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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Die Vorhersage der Monsunregen in Indien 
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aufs Sorgfältigste in Erwägung gezogen wird; sie nimmt, nachdem alle Karten 
und Daten fertiggestellt sind, eine Woche in Anspruch. ‘ 
Zwei Punkte, von denen der landwirthschaftliche Werth der Monsunregen in 
hohem Maße abhängt, lassen sich gegenwärtignur theilweise voraus erkennen: (1) die 
Wahrscheinlichkeit einer längeren Unterbrechung in den Regen im Juli oder 
August, und (2) die Wahrscheinlichkeit eines ungewöhnlich frühen Aufhörens der 
Regen in Oberindien oder Bengalen. Jene Unterbrechung hängt hauptsächlich 
von der relativen Stärke der beiden Aeste der Monsunströmung ab, indem sie 
stattfindet, wenn die vom Arabischen Meere kommende Luftströmung schwach 
ist, während dieses frühe Aufhören abhängt von dem frühen Eintritt des hohen 
Luftdrucks über Nordwestindien und dem nördlichen Barma, wodurch der 
Gradient umgekehrt und der Monsun aus der Bai von Bengalen ausgetrieben 
wird. Diese Bedingungen können nur durch Analogie mit früheren Jahren, die 
ähnliche Züge darboten, auf Monate vorhergesagt werden. Nachdem sie sich 
aber einmal eingestellt haben, können sie benutzt werden, um die Wahrschein- 
lichkeit eines frühen oder späten Eintritts der Regen mit dem Wintermonsun zu 
bestimmen. 
Der Regenfall mit diesem letzteren hat, so unbedeutend er im Vergleich 
zu jenem des Sommers ist, grofßsen Werth für die Landwirthschaft, da von seiner 
Anwesenheit das Schicksal der „Rabi“-Ernte gänzlich abhängt. 
Es ist zur Zeit nicht möglich, direkte Nachrichten über den Charakter 
des Wintermonsuns!) vor dessen Niedersteigen in die Ebene des nördlichen 
Indiens im Dezember zu erhalten, da dieser in einer Höhe von 10000 Fufs über 
dem Meere herrscht und seinen Wasserdampf in Stürmen niederschlägt, die über 
den Plateaus von Afghanistan und Persien ausgebreitet sind. Es ist indessen 
neuerdings ein Merkmal dafür in den vertikalen Anomalien des Luftdrucks der 
anmittelbar vorhergehenden Monate entdeckt worden. Wenn die Differenzen des 
Luftdrucks zwischen den Stationen in der Ebene und den Bergstationen in etwa 
7000 Fuß Höhe größer sind als im Durchschnitt, so ist dies ein Anzeichen dafür, 
daß der kommende Winter trocken und frei von Stürmen sein werde, sind sie 
kleiner, so gilt genau das Umgekehrte. 
Da der Charakter des Wintermonsuns sich auffallend beständig zeigt — 
vermuthlich weil er als obere Luftströmung von örtlichen und Bodeneinflüssen 
frei ist —, so erweist sich seine Vorhersage nach dieser blofsen empirischen Auf- 
ginanderfolge als merkwürdig zuverlässig, 
Es kommen hierzu noch einige Aufeinanderfolgen, die vor einigen Jahren 
zuerst bemerkt wurden und zur Bestätigung der aus den vertikalen Luftdruck- 
anomalien gezogenen Schlüsse Werth haben, z. B. die Wahrscheinlichkeit eines 
trockenen Winters nach einem schwachen und früh endenden Monsun und um- 
gekehrt. Solche Aufeinanderfolgen sind indessen thatsächlich im einem all- 
gemeineren Gesetz. eingeschlossen, das anscheinend, wenn es auch zunächst nur 
empirisch in der‘ Form ist, zu einer rationellen Erklärung der wichtigsten 
Schwankungen in beiden Monsunen zu führen vermag. Dieses Gesetz ist das 
Ergebnifs einer kürzlich von Herrn Eliot ausgeführten Untersuchung über 
gewisse oscillatorische Druckveränderungen, welche dem ganzen Gebiete des In- 
dischen Oceans und Indiens gemeinsam sind. 
Es hat sich gezeigt, dafs die Monatsmittel des Luftdrucks”) in Indien einer 
Reihe von Schwankungen mit langer Periode und ungefähr gleicher Amplitude 
unterliegen, die bis zu 1,7 mm ansteigt und in ihrer Dauer von 12 bis zu 
24 Monaten schwankt; zwölf derselben haben in den letzten 20 Jahren statt- 
gefunden. . 
Auf Mauritius finden dieselben Schwankungen in vollständig umgekehrtem 
Sinne statt; sie repräsentiren demnach grofse Fluktuationen in der jährlichen 
Luftbewegung, die zwischen Indien und dem südlichen Indischen Ocean in der 
Form von Monsunen vor sich geht. Sie sind in Bezug auf die Phase direkt ent- 
gegengesetzt den vertikalen Änomalien. Mit anderen Worten, diese Druck- 
1) Unter „Winternmonsun“ versteht der Verfasser offenbar die obere südwestliche Luft- 
strömung, nicht den sonst so bezeichneten Nordostmonsun; Blanford gebrauchte für die erstere den 
Namen „Antimonsun“, W, K. 
2) Es sind hier wohl die Abweichungen vom Normalwerth gemeint. W. K.
	        
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