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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1897.
Seit 1885 veröffentlicht das meteorologische Amt in Indien alljährlich im
Juni eine kurze Uebersicht über den Zustand des winterlichen Schneefalls im
Himalaya und den Bergen Afghanistans und über die Besonderheiten, die sich
im Wetter von Indien während der Monate Januar bis Mai gezeigt haben, sowie
schließlich eine Vorhersage über den wahrscheinlichen Charakter des Regenfalls
während der bevorstehenden Jahreszeit des Südwestmonsuns. Diese Prognose
ist nicht so sehr eine Vorhersage auf Grund von Naturgesetzen als die Fest-
stellung gewisser aus den bisherigen Erfahrungen fliefßsender Wahrscbeinlich-
keiten und besagt einfach, dafs anscheinend die Wahrscheinlichkeit für ein
gewisses Ereignifs 10 zu 4, oder, wenn es sehr wahrscheinlich ist, 10 zu 2 er-
reicht, das heifst 71 oder 83 Procent.
Nach der Denkschrift für das Jahr 1895, die in Simla am 3. Juni 1895
veröffentlicht ist, sind die wichtigsten Züge oder Bedingungen, die die Aus-
dehnung und Stärke der Südwestmonsun - Strömung bestimmen, folgende:
(1) Menge und "Termin des Schneefalls der kalten ‚Jahreszeit in den Berg-
gegenden, die Nordindien begrenzen; (2) die lokalen Besonderheiten des Wetters
in Indien selbst unmittelbar vor dem Vorrücken des Monsuns von den Küsten
ins Innere; diese abnormen Züge werden, im Ganzen, am besten beurtheilt nach
den Abweichungen des Luftdrucks von seinen normalen Werthen in verschiedenen
Theilen Indiens; (3) lokale Besonderheiten des Wetters über der Bai von Ben-
galen und dem Arabischen Meer, über welche der Monsun weht, bevor er Indien
erreicht.
Was den ersten Punkt betrifft, so ist der Schneefall in den Gebirgs-
gegenden im Winter 1894/95 nur leicht gewesen und die Ansammlung des
Schnees im Mai 1895 viel geringer als im Mai 1894. Bezüglich des zweiten
Punktes, der abnormen Züge im Wetter Indiens, ist zu bemerken, dafs die Ver-
theilung des Schneefalls und jene des Luftdrucks und der Temperatur in Folge
der Vertheilung des Schnees im westlichen Himalaya anomal waren; sowie dafs
mehr unruhiges Wetter als gewöhnlich im März und April auftrat, das von sehr
heißsem Wetter im Mai über ganz Indien gefolgt wurde. Ueber den dritten
Punkt, das Wetter auf der Bai von Bengalen, war nicht viel nützliche
Auskunft bis dahin eingelanfen, aber die meteorologischen Bedingungen waren
für einen starken Monsun minder günstig als im Jahre 1894.
Ein Vergleich der letzten 26 Jahre ergab gewisse Aehnlichkeiten zwischen
den entsprechenden Jahreszeiten dieses und früherer Jahre. Das Jahr 1893 war
das kälteste in Indien bisher beobachtete, und der Regenfall war weit größer
als in irgend einem vorhergehenden Jahr. Während der letzten fünf Jahre hat
Indien eine Periode starker Regen durchlebt, wie es in den letzten 30 Jahren
keine gehabt hatte. Die jährlichen Anomalien des Regenfalls zeigt die folgende
Tabelle:
Jahr
Zahl der Provinzen, in
denen der Regvenfall
zu groß normal zu klein
864
865
866
‚867
1868
1869
1870 !
1871| ©
1872 14
1873 , 3
1574 , 15
1875 | 16
L876 6
1877 10
1878 17
1879 16
S
3;)
ae
a
0
0
18
1
9
i4
6
6
Mittlere Ab-
weichung vom
‚ Normalwerth
(inches)
— 5,52
— 0,77
— 2,09
+ 2,77
— 6,65
+ 0,40
+ 1,49
+ 0,93
+ 2,51
— 4,46
+ 4,64
+ 2,38
— 4,49
— 4:28
+ 6,54
+ 1,69
Jahr
1880
1881
1882
1885
L554
1885
1886
1887
1388
1889
1590
18591
1892
1893
1894
Zahl der Provinzen, in
; denen der Regenfall
| :
zu groß normal zu kleir
io
9
6
2
10
9
15
14
6
15
22
17
Mittlere Ab-
weichung vom
Normalwerth
(inches)
— 1,56
+ 0.10
+ 2,64
— 0,12
+ 1,49
+ 1,17
+ 2,77
+ 2,04
— 1.13
+ 1,92
+ 0,46
+ 0,30
+ 4,55
+ 8,94
+ 6,48