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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Schott: Weitere Beiträge zur Hydrographie des St. Lorenz-Golfes, 119 
Wenn die Oberflächengeschwindigkeit gleich 100 gesetzt wurde, so hatte man 
in 10 Faden Tiefe nur noch 77° dieser Geschwindigkeit, in 20 Faden 38 und 
in 30 Faden gar nur 29%. 
Uebrigens sieht man auch aus der oben mitgetheilten Tabelle, dafs auf 
der Antikosti-Seite der Gaspe-Strom nicht vorhanden ist; er hält sich, gemäfs 
den oben gemachten Angaben, in der Regel auf der westlichen Hälfte der 40 Sm 
breiten Meeresstrafse, während auf der Antikosti-Seite schwache Gezeitenbewegungen 
vorherrschen, nach SSO bis O0SO mit der Ebbe, nach Nord bis NNW mit der Fluth. 
2. Verlagerung der Gaspe - Strömung. Manchmal freilich wird 
der Gaspe - Strom auch verlagert, hauptsächlich vielleicht durch starke südliche 
Winde, dann nimmt er die Mitte der ganzen Passage ein; in der Regel aber, 
wie gesagt, hält er sich näher an die Festlandsseite. Man mufs ihn mittelst 
Bestimmung des Salzgehaltes des Seewassers suchen; strömt er in der Mitte, 
so hat man Gezeitenbewegungen, unter Umständen auch Gegenstrom nach NW 
auf beiden Seiten. 
3. Umkehrung der Gaspe - Strömung. Es kann geschehen, : daß 
dieser nordwestliche Gegenstrom, z. B. auf der Höhe von Fame Point, eine Breite 
von 12 Sm, von Land ab gerechnet, hat und viele Tage lang ununterbrochen 
gerade da läuft, wo eigentlich der normale Südoststrom sein Bett hat. Letzterer 
findet sich dann meist weiter nach Osten hin und läuft südlich von Kap Gaspe 
nach wie vor aus Norden, so dafs man annehmen kann, der Nordwestgegenstrom 
ist der direkt umgebogene rückläufige Gaspe - Strom selbst oder doch ein Theil 
desselben, jedenfalls keine vom Ocean her einkommende Trift. Das oben mit- 
getheilte Dichtigkeitsprofil ist gerade während einer solchen Verlagerung bezw. 
Umkehrung der Gaspe - Strömung aufgenommen worden, Wenn starke südliche 
Winde an der Gaspe-Küste wehen (was im Juli und August häufig eintritt), und 
gleichzeitig auf dem unteren St. Lorenz - Strom westliche Winde, die doch das 
Flufßswasser stark vor sich hertreiben müssen, so tritt meist diese ungewöhn- 
liche Vertheilung der Wasserbewegungen ein; der Strom von SO hatte eine 
zwischen 0,5 und 1,4 Knoten schwankende stündliche Geschwindigkeit. 
4. Auflandige und ablandige Richtungen des Gaspe-Stromes 
kommen auch vor und sind begreiflicherweise für den Seeverkehr besonders 
wichtig. Nach den bisherigen Beobachtungen halten sie aber nur wenige 
Stunden zur Zeit an, überschreiten öfters die stündliche Geschwindigkeit von 
1 Knoten und scheinen weniger ganz dicht unter dem Land der Gaspe-Seite vor- 
zukommen, wo eben doch meist der Südoststrom parallel zur Küste läuft, als 
vielmehr nach der Mitte der Passage hin und besonders häufig an der Antikosti- 
Seite, wo man also vor auflandiger Versetzung sich hüten muls. 
5. Gezeiteneinflufs, Die Gaspe- Strömung ist immer, sie mag ihre 
gewöhnliche Südostrichtung haben oder auch nach NW zeitweise fließen, einer 
Geschwindigkeitsänderung, die der Gezeit entspricht, unterworfen, und zwar der- 
art, dals sie, bei Südoststrom, mit Niedrigwasser am härtesten flielst, mit Hoch- 
wasser am schwächsten; ist die Stromrichtung aber umgekehrt, so ist für den 
Einflufs der Gezeitenphase das Umgekehrte der Fall. 
Auf die Richtung haben dagegen Ebbe und Fluth wenig KEinflufs, so lange 
die Strömung einigermafsen konstant und kräftig ist. 
III. Die Gegend zwischen Kap Gaspe und Kap North (Kap Breton- Halb- 
insel). Daß die Gaspe-Strömung, in ihren wesentlichen Eigenschaften unverändert, 
wenigstens bis zum Kap North auf der westlichen Seite der Cabot- Strafse 
gelangt, wo Dawson 1894 eine auffallende Südostströmung von abnorm schwach- 
salzigem Wasser gefunden hatte, darf nunmehr nach’ den im August 1895 auf 
der Verbindungsstrecke vorgenommenen Messungen als sicher angenommen 
werden, so dafs also der Abflufs des St. Lorenz-Stromes von Antikosti an 
bis zum offenen Atlantischen Ocean hin hiermit verfolgt ist. Er lehnt 
sich dabei stets an die westliche Seite des Golfgebietes an — was nach Dawson 
eine Folge der Erdrotation ist, da man im Hinblick auf die im Sommer vor- 
herrschenden Südwestwinde soust eine Anlehnung an die andere Seite erwarten 
sollte — und erhöht allmählich seinen Salzgehalt. Die verschiedenen Karten, 
welche Dawson zur Veranschaulichung der geographischen Vertheilung der 
Salinitäten giebt, lassen deutlich diese Abflufsströmung erkennen, die Isohalinen 
ordnen sich meist in die (rechtweisende) Südostrichtung,
	        
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