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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Oel zur Wellenberuhigung, 
Anambas zu sein und setzte das Oelen aus. Es waren etwa 5 kg stündlich ver- 
braucht worden. 
Nach meiner Erfahrung mufß die Schiffsgeschwindigkeit sich in einem ge- 
wissen Verhältnifs zum Zustand der See befinden, damit das Oel voll zur Wir- 
kung kommt. Thatsächlich war meine Geschwindigkeit nicht gröfßser als 8 Sm 
die Stunde. Ich versuchte, während ich Ilenzte, die Geschwindigkeit zu er- 
höhen, ich bekam Seeen auf Deck. Ich versuchte dasselbe, als ich raumschoots 
lief, ich konnte meinen Kurs nicht halten, ohne mich grofsen Havarien 
auszusetzen. 
Ich schließe daraus, dafs die Schiffsgeschwindigkeit von acht Knoten dem 
Zustand der See gut entsprach und dafs dementsprechend das Oel seine größte 
Wirkung ausübte.“ 
Die von Hermn Baretge aufgestellte Behauptung, „dafs beim Lenzen vor 
der See bezw. beim Laufen mit raumer oder dwars See die Schiffsgeschwindigkeit 
in einem gewissen Verhälinifs zum Zustande der See stehen müsse, damit das 
Oel wirksam sei“, steht in der Literatur über die Wellenberuhigung durch Oel so 
vereinzelt da, dafs wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf dieselbe besonders 
richten. 
Nach den uns zugänglichen Berichten über die Wirkung des Oels sind 
Beobachtungen, welche obige Behauptung stützen, bisher nicht gemacht, 
In der Preisschrift „Die Verwendung von Oel zur Beruhigung der Wellen“ 
bemerkt Kapt. R. Karlowa in dem das Segeln in hoher Quersee behandelnden 
Abschnitt auf Seite 21: „Je gröfser die Geschwindigkeit des Schiffes, desto achter- 
licher wird das Oel zur Geltung kemmen. Genaue Grenzen lassen sich dafür 
bis jetzt nicht aufstellen, doch scheint eine Fahrt von 14 bis 15 Sm die Stunde 
bei einem Schiff von 350 bis 400‘ (105 bis 120 m) Länge noch nicht zu grolßs 
zu sein, um nicht durch vorne am Bug austretendes Oel das Schiff von mittschiffs 
bis nach hinten noch gegen überbrechende Seeen zu schützen.“ 
„Arethuse“ ist 76 ın lang, es wäre also, zumal die Entfernung des vorderen 
Klosets vom Bug nicht angegeben. ist, immerhin möglich, dafs bei höherer Fahrt 
als 8 Sm das Oel seine Wirkung nicht mehr an der Schiffsseite bezw. dicht hinter 
dem Heck hätte äufsern können. 
Für diese Auffassung spricht auch die Beobachtung des Kapt. 0. Schmidt 
der Hamburger Bark „Selene“ (s. diese Annalen 1891, Seite 375). Derselbe lenzte 
zunächst platt vor der See und wandte Oel mit gutem Erfolg an, im weiteren 
Verlauf des Sturmes kam die See etwas vom Steuerbord ein, das Oelen blieb 
ohne Wirkung, Fahrt des Schiffes 11 bis 13 Sm. 
Andererseits liegen aber auch Berichte vor, bei welchen auch bei größerer 
Schiffsgeschwindigkeit das Oel seine Schuldigkeit that. So führt Kapt. R. Karlowa 
in der bereits erwähnten Preisschrift an: 
Bark „Neptun“ lenzt 24* vor schwerem Westsüdweststurm, bringt an jeder 
Seite am Krahnbalken einen Oelsack aus, der so gut wirkt, dafs aus der bis 
dahin dichtgerefften Fock und Vormarssegel die Reffe ausgesteckt werden und 
das Schiff mit 11,6 Sm Durchschnittsfahrt 24* lang läuft. 
‘Englische Bark „Wallace“, dwarssee laufend, mit etwa 9 Sm Fahrt, wendet 
Oel im vorderen Luvkloset mit gutem Erfolg an. 
Dampfer „Bohemia“, 105 m lang, läuft mit 10 Sm Fahrt quersees, hängt 
am Bug zu luward zwei Oelbeutel aus, das Oel hatte Zeit, die See, die meistens 
mittschiffs überschlug, zu dämpfen und am Ueberschlagen zu hindern. 
. Annalen 1887, Seite 229. S.M.S. „Preufsen“, 95 m lang, auf Westkurs 
mit 10 Sm Fahrt, Wind ENE 7 bis 8, See 6, läfst durch das vorn am Bug gelegene 
Luv-Mannschaftskloset Oel tröpfeln mit sehr gutem Erfolg. 
Annalen 1888, Seite 281, Dampfer „Main“, En lang, wandte auf 
Kurs 0N0'40 rw. 13,5 bis 14 Sm Fahrt bei Nordwest 8& bis 10, die See 4 bis 
5 Strich von Backbord achter ein, aus einem vor der Brücke aufgestellten Gefäfs 
Oel zur Wellenberuhigung mit wunderbarer Wirkung an; 60 bis 70 Tropfen Oel 
in einer Minute. 
Die letztangeführten fünf Beispiele scheinen der Behauptung des Herrn 
Baretge zu widersprechen, insoweit sie sich auf die Grenzen bezieht, welche die 
Fahrt des Schiffes der Wirkung des Oeles setzt. Da aber in den weitaus meisten 
Berichten . über Anwendung von Oel zur Wellenberuhigung Angaben über die 
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