Schott: Weitere Beiträge zur Hydrographie des St. Lorenz-Golfes, 117
die bekannteste und wichtigste Gegend darstellen, spricht Dawson. in bequemer
Abkürzung einfach von Gaspe-Strömung etc., womit aber die Strömung jener
ganzen, wenigstens 75 Sm langen Verbindungsstrafse gemeint ist,
Die hydrographische Erforschung dieser Gegend bedeutet die unmittelbare,
nordwärts verlängerte Fortsetzung der hydrographischen Arbeiten in der Cabot-
Straße, bei denen man auf der Höhe von Kap North nach der Insel St. Paul
hin einen fast ganz konstanten Südoststrom von auffallend schwachsalzigem
Wasser im Jahre 1894 festgestellt hatte;’) für dessen Existenz mußte ıan,
wenigstens zum grofsen Theil, die Abflufsgewässer des St. Lorenz - Stromes ver-
antwortlich machen. War diese Anschauung richtig, so mufste man in der Gaspe-
Gegend diesen Südoststrom mit seinen charakteristischen Eigenschaften ebenfalls,
ja noch sicherer, finden.
Im Juli und im September 1895 erfolgten die genauen Aufnahmen der
Gewässer der eigentlichen Gaspe-Gegend, während im August durch eine ganze
Reihe von hydrographischen Profilen, die von SW nach NO zwischen Gaspe,
den Magdalenen - Inseln und Kap Breton - Halbinsel gelegt wurden, die Ver-
bindung mit der Cabot - Strafse hergestellt wurde; man ging fast immer entlang
jener tiefen Rinne, welche vom Mündungstrichter des St. Lorenz-Stromes an bis
zur Cabot-Strafse sich erstreckt, erst mit Tiefen von über 300, dann von über
400 m, und welche auf unserer schon erwähnten Kartenskizze sehr deutlich her-
vortritt. Je nach Zeit und Umständen wurde sowohl von dem in Fahrt befind-
lichen wie vom verankerten Schiffe aus beobachtet; es handelte sich natürlich
zunächst wieder um möglichst genaue and vielfache Feststellungen der Strom-
richtung und Stromgeschwindigkeit mittelst Logg oder besonderer Strommesser.
Die indirekten Methoden, aus Temperatur- und Salzgehaltsbestimmungen auf den
Verlauf der Wasserbewegungen, sowohl derjenigen an der Oberfläche wie der-
jenigen in den tieferen Schichten, zu schliefsen, sind diesmal in hohem Grade zu
ihrem Rechte gekommen. Was die gerade für die Schiffahrt wichtigsten Ober-
flächentriften anbelangt, so ergab sich freilich bald, dafs bei der in jenen
Gegenden grofsen Veränderlichkeit der Wasserwärme Temperaturbestimmungen
sich praktisch kaum verwerthen liefen — immer nur für die Oberfläche! —, um
so gröfseres Gewicht wird auf Beobachtungen des Salzgehaltes oder des specifischen
Gewichtes gelegt, und den Verlauf z. B. des sogenannten Gaspe- Stromes nach
SO in der Gegend der Magdalenen-Inseln sucht Dawson hauptsächlich auf Grund
der Linien gleicher Dichtigkeit festzulegen. Der grofse praktische Werth von
Dichtigkeitsbestimmungen, :auf den der Berichterstatter auch schon früher sehr
nachdrücklich hingewiesen hat,*) wird in den letzten Jahren immer häufiger und
eingehender ausgenutzt, wie man z. B. aus den Arbeiten der Kooperation von
schwedischen, norwegischen, dänischen, deutschen und englischen HAydrographen
für die Erforschung der nordischen Gewässer sehen kann.
Begiunen wir ganz im Norden mit dem
I. Mingan - Kanal, zwischen Labrador und der Nordküste Antikostis.‘)
Da an der Gaspe- Küste ziemlich konstant ein Strom nach SO setzt, wie wir
nachher noch des Näheren sehen werden, ohne daß an der Südwestküste Anti-
kostis ein entsprechender Gegenstrom vorhanden ist, so war die Möglichkeit
denkbar, dafs durch den Mingan- Kanal ein Ersatz des mit dem Gaspe - Strom
abgehenden Wassers stattfinde. Die vom 16. bis 20. Juli an zwei Stationen
zwischen der Nordspitze Antikostis und den Mingan- Inseln ausgeführten Beob-
achtungen ergaben jedoch — ganz ähnlich wie für die Belle Isle-Strafßse —,
dafs die Wasserbewegungen hierselbst durchaus Gezeitencharakter haben; der
Strom läuft von SO mit der Fiuth, von NW mit der Ebbe. Allerdings besteht
ein beträchtlicher Ueberschufs der einwärts gerichteten Fluthbewegung über die
Ebbebewegung hinsichtlich der Zeitdauer — wiederum genau wie in der Belle
Isle-Straße —, aber der Unterschied ist schliefslich doch nur sehr gering, da
andererseits die Ebbe die gröfsere Geschwindigkeit aufweist; jedenfalls kann man
S. diese Zeitschrift, 1896, S. 228.
“ S. „Petermanns Mittheilungen“, Ergänzungsheft No. 109, S. 60 ff. Gotha 1893.
3) Die Richtungen sind im Folgenden stets magnetisch gegeben; zur Umwandlung in recht-
weisende Kurse genügt für unsere Zwecke vollkommen die Annahme von 21/2 Strich westlicher
Deklination.
N
7