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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Die Vorhersage der Monsunregen in Indien. 
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Unter Berücksichtigung aller Umstände schließt Herr Eliot, dafs der 
Monsun im Jahre 1895 von normaler Stärke sein wird, und jener in der Bai von 
Bengalen mehr Wahrscheinlichkeit hat, seine normale Stärke zu überschreiten, 
als jener von Bombay. Die Bombay-Strömung hat mehr Aussicht auf Verzögerung 
in Bezug auf den Eintritt, als jene von Bengalen, aber beide werden ungefähr 
am die normale Zeit sich einstellen. Was die Monsunregen betrifft, so ist das 
Ergebnifs, daß der Regenfall in geringem oder mälsigem Grade unter normal 
zein werde in Sind, Katsh, im südwestlichen und centralen Pandjab und West- 
Radjputana; dafs er wahrscheinlich mindestens normal sein werde in der nörd- 
lichen Hälfte der Halbinsel, Centralindien, Ost-Radjputana, Ost-Pandjab, dem 
yrößeren Theil der Nordwestprovinzen, Bihar, Tshota, Nagpur und vielleicht 
Barma, und einen mäfsigen Ueberschufs zeigen dürfte in der Ganges-Ebene und 
Centralindien. 
Wie der Herausgeber (Abbe) bei einer früheren Gelegenheit bemerkt 
hat, bildet der Südwestmonsun Indiens einen Theil einer so großen atmo- 
sphärischen Bewegung, dafs er nicht annehmen kann, die Schwankungen in seiner 
Stärke und Dauer würden durch die sogenannten lokalen Witterungsbedingungen 
der vorhergehenden Monate über Indien und seinen unmittelbaren Rändern er- 
heblich beeinflulst; er muß vielmehr eher diese winterlichen Verhältnisse sowohl 
als den folgenden Sommermonsun gleicherweise als abhängig von weit gröfseren 
Faktoren der allgemeinen Cirkulation der Atmosphäre ansehen.‘!) 
Der heiße Boden und die erwärmte Luft der Gebirge und Hochländer des 
südlichen Centralasiens rufen eine Einströmung von Luft während des nörd- 
lichen Sommers herbei, die passend beschrieben ist als ein Wirbel oder eine 
quasi-cyklonische Cirkulation um Südsibirien und das hohe Land von Tibet und 
der Mongolei. Der starke Südweststrom, der dabei über Indien entsteht, ver- 
dankt seine Existenz dem Antriebe von Seiten der dichteren Luft und des 
höheren Luftdrucks über dem Ocean im Süden; dem Studium dieses grund- 
legenden Zuges hat Herr J. Eliot, als Leiter des meteorologischen Dienstes in 
Indien, alle thunliche. Aufmerksamkeit zugewendet. Die Schwankungen im 
Charakter des Monsuns von Jahr zu Jahr müssen ganz ebenso viel von den 
Bedingungen abhängen, die südlich und die nördlich von Indien bestehen, und 
beide müssen von der allgemeinen Cirkulation der Atmosphäre beherrscht sein. 
Der Südwestmonsun hat auf seinem Höhepunkt im Juli seinen Anfang weit süd- 
lich von Indien und bestreicht den Indischen Ocean, das Arabische Meer 
und den Golf von Bengalen, bevor er die Küsten von Indien und Barma trifft. 
Regenschauer sind häufig auf dem Ocean, aber der grofse Regenfall beginnt an 
der Küste und erstreckt sich landeinwärts über die Gebirge an der Malabar- 
Küste. Nach Passiren dieser Gegend gröfsten Regenfalls sinkt die Luft über 
Dekan herab, und die Regenmenge im Monsun nimmt im Innern von Indien stetig 
ab, je weiter wir nordwärts fortschreiten, wächst aber dann wieder, wenn wir 
ans dem Himalaya nähern. In der Nähe der Küste, wo während des Südwest- 
monsuns die Niederschläge stärker sind, fallen sie als allgemeine Landregen, 
weiter im Innern aber zertheilen sie sich in lokale Regen und schließlich in 
vereinzelte Gewitterschauer. Nun hängt aber der Regenfall wesentlich von der 
Menge des Dampfes in der Luft und dem Male seiner Abkühlung beim Steigen 
4) In der "hat haben auch die indischen Meteorologen jetzt die Auffassung Blanfords, 
nach der Indien nebst dem Nordindischen Ocean ein von der Umgebung ziemlich unabhängiges 
System für sich wäre, einigermafsen modifieirt (vgl. oben S. 129). Immerhin ist nicht zu vergessen, 
Jals der Annahme einer aspirirenden Wirkung Centralasiens auf die Luft über Indien für die unteren 
Schichten der letzteren der Umstand im Wege steht, dafs die Mauer des Himalaya 
für etwa die Hälfte der Atmosphäre einen horizontalen Luftanstausch abschneidet, und dafs der 
Luftdruck auch im Sommer vom Ganges zum Himalaya nicht ab- sondern zunimmt: der Streifen 
niedrigsten Druckes im Meeresspiegel liegt eben südlich vom Ganges. WUeberhaupt wirken Gebirge 
fast überall erhöhend auf den Luftdruck in den tieferen Schichten, selbst in der wärmeren Jahres- 
zeit, wahrscheinlich durch die mechanische Behinderung des Luftabflusses: so in den Alpen, so auch 
im Himalaya. Auch an der Ostküste des Stillen Oceans findet man zwei Beispiele dafür, die im 
Atlas dieses Oceans von Seiten der Seewarte noch nicht genügend berücksichtigt werden Kunnten: 
‘1) im Golf von Kalifornien sollen im Sommer südöstliche Winde wehen, was also auf einen höheren 
Druck auf dem Plateau von Mexiko deuten würde, und (2) an der Küste von Chile sind, allerdings 
aur im Winter, nördliche Winde ziemlich häufig und durch ihre Stärke gefährlich für die meist 
nach Norden offenen Rheden, es mufs also das Gebiet hohen Luftdrucks von Argentinien bis über 
die Anden westwärts hinausreichen. W. K.
	        
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