116 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1897.
Fahrt des Schiffes fehlen, und namentlich in den Fällen, wo das Oel sich nicht
als wirksam erwies, so verdient die Behauptung des Herrn Baretge wohl Be-
achtung, da die Möglichkeit vorliegt, dalßs das Ausbleiben der Oelwirkung sich
darauf zurückführen läfst, dafs die Schiffsgeschwindigkeit nicht im richtigen Ver-
hältnifs zum Zustand der See geregelt war.
Zur Klärung dieses Punktes fordert daher die Direktion der Seewarte auf,
ihr Berichte über die Anwendung von Oel zur Wellenberuhigung zukommen zu
lassen, welche Angaben über folgende Punkte enthalten müßten:
Kurs und Fahrt des Schiffes vor und während des Gebrauchs von Oel.
Richtung und Stärke des Windes.
Richtung und Stärke des Seegangs,
Länge des Schiffes,
In welcher Entfernung vom Vorsteven wurde das Oel über Bord
gebracht?
In welcher Weise wurde das Oel angewendet? (Kloset, Beutel u. s. w.)
Welche Oelsorte wurde verwendet?
Temperatur der Luft und der Meeresoberfläche.
Zustand der See vor und nach dem Oelgebrauch.
Form und Ausdehnung der durch das Oel geglätteten Fläche.
Wie lange nach Beginn des Oelens trat die Wirkung ein?
Sind Versuche mit Seifenwasser, allein oder zugleich mit Oel, gemacht
worden und welchen Erfolg haben sie gehabt?
Weitere Beiträge zur Hydrographie des St. Lorenz-Golfes.”
Nach den kanadischen Berichten bearbeitet von Dr. GERHARD SCHOTT, Hamburg.
(Hierzu Tafel 3.)
Der St. Lorenz-Golf hat eine dreieckige Gestalt; auf die nordöstliche und
die südliche Kcke dieses Golfes, nämlich auf die Belle Isle - Straßse und die
Cahot-Strafse, bezogen sich die Darlegungen des ersten Aufsatzes, und es handelte
sich dabei um die hydrographischen Beziehungen dieser zwei oceanischen Aus-
gänge zum Atlantischen Ocean. Im Sommer des Jahres 1895 ist nun die
Ädritte, sozusagen die kontinentale Kcke, im Nordwesten des Golfes, einer ein-
gehenden Untersuchung unterzogen worden, wiederum von Seiten des „Tidal
Survey Office“ in Ottawa, welches unter der Leitung W.B.Dawsons die schon
;n den vorhergehenden Jahren mit so günstigem Erfolge benutzten Instrumente
auf demselben Dampfer „Lansdowne“ zur Verfügung stellte.
Die nach der Mündung des St. Lorenz - Stromes hin gelegenen Gewässer
sind es also, mit denen sich diese „weiteren Beiträge“ beschäftigen; wir stützen uns
dabei auf die zwei officiellen Publikationen Dawsons, nämlich die an das
„Department of Marine and Fisheries“ in Ottawa gerichteten Reports, datirt
vom 31. Oktober 1895 und vom 13. April 1896. Der letztere Bericht,
ler mit einer gröfseren Zahl graphischer Beilagen versehen ist, ist der
wichtigere und ausführliche. Indem wir unsererseits behufs einer geographischen
Örientirung auf das Kärtchen der Tiefenverhältnisse des St. Lorenz-Golfes,
welches unserem ersten Artikel beigefügt war,?) verweisen, wird zunächst
bemerkt, dafs im Sommer 1895 eine flüchtige Rekognoscirungsfahrt im Mingan-
Kanal, d. h. in der etwa 10 Sm breiten, von der Schiffahrt nicht eben sehr
‘requentirten Straße zwischen dem Nordwestnfer Antikostis und Labrador, vor-
genommen wurde, um auch diese nördliche Verbindungsstraßfse des St. Lorenz-
Stromes mit dem St. Lorenz - Golf wenigstens einigerınalsen kennen zu lernen,
dafs dann aber das ganze Hauptgewicht der Messungen auf die zweite und
wichtigere Verbindungsstrafßse entfiel, welche zwischen der Südküste Antikostis
und Neu-Braunschweig sich befindet. Diese Straße hat eine sehr gleichmäßige
Breite von rund 40 Sm; da auf der Festlandsseite Gaspe-Bai und der Ort Gaspe
N) I. Aufsatz s. diese Zeitschrift, 1896, S. 221 bis 230, ,
2) S. diese Zeitschrift, 1896, Tafel 3; siehe auch englische Seekarte No. 2516.