accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Dr 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1897, 
Auch die vom verankerten Schiff aus gemachten direkten Strombestimmungen 
zeigten auf dieser Verbindungsstrecke fasst durchweg Süd- bis Südoststrom, in 
der Nähe der Magdalenen-Inseln freilich mehrfach modilicirt durch Gezeiten- 
bewegungen, die auch nach Osten hin auftreten, wie wir dies ja schon bei der 
Belle Isle - Straße, dem Mingan - Kanal und an der Südküste Autikostis kennen 
lernten. 
Auf Grund von Schiffsberichten und auch auf Grund der Salzgehaltsver- 
hältnisse ist im Einzelnen dabei noch anzunehmen, dafs der gröfste Theil der 
Gaspe-Abflufsströmung zwischen Magdalenen-Inseln und Prinz Kdward-Insel hin- 
durchgeht und also von Südwesten her zum Kap North kommt, nur ein 
kleinerer Theil aber nördlich von den Magdalenen - Inseln, von Bird Rock aus, 
direkt zur Cabot- Straße zieht. Jedenfalls also folgt die Gaspe - Strömung auf 
dieser Verbindungsstrecke nicht der tiefen Rinne, !) sondern tritt auf das westliche 
Flachseegebiet über; ist sie ja selbst nur eine seichte Trift.”) 
Erneute Beobachtungen in der Cabot-Strafse bestätigten die Krgebnisse 
des Jahres 1894, wonach also zwischen Kap North und St. Paul, ja noch bis zu 
10 Sm östlich von St. Paul, die schwachsalzige Abflufsströmung nach Süden 
herrscht (bis 2 Knoten stündliche Geschwindigkeit), auf der Neufundland - Seite 
aber eine zum Golf hin gerichtete nordwestliche Trift, welche oceanisches Wasser 
führt und offenbar, zu einem "Theile wenigstens, einen Ersatz für das von der 
Gaspe-Strömung seewärts entführte Wasser zu liefern hat. Denn darüber kann 
eine nähere Ueberlegung keinen Zweifel lassen, dalßs mit der Gaspe-Strömung 
ganz bedeutend mehr Wasser den St. Lorenz-Golf verläfst, als der 
St. Lorenz-Strom selbst giebt, dessen Wasserführung in der Nähe von Quebec auf 
340 000 Kubikfuß in der Sekunde geschätzt wird. Die Gaspe - Strömung besteht 
eben, so seicht sie auch ist, nicht blofßs aus dem Flulswasser. — 
Aus allen den neuen kanadischen Untersuchungen ist auch dies klar 
geworden, dafs die frühere Annahme, wonach ein Theil der kalten Labrador- 
Strömung durch die Belle Isle-Strafse hindurch das östliche Gebiet des St. Lorenz- 
Golfes betreten, durchqueren und auf dem Wege der Cabot-Straße wieder ver- 
lassen sollte, nicht zutrifft, dafs vielmehr, wenn überhaupt an einer Stelle des 
(4olfes, eine allgemeine und konstante Wasserbewegung nur auf der westlichen 
Seite des Golfes zu finden ist, welche aber der Hauptsache nach kein oceanisches 
Wasser führt, sondern ein Gemenge von Flufswasser und Golfwasser. — 
Zur Ergänzung der ad hoc unternommenen hydrographischen Aufnahmen, 
die doch immer nur kleinere Zeitperioden umfassen können, sind Informationen 
durch Seeleute und Fischer der in Frage kommenden Gewässer stets ungemein 
werthvoll, und es seien daher auch in diesem kurzen Berichte noch einige 
solcher Angaben, welche Dawson mittheilt, aufgeführt. 
Kapt. Gwinn, der durch Fischerei und Seehundsjagd die Gegend kennt, 
sagte aus, dals „auf der Höhe von Kap North der Strom ständig von NW her 
laufe; nur manchmal wird dieser Strom für wenige Tage durch schwere Südost- 
winde gestoppt oder in die umgekehrte Richtung gebracht. Die Strömung ist 
im Frühjahr nicht härter als zu anderen Jahreszeiten; von den Magdalenen-Inseln 
nach Kap North hin bekommt der Strom mehr Gezeitencharakter, bewegt sich 
aber doch nach Osten. Fahrzeuge, die beim Seehundsfang vom Eis des Frühjahrs 
besetzt werden, treiben nach SO hinweg, manchmal bis St. Pierre - Insel (im 
Atlantischen Ocean)“. 
Zwei Fischer, die viele Jahre bei Kap Gaspe gelebt haben, wurden auch 
hefragt, sie hatten auch während des Winters gute Gelegenheit zu Strombeob- 
achtungen auf Grund der Eistrift, zumal ihr Quartier 200 m über dem Meere lag, 
Die Gezeitenbewegung dicht unter Land hat nach diesen Gewährsleuten nur 
selten eine größere Breite als 1 bis 1'/2 Sm landabwärts, weiter nach See hin 
treibt das Eis ständig während des Winters nach Süden, und freies Wasser ist 
nicht zu sehen, so lange der Wind aus dem Nordwestquadranten steht, was um 
liese Zeit meist der Fall ist. Geht der Wind aber nach Süd bis SW, so ver- 
Jäfst das Eis die Küste. Dieses Eis ist Seewassereis: im Frühjahr kommt das 
2 
S. die Karte, 1896, Tafel 3. 
S. oben, S. 118.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.