Die Vorhersage der Monsunregen in Indien,
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In solchem Falle ist aber, nach einer ebensolchen Regel der Aufeinanderfolge,
die Regenmenge des nächstjährigen Sommermonsuns vermuthlich ungewöhnlich
groß, so dafs die Hungersnoth nicht länger als fernere sechs Monate dauern
kann. Hoffen wir, dafs die Anzeichen trügen und dafs andere Ursachen die ge-
wöhnliche Reihenfolge über den Haufen werfen und einen guten Winterregenfall
yestatten, der auf alle Fälle die Nothzeit abkürzen würde, wenn er auch die
Wirkungen des Unheils, das der September angerichtet hat, nicht aufheben
könnte.
Es ist unmöglich, hier die strittige Frage mehr als nur zu streifen, inwie-
weit die Perioden der Sonnenflecken direkte Beziehungen zu den Monsunen in
einer für die praktische Prognose verwendbaren Form zeigen. Zweifellos wird
durch den Zustand der Sonne in allen Elementen des Wetters von Indien eine
lange, wahrscheinlich elfjährige Schwankung von geringer Amplitude bewirkt,
welche die Zeiten und besonders den Charakter der Sommer- und Winterregen
beeinflufst. Allein von Jahr zu Jahr ist diese Aenderung zu gering und allzu-
sehr von anderen stärkeren Schwankungen maskirt, welche von Wechseln in den
Luftströmungen folgen, die schneller und weniger periodisch vor sich gehen, so
dafs sie in die jahreszeitliche Prognose nur als untergeordneter Faktor eintreten
kann. Die Aufmerksamkeit der Behörde ist jetzt so sehr von diesen gröfseren
einhalb- und zweijährigen Schwankungen in Anspruch genommen, dafs sie sich
der unzweifelhaft wichtigen Aufgabe der Feststellung des genauen Betrages der
Sonuenfleckenperiode für die einzelnen Gegenden nicht zu widmen vermag.
Dafs diese letztere indessen thatsächlich besteht, selbst in den Mitteln für
das ganze Land, geht klar aus der folgenden Gruppirung der Jahresabweichungen
für ganz Indien aus 1864 bis 1894 hervor, welche zeigt, dafs die ganze Regen-
menge etwas zu klein ist zur Zeit des Fleckenminimums und etwas zu grofß in
der entgegengesetzten Epoche.
Gruppe von Jahren: Anomalie der Regenmenge während des
Südwestmonsuns, ausgeglichene Zahlen:
Die fünf Jahre um das Fleckenminimnm: — 10 mm.
Die fünf Jahre um das Fleckenmaximum: +53 » .
Das Verhältnis zu den Sonnenflecken ist indessen‘ in hohem Grade ab-
hängig von der Oertlichkeit, indem es besonders ausgeprägt ist im Südwest-
monsun über Ceylon und dem Carnatic, während in den Winterregen des nörd-
lichen Indiens es sich mit entgegengesetzter Phase zeigt. Symptome eines frühen
Auftretens des Monsuns in Jahren des Maximums und eines späten in Jahren des
Minimums sind bemerkt worden; allein die allgemeine statistische Untersuchung
der Frage auf rationeller Grundlage ist noch immer ein Desideratum, und zwar
eines, das Herr Eliot für wichtig genug hält, um die Aufmerksamkeit seiner Be-
hörde zu beschäftigen, falls ihr die nöthigen ergänzenden Hülfskräfte gegeben
werden. Zur Zeit kann seine Ansicht über den Gegenstand, so weit dessen
Werth für die praktische Prognose in Betracht kommt, folgendermalsen aus-
gedrückt werden:
Nachdem alle anderen Faktoren berücksichtigt sind, möge die Stellung
des Jahres in der Fleckenperiode als ein Index für die Stetigkeit oder Ver-
änderlichkeit seines allgemeinen Charakters genommen werden. So ist in Jahren
des Fleckenmaximums der Monsun gleichmäfsiger vertheilt und sind die lokalen
Anomalien dann minder ausgeprägt. Die Jahre um das Fleckenminimum dagegen
zeichnen sich durch größere örtliche Gegensätze und Unregelmäfsigkeiten aus.
Ein Vergleich des Betrages der Anomalien mit den Sonnenflecken würde daher
eine lohnende Untersuchung abgeben und vielleicht den Nachweis dafür liefern,
dafs diese denn doch eine viel gröfsere Wichtigkeit besitzen, als die geringen
Schwankungen in den allgemeinen Durchschnitten. heterogener Gebiete er-
kennen lassen.
Der zweite Aufsatz über diesen Gegenstand rührt von Prof. Cleveland
Abbe in Washington her und ist in der „Monthly Weather Review“ für Juni
1895 vom Vereinigten Staaten - Wetterbureau herausgegeben. Er trägt den
Titel: „Die Vorhersage von‘ Monsunregen.“ Wir lassen ihn in Ueber-
setzung folgen.