niederen Druckes, der sich vom Golf von Kalifornien über Arizona nordnordost- 
wärts nach Alberta erstreckt. Der niedrige Druck in Südasien erstreckt sich 
von Ost nach West und überwältigt die allgemeine Cirkulation so vollständig, 
dafs er die äquatoriale Rinne niederen Druckes und das entsprechende System 
von Winden und Stillen auf dem Ocean südlich von Asien auslöscht. Der 
niedrige Druck in dem amerikanischen oder Rocky Mountain-Trog ist nicht so 
ausgeprägt, ist aber doch im Stande, den Gürtel hohen Druckes am Wendekreise 
in ein pacifisches und ein atlantisches Hochdruckgebiet zu theilen, Gelegentlich 
erscheint er wie ein nördlicher Arm des äquatorialen Gürtels niederen Luft- 
drucks. Der indische Monsun macht einen Theil des äquatorialen Gürtels ver- 
schwinden, der Monsun der Vereinigten Staaten dagegen zuerst einen Theil dieses 
Gürtels weit nach Norden. Während des Sommers besteht eine ununterbrochene 
Luftströmung über dem Indischen Ocean von dem hohen Drucke in 30° Süd 
nach dem niederen Drucke in 25° Nord; das ist der Südwest- oder Sommer- 
monsun Indiens. In Nordamerika besteht während des Sommers eine Luft-
	        
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