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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1897. 
den Charakter der Luftbewegung auf den indischen Meeren und dem äquatorialen 
Gürtel während der Zeit des Südwestmonsuns anschaulich beschrieben worden, die 
im Januarhefte 1896 des „Quart. Journ. of the R. Meteorol. Soc.“ erschienen ist. 
Ein sorgfältiges Studium der indischen Monsunkarten und der Luftdruck- 
verhältnisse über dem äquatorialen Gebiet hat gezeigt, dafs die Nordwärts- 
bewegung der Sonne und die Ausbildung eines Wärmeherdes über dem Festland- 
gebiet von Indien die Wirkung hat, den nördlichen Abhang des äquatorialen 
atmosphärischen Thales abzuschwächen, in dessen Thalweg die normalen Nordost- 
and Südostpassate endigen bezw. aufsteigen, und schliefslich die aufsteigende Be- 
wegung des letzteren zu hemmen. Sein in Folge davon sich einstellender hori- 
zontaler Abflufs nach Norden, nach Art eines aufgestauten Lavastromes, nach 
dem neu entwickelten Herde aufsteigender Bewegung über den indischen Land- 
massen, stellt sich in der zweiten Hälfte des Mai ein, gleichzeitig mit einer 
plötzlichen Zunahme des Luftdrucks über dem Aequator und einer entsprechenden 
Ausbildung des nordwärts gerichteten Gradienten. 
Diese plötzliche Umformung wird zudem anscheinend mehr beeinflufst 
durch Aenderungen im Drucke südlich vom Aequator, die von der jahreszeitlichen 
Schwankung in der Stärke der permanenten Südpolar-Cyklone abhängen, als von 
irgend welchen lokalen Erscheinungen in Indien und Südasien, obwohl möglicher- 
weise die allgemeinen Zustände über dem letzteren dabei mitwirken. 
Es ist also der südliche Indische Ocean das Gebiet, auf welches heute die 
Aufmerksamkeit Derjenigen vor Allem gerichtet ist, die den Monsun für Indien 
vorhersagen sollen. Dort suchen sie sich frühzeitig über die Aenderungen in der 
„vis a tergo“ zu unterrichten. 
Sobald die Strömung das indische Landgebiet erreicht, füllt sie die lokalen 
Ungleichheiten in der dortigen Druckmulde aus; und da nach der Regel der 
Fortdauer des aufsteigenden Stromes solche lokalen Besonderheiten, wenn sie 
einmal sich eingestellt haben, die Tendenz haben, fortzudauern, so ist der Vor- 
hersagende befähigt, die wahrscheinlichen örtlichen Abweichungen zu bestimmen, 
welche einen praktisch so werthvollen Theil der Vorhersage bilden; es geschieht 
lies auf der Voraussetzung eines normalen oder ungewöhnlich starken oder 
schwachen Monsuns, -— einer Unterscheidung, die gewöhnlich bei seinem ersten 
Auftreten erkennbar wird. Die Wirkungen dieser und anderer geringerer ört- 
licher Einflüsse unterliegen nämlich alle ernsten Modifikationen durch 
2) den Charakter und die Stärke der Monsunströmung im Allgemeinen. 
Ks ist jetzt einer der festangenommenen Sätze der indischen Meteorologie, 
welche dem Fleifse und der Umsicht ihres jetzigen Leiters zu verdanken ist, 
dafs die vorhergehenden, durch thermische Ursachen erzeugten örtlichen Ano- 
malien über Indien zwar den Charakter der Luftströmung modificiren und ihre 
örtlichen Wirkungen beeinflussen, keineswegs aber, wie es früher angenommen wurde, 
dessen nächste Ursache sind, und dafs die Schwankungen in der allgemeinen 
Stärke und Art der Luftströmung zwischen den verschiedenen Jahren mehr das 
Ergebnifs von Einwirkungen sind, welche südlich vom Aequator statthaben, als 
von den besonderen Bedingungen über dem Landgebiet von Südasien. 
Die Ausdehnung des Beobachtungsgebiets bis nach Mauritius und den 
Seychellen ist die logische Folge dieses Satzes; und obwohl das zur Zeit verfüg- 
bare Material in der Form meist rein empirisch ist, erweist es sich, dafs die 
spätere wesentliche Einheit des Südostpassats und des Südwestmonsuns gestattet, 
frühe Nachrichten über den Charakter des ersteren aus dem südlichen Ocean 
als empirisches Anzeichen des Wettercharakters zu benutzen, den der letztere 
tragen wird, sobald der Zusammenhang zwischen beiden über den Aequator 
hinweg sich hergestellt hat. Kin starker Passat läfst einen starken Monsun, und 
also eine gute Regenzeit in Indien erwarten, aufser wo diesem örtliche Bedin- 
gungen entgegenwirken. 
Die Vorhersage für den Sommermonsun wird um die vierte Woche des 
Mai vorläufig aufgestellt, aber zurückgehalten, bis Symptome des kommenden 
Monsuns sich in Bombay zeigen, um die letzten Nachrichten aufzunehmen. Dies 
geschieht durchschnittlich am 6. oder 7. Juni in Bombay, und. es dauert dann 
oft zwei bis drei Wochen, bis er das Pandjab erreicht. 
Die Ausarbeitung der Prognose für ein Gebiet, das halb so grofs ist wie 
die Vereinigten Staaten, ist keine leichte Sache, da jeder Faktor von Herrn Eliot 
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