Kreuzfahrten im Kaiser Wilhelms-Land und Bismarek-Archipel,
dafs ferner grofse Tiefen bis dicht unter Land vorherrschen, so dafs auf ein
Ankern unter der Küste nicht immer zu rechnen ist. So mufste ich am Abend
des 13. Oktober in der „Wide Bay“, westlich vom Kap Orford, die Absicht, in
einer kleinen geschützten Bucht zu ankern, aufgeben, da bis dicht.unter Land
über 50 m Wasser gelothet wurden.
Es wurde daher während der Nacht mit kleiner Fahrt in der „Wide Bay“
gekreuzt und dann am anderen Morgen der Henry Reil Bay-Hafen angesteuert,
um mittelst der von S. M. S. „Sperber“ für die Tongue - Spitze angegebenen
geographischen Position eine weitere Aufnahme an der Ostküste der Gazelle-
Halbinsel fortzusetzen. Beim Kap „Archway“. mußte ich diese Absicht aber
wegen außergewöhnlich schwerer Regenböen in Verbindung mit starken Gewittern
aufgeben und nahm dann direkten Kurs nach Matupi, wo ich abends gegen 6 Uhr
ankerte. Vom 15. bis 19. Oktober blieb ich daselbst zur Fortsetzung der Beob-
achtungen auf dem Beobachtungspunkt Matupi. ..
In den Tagen vom 20. bis 27, Oktober unternahm S. M. S.. „Möwe“ eine
Rundreise um Neu-Mecklenburg, hauptsächlich infolge dringender Requisitionen
des stellvertretenden Landeshauptmanns, des Herrn Korv.-Kapts a. D. Rüdiger,
um gegen zwei Eingeborenen-Dörfer, welche die Ermordung von mehreren
Händlern sich hatten zu Schulden kommen lassen, eine Strafexpedition aus-
zuführen. Dabei wurde auf der kleinen Insel Nusa an der Nordwestecke Neu-
Mecklenburgs ein Observationspfeiler errichtet und seine Lage astronomisch
festgelegt. ;
Der Kommandant konstatirte, daß ebenda, in dem nordwestlichen Neu-
Mecklenburg, z. B. in Nawon, die Eingeborenen dem Kannibalismus nach wie vor
huldigen, wobei: sie die Weißen allerdings nicht anrühren, sondern sich mit ihren
Stammesgenossen begnügen, zwischen denen fortwährende Kämpfe bestehen.
Auf der Fahrt von der Nordküste Neu-Mecklenburgs rund um Kap St. George
zurück nach Matupi wurde schönes Wetter mit leichtem Südostpassat angetroffen.
Die mehrfach berichtete falsche Lage der Gardener- und Gerryt Denys-
Inseln. ist in erster Linie auf die ungenau in die Karte No. 100 eingetragene
Küstenlinie zurückzuführen. . ;
‚Die gesammte Küstenlinie liegt nach den gemachten Beobachtungen ca 2 bis
3 Sm, vom Kap Sals anfangend, südlicher, sie scheint im Uebrigen auf einen
Abstand von 2 bis 3 Sm rifffrei zu sein, auch enthält sie zahlreiche Buchten und
Anpflanzungen der Eingeborenen, so dafs auf geeignete Ankerplätze zu rechnen ist.
Am Sonntag den 27. wurde vormittags das St. George-Kap umrundet und
abends gegen 6 Uhr im Matupi-Hafen geankert. a
Trotz aller getroffenen Vorsichtsmafsregeln erkrankte die gesammte Wach-
mannschaft, welche an der Icore-Mündung ausgeschifft gewesen, einschliefslich des
Dr. Hayn, nach fast genau 14 Tagen am Wechselfieber. .
Die Krankheitsfälle der Mannschaften waren mäfßig schwer mit hohem
Fieber im Anfang. |
Am 6. November unternahm der Kommandant dann. nach Beendigung der
Instandsetzungsarbeiten im Schiff eine Fahrt naclı Friedrich Wilhelms-Hafen, um
dort am Sitze des Landeshauptmannes die Flagge zu zeigen und. sich weitere
Orientirung über die für die Vermessung in Betracht kommenden . Verhältnisse
zu verschaffen, sowie gleichzeitig auch die Post von dem fahrplanmäfsig dort am
9. zu erwartenden Dampfer in Empfang zu nehmen. Ü
S. M. S. „Möwe“ verliefs morgens den Matupi-Hafen: und wählte die Tour,
die im Allgemeinen von‘ den Reichspostdampfern eingeschlagen wird: „Norden
um die Gazelle-Halbinsel herum, zwischen Merite und den French-Inseln hindurch.“
Die Reise konnte bei günstigen Witterungsverhältnissen unter Dampf und
Segel zurückgelegt werden. Am 8. vormittags wurde die Neu - Guinea - Küste
gesichtet und nachmittags gegen 3 Uhr: in Friedrich Wilhelms-Hafen geankert.
Ich blieb dort bis zum 12; November und trat nach Auffüllung von Kohlen
daselbst und Empfangnahme der Post am 13. dieses Monats die Rückreise nach
Matupi bezw. Herbertshöh an. .
Für diese Fahrt steuerte ich zu meiner Information an der Nordküste von
Neu-Pommern entlang und überzeugte mich, dafs die in der Adm.-Karte No. 100
enthaltene Bemerkung über die Willaumez-Inseln vom dentschen Dampfer „Ysabel“
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