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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Die Vorhersage der Monsunregen in Indien, 
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In solchem Falle ist aber, nach einer ebensolchen Regel der Aufeinanderfolge, 
die Regenmenge des nächstjährigen Sommermonsuns vermuthlich ungewöhnlich 
groß, so dafs die Hungersnoth nicht länger als fernere sechs Monate dauern 
kann. Hoffen wir, dafs die Anzeichen trügen und dafs andere Ursachen die ge- 
wöhnliche Reihenfolge über den Haufen werfen und einen guten Winterregenfall 
yestatten, der auf alle Fälle die Nothzeit abkürzen würde, wenn er auch die 
Wirkungen des Unheils, das der September angerichtet hat, nicht aufheben 
könnte. 
Es ist unmöglich, hier die strittige Frage mehr als nur zu streifen, inwie- 
weit die Perioden der Sonnenflecken direkte Beziehungen zu den Monsunen in 
einer für die praktische Prognose verwendbaren Form zeigen. Zweifellos wird 
durch den Zustand der Sonne in allen Elementen des Wetters von Indien eine 
lange, wahrscheinlich elfjährige Schwankung von geringer Amplitude bewirkt, 
welche die Zeiten und besonders den Charakter der Sommer- und Winterregen 
beeinflufst. Allein von Jahr zu Jahr ist diese Aenderung zu gering und allzu- 
sehr von anderen stärkeren Schwankungen maskirt, welche von Wechseln in den 
Luftströmungen folgen, die schneller und weniger periodisch vor sich gehen, so 
dafs sie in die jahreszeitliche Prognose nur als untergeordneter Faktor eintreten 
kann. Die Aufmerksamkeit der Behörde ist jetzt so sehr von diesen gröfseren 
einhalb- und zweijährigen Schwankungen in Anspruch genommen, dafs sie sich 
der unzweifelhaft wichtigen Aufgabe der Feststellung des genauen Betrages der 
Sonuenfleckenperiode für die einzelnen Gegenden nicht zu widmen vermag. 
Dafs diese letztere indessen thatsächlich besteht, selbst in den Mitteln für 
das ganze Land, geht klar aus der folgenden Gruppirung der Jahresabweichungen 
für ganz Indien aus 1864 bis 1894 hervor, welche zeigt, dafs die ganze Regen- 
menge etwas zu klein ist zur Zeit des Fleckenminimums und etwas zu grofß in 
der entgegengesetzten Epoche. 
Gruppe von Jahren: Anomalie der Regenmenge während des 
Südwestmonsuns, ausgeglichene Zahlen: 
Die fünf Jahre um das Fleckenminimnm: — 10 mm. 
Die fünf Jahre um das Fleckenmaximum: +53 » . 
Das Verhältnis zu den Sonnenflecken ist indessen‘ in hohem Grade ab- 
hängig von der Oertlichkeit, indem es besonders ausgeprägt ist im Südwest- 
monsun über Ceylon und dem Carnatic, während in den Winterregen des nörd- 
lichen Indiens es sich mit entgegengesetzter Phase zeigt. Symptome eines frühen 
Auftretens des Monsuns in Jahren des Maximums und eines späten in Jahren des 
Minimums sind bemerkt worden; allein die allgemeine statistische Untersuchung 
der Frage auf rationeller Grundlage ist noch immer ein Desideratum, und zwar 
eines, das Herr Eliot für wichtig genug hält, um die Aufmerksamkeit seiner Be- 
hörde zu beschäftigen, falls ihr die nöthigen ergänzenden Hülfskräfte gegeben 
werden. Zur Zeit kann seine Ansicht über den Gegenstand, so weit dessen 
Werth für die praktische Prognose in Betracht kommt, folgendermalsen aus- 
gedrückt werden: 
Nachdem alle anderen Faktoren berücksichtigt sind, möge die Stellung 
des Jahres in der Fleckenperiode als ein Index für die Stetigkeit oder Ver- 
änderlichkeit seines allgemeinen Charakters genommen werden. So ist in Jahren 
des Fleckenmaximums der Monsun gleichmäfsiger vertheilt und sind die lokalen 
Anomalien dann minder ausgeprägt. Die Jahre um das Fleckenminimum dagegen 
zeichnen sich durch größere örtliche Gegensätze und Unregelmäfsigkeiten aus. 
Ein Vergleich des Betrages der Anomalien mit den Sonnenflecken würde daher 
eine lohnende Untersuchung abgeben und vielleicht den Nachweis dafür liefern, 
dafs diese denn doch eine viel gröfsere Wichtigkeit besitzen, als die geringen 
Schwankungen in den allgemeinen Durchschnitten. heterogener Gebiete er- 
kennen lassen. 
Der zweite Aufsatz über diesen Gegenstand rührt von Prof. Cleveland 
Abbe in Washington her und ist in der „Monthly Weather Review“ für Juni 
1895 vom Vereinigten Staaten - Wetterbureau herausgegeben. Er trägt den 
Titel: „Die Vorhersage von‘ Monsunregen.“ Wir lassen ihn in Ueber- 
setzung folgen.
	        
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