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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Schott: Weitere Beiträge zur Hydrographie des St. Lorenz-Golfes, 
1921 
Süßfswassereis des St. Lorenz - Stromes, welches schon seinem äußeren Ansehen 
nach von dem Wintereis verschieden ist. 
An der Südküste Antikostis, zwischen Südwest- und Südspitze, haben diese 
Fischer den Strom von Süden laufend gefunden, und in dem Mingan-Kanal läuft 
nach ihrer Meinung mehr Wasser einwärts (nach Westen) als auswärts (nach 
Osten). Die unter der Südküste Antikostis beobachtete Nord- bis Nordwest- 
strömung schliefst nach ihrer Ansicht einen vollen Stromkreis, der zwischen der 
Gaspe-Küste und Antikosti vorhanden ist; ein Boot, das in einem Januar bei 
Kap Gaspe wegtrieb nach SO, passirte im Anfang März zum zweiten Male, von 
Norden her kommend, dasselbe Kap! 
Interessant sind auch die Berichte, welche durch die kanadische Unter- 
suchungsexpedition von den Fahrzeugen der verschiedenen Dampfergesellschaften 
eingefordert wurden, da sie zeigen, wie die wechselnden Wasserbewegungen dieser 
Gewässer sich in der Besteckführung der seegehenden Dampfer äufsern, Drei 
Dampfer hatten während acht Reisen (auf der Belle Isle-Route) zwischen Fame 
Point und Heath Point (Antikosti) zweimal. Strom von NW und West mit einer 
stündlichen Geschwindigkeit von !/4 bis !/2Sm, sechsmal keine merkbare Versetzung. 
Eine Dampfergesellschaft (die „Black Diamond line“), welche ihre Schiffe regel- 
mäfsig zwischen Montreal, Sydney C. B. und St. Johns N. F. verkehren läßt, 
berichtet über die Erfahrungen gerade zur Zeit der hydrographischen Aufnahmen 
an Bord des „Lansdowne“, Sommer 1895. Auf 22 Reisen fand man hiernach 
zwischen Kap Chatte (49° 6‘ N-Br und 66° 45‘ W-Lg) und Kap Gaspe 16mal den 
Südoststrom mit einer Geschwindigkeit von 1 bis zu 3 Knoten, 4mal einen 
Nordwest bis Westnordweststrom mit einer Geschwindigkeit von weniger als 
1! Knoten, und 2mal erfuhr ınan auf- oder ablandigen Strom; zwischen Gaspe 
und den Magdalenen-Inseln wird unter 14 Reisen die Stromrichtung nach SO oder 
Süd in 9 Fällen (und zwar durchschnittlich 1 Knoten in der Stunde), nach NW 
oder West in 5 Fällen ('/% bis 1 Knoten in der Stunde) gemeldet; zwischen 
Magdalenen-Inseln und Kap North endlich sind nach dem Bericht dieser Dampf- 
schiffsgesellschaft 13 Reisen zu verzeichnen; 8mal hatte man hier ausgehenden Strom 
(nach SO, Ost oder NO mit einer stündlichen Geschwindigkeit von */z bis 1 Knoten), 
2mal eingehenden Strom (nach NW oder Nord mit einer entsprechenden Ge- 
schwindigkeit von nur !/2 Knoten), 3mal war keine Versetzung bemerkbar. Es 
wird mit Beziehung auf die Küstenstrecke Kap Chatte—Kap Gaspe noch hinzu- 
yefügt, dafs diese Dampfschiffe auf ihren Rückreisen nach Montreal sich gewöhnlich 
dicht unter Land halten, um von dem Gezeitenstrom Vortheil zu ziehen und dem 
weiter seewärts gelegenen, nach SO setzenden Gaspe-Strom zu entgehen; man 
kann hier ruhig nahe unter Land gehen, die 30 Faden - Linie liegt an dieser 
Küstenstrecke überall etwa 1 Sm vom Lande ab, 
In dem Berichte Dawsons vom 13. April 1896 heifst es zuletzt: „Im 
Allgemeinen mögen daher die Schiffe entlang der Gaspe-Küste auf Südoststrom 
rechnen bei gewöhnlicher Wetterlage. Bewegt sich aber vielleicht eine tiefe 
Depression, ein Sturmgebiet nordwärts, begleitet von südwestlichen Winden 
(immer magnetisch gerechnet!) auf dem unteren St. Lorenz-Strom und von starken 
südlichen Winden auf dem Golf südlich von Antikosti, bei fallendem Barometer, 
so wird die Südost-Abflufsströmung gestört sein, sie liegt dann in der: Mitte der 
Passage von GaspeE oder mehr nach Antikosti hin, während man auf der Höhe 
von Gaspe selbst unregelmäfsigen. oder Nordweststrom findet. Schiffe, die unter 
diesen Umständen, besonders wenn das Wetter zugleich neblig ist, Land machen 
wollen, sollten aber auch nicht zu sicher auf die Abwesenheit der Südostströmung 
in diesem Falle rechnen, sich auch gegen auflandige Trift sichern.“ 
Zu den beigefügten sechs Kurven (s. Taf. 3) sind nur wenige Worte der Er- 
klärung nothwendig. Es gehören je zwei Kurven zusammen, indem die erste immer 
den an Bord des verankerten „Lansdowne“ während eines Zeitraumes von über 
24 Stunden beobachteten Strom nach Richtung und Stärke angiebt, die darunter 
befindliche die gleichzeitigen Angaben eines in der Nähe befindlichen 
registrirenden Fluthmessers!) darstellt, so dafs man also Strom und Gezeit hier 
sehr klar nebeneinander hat. Zugleich sind die Zeiten der Monddurchgänge an- 
gegeben, die Ortszeit ist durchweg die des 60. Meridians. 
ı) S. diese Zeitschrift 1896, S. 222. 
Ann, d. Hydr. ote., 1897, Heft 1
	        
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