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Anualen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1897,
Die zwei ersten Kurven sind, wie man sieht, von der Belle Isle - Strafse
entnommen und aufserordentlich geeignet, das Vorherrschen der Gezeitenbewegung
in dieser Straße zu zeigen, wie es in unseren ersten „Beiträgen“ näher geschildert
wurde;*) der Kontrast gegen die hydrographischen Verhältnisse in der Cabot-
Strafse und an der Gaspe- Küste, welche durch die zwei anderen Kurvenpaare
vepräsentirt werden, kann gar nicht deutlicher als durch diese graphische Dar-
stellung zum Ausdruck gebracht werden.
In Bezug auf die Pegelstationen, von denen auch früher die Rede war, °)
ist noch zu sagen, dals ein Fluthmesser noch in Halifax errichtet worden ist,
während der auf den Magdalenen - Inseln aufgegeben wurde, da dort die Fluth-
gröfse oft kaum bemerkbar war; auch auf der St. Paul-Insel beträgt der Unter-
schied zwischen Hoch- und Niedrigwasser nur etwa 1,2 m, bei tauber Gezeit gar
nur 0,6 m, während nach der Gaspe - Küste hin schon die Amplituden wachsen,
weil die vom Ocean her eintretende Fluthwelle in ihrem Querprofil eingeengt
wird. Auf Grund der neuen Pegelkurven werden übrigens für Quebee bereits
Gezeitentafeln herausgegeben, für Halifax und St. John sind solche in Vorbereitung.
Ueber geographische Ortsbestimmung am Lande
ohne astronomische Instrumente.
Da auch bei Seefahrern der Fall nicht selten vorkommt, dafs ohne Sextant
oder Universalinstrument am Lande eine Ortsbestimmung auszuführen ist, so
wird es nicht unangebracht sein, in dieser Zeitschrift einen kurzen Hinweis auf
eine Arbeit zu geben, die der bekannte Astronom Professor Dr. Paul Harzer
in Gotha zuerst im 4. und 5. Hefte des 6. Jahrganges der „Mittheilungen der
Vereinigung von Freunden der Astronomie und kosmischen Physik“ veröffentlicht
and im 42. Bande von „Petermanns Mittheilungen“ weiter ausgeführt und ins-
besondere auch auf Längenbestimmung ausgedehnt hat.
Während man an Bord mit dem Sextanten zur Bestimmung von Breite
oder Zeit auf Höhenbeobachtungen angewiesen ist, läfßst sich auf dem festen
Lande ohne grofse Mühe eine durch das Zenith gehende Durchgangsebene ein-
richten, die ihr Azimuth während der ganzen Dauer der Beobachtungen nicht
ändert. Man beobachtet nach den Schlägen eines Chronometers die Durchgangs-
zeit von Jahrbuchsternen — für Längenbestimmung auch vom Monde — durch
die so fixirte Azimuthebene. Da diese Zeit, wenn man die Erde als Kugel an-
nimmt, von der Refraktion und der Parallaxe nicht beeinflufst wird, so gestaltet
sich die Berechnung verhältnifsmäfsig einfach. Auch fällt hier die bei Kimm-
beobachtungen und wegen der Refraktion bei tiefstehenden Gestirnen unvermeid-
liche Unsicherheit in der Höhenbestimmung weg.
Am besten wendet man, namentlich wenn sowohl die Breite als auch
die Zeit der Bestimmung bedürfen, zwei Durchgangsebenen an, die daun nahezu
einen rechten Winkel miteinander bilden mögen. Es empfiehlt sich, die eine
möglichst nahe in den Meridian, die andere möglichst nahe in den ersten Vertikal
zu bringen. Zu diesem Zwecke grabe man vier kräftige Stangen an den Ecken
eines rechtweisend orientirten Quadrates senkrecht fest in den Erdboden ein und
verbinde sie oben mit horizontalen Querstangen. In der Mitte jeder der vier
gut befestigten Querstangen wird ein Ring angebunden und durch je zwei gegen-
überliegende Ringe zieht man einen dünnen aber festen weißen Zwirnsfaden,
dessen Enden man an der tiefsten Stelle verknüpft und mit einem Stein beschwert.
Die beiden Fäden und die beiden Steine dürfen sich nicht berühren. ‚Jeder der
beiden Fäden bildet dann ein nahezu gleichschenkliges Dreieck, das, mit der
Basis nach oben gerichtet, in einer vertikalen Ebene liegt. Gegen Windstöfse und
andere zufällige Erschütterungen bewahrt man die beiden Fadendreiecke am besten
1) S. ebenda, 5. 225 ff,
2 S. ebenda, S. 222.