132 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1897.
schwankungen stellen kompensirende Aenderungen in dem horizontalen Luft-
transport über den Aequator und in den vertikalen Bewegungen am Nord- und
Südende der Cirkulation vor, die aufs Engste mit der Stärke und dem Charakter
der Monsune verknüpft sind.
{n ihrer Anwendung als Erfahrungssatz für die Wettervorhersage kann die
Regel so gefafst werden: In Jahren, in denen die Luftdruckanomalie im Meeres-
spiegel derart ist, daß die Kurve während der Frühlingsmonate sinkt, kann man
auf einen besonders regenreichen Südwestmonsun rechnen, und wiederum, wenn
die Kurve dann ansteigt, wird es verhältnifsmäfsig trocken sein. Andererseits
baben die Jahre mit ungewöhnlich starkem winterlichen Regenfall zur Zeit des
Nordostmonsuns die Tendenz, mit den Maxima jener Wellen der Druckanomalie
zusammenzufallen, und Jahre geringeren Winterregens mit den Minima derselben
(im Meeresspiegel). Auf der Anhäufung solcher Aufeinanderfolgen und deren
allmählicher Fassung in rationelle Form ist die Wissenschaft der Wettervorher-
sage auf lange Zeit voraus in Indien aufgebaut.
Das Auftreten der schweren Hungersnoth in diesem Jahre ist ein Kom-
mentar sowohl für den praktischen Werth der Monsunvorhersage, als für deren
Grenzen. Von den vier Ursachen, welche Herr Eliot in seiner Abhandlung
über „Dürren und Hungersnöthe in Indien“ auseinandersetzt, die er dem meteoro-
logischen Kongresse in Chicago 1893 .vorgelegt hat, ist die jetzige Noth der
(etzten zuzuschreiben, nämlich dem „ungewöhnlich frühen Aufhören der Regen
des Südwestmonsuns. Dieser Umstand ist besonders verhängnifsvoll für die Reis-
ernten auf unbewässertem Boden“. Derselbe Umstand ist auch höchst verderblich
für die Aussaat des Winter- oder „Rabi“-Getreides, welches im März reift, be-
sonders wenn auch die Winterregen im Dezember und Januar nur spärlich sind.
Wie schon bemerkt, ist dieses frühe Aufhören des Südwestmonsuns eine
der Erscheinungen, die zur Zeit noch aufserhalb der Wetterprognose liegen, ob-
wohl es rasch offenbar wird, dafs sie vom allgemeinen Zustande des Südost-
passats auf dem Indischen Ocean abhängt. In dem „Forecast Circular“, das in
diesem Jahre von Herrn Eliot unter dem Datum „Simla, den 3, Juni“ heraus-
gegeben wurde, ist die Aufmerksamkeit auf die 'Thatsache gelenkt worden, dafs
während der letzten zwei oder drei Jahre die „Ursachen für die grofsen Schwan-
kungen im Regenfall von Indien offenbar in abnormen Bedingungen aufserhalb
des indischen Gebiets lagen, und nicht in lokalen Eigenthümlichkeiten oder ab-
aormen meteorologischen Umständen in Indien selbst“.
Die Anomalien sind so bemerkenswerth, dafs sie in der folgenden Tabelle
veproducirt sein mögen.
Jahr Abweichung der Regenmenge Desgleichen in Procenten
vom Normalwerth in Indien: vom Mittel:
1893 + 227 mm + 22
1894 + 165 + 16
1893 — 24 — ;x“
Die dem Eintritt des Monsuns vorhergehenden Verhältnisse von Tem-
peratur, Druck und Schneefall waren 1894 und 1895 fast identisch. Der Südost-
passat war aber 1895 schwach, und das Ergebnifs war ein ungenügender Monsun,
der zudem drei Wochen früher als gewöhnlich endete.
Eine ähnliche Schwäche der Passate war auch in diesem Jahre bemerkbar,
vesonders bei den Seychellen. Deshalb fügte Herr Eliot, obwohl er anerkennen
inufste, dafs die lokalen Bedingungen günstig seien, den Vorbehalt hinzu: „Die
Folgerungen sind mit mehr Vorsicht als gewöhnlich aufzunehmen.“ Die Arena
war für den Gladiator fertig, wenn er in gutem Zustande ankommen würde, aber
der Kampf mufste von seiner Stärke abhängen. Wie die Thatsachen gezeigt
haben, war der Monsun-Gladiator nicht „up to form“, und das Gefecht endete
einen Monat früher als gewöhnlich über ganz Nordindien und Barma, mit ver-
hängnifsvollen Folgen für die „Kharif“-Ernte, Es bleibt nun abzuwarten, ob die
Winterregen unter oder über dem Mittel bleiben werden. Bis zum Ende dieses
Monats (November), wo sich ihr Charakter in den vertikalen Druckanomalien
erkennen lassen wird, kann eine vorläufige Prognose nur auf Grund der Regeln
der Aufeinanderfolge aufgestellt werden,
Als Regel gilt, dafs ein schwacher und früh aufhörender Monsun von
schwachen Winterregen gefolgt wird. Also sind insoweit die Aussichten ernst.