Oel zur Wellenberuhigung,
Anambas zu sein und setzte das Oelen aus. Es waren etwa 5 kg stündlich ver-
braucht worden.
Nach meiner Erfahrung mufß die Schiffsgeschwindigkeit sich in einem ge-
wissen Verhältnifs zum Zustand der See befinden, damit das Oel voll zur Wir-
kung kommt. Thatsächlich war meine Geschwindigkeit nicht gröfßser als 8 Sm
die Stunde. Ich versuchte, während ich Ilenzte, die Geschwindigkeit zu er-
höhen, ich bekam Seeen auf Deck. Ich versuchte dasselbe, als ich raumschoots
lief, ich konnte meinen Kurs nicht halten, ohne mich grofsen Havarien
auszusetzen.
Ich schließe daraus, dafs die Schiffsgeschwindigkeit von acht Knoten dem
Zustand der See gut entsprach und dafs dementsprechend das Oel seine größte
Wirkung ausübte.“
Die von Hermn Baretge aufgestellte Behauptung, „dafs beim Lenzen vor
der See bezw. beim Laufen mit raumer oder dwars See die Schiffsgeschwindigkeit
in einem gewissen Verhälinifs zum Zustande der See stehen müsse, damit das
Oel wirksam sei“, steht in der Literatur über die Wellenberuhigung durch Oel so
vereinzelt da, dafs wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf dieselbe besonders
richten.
Nach den uns zugänglichen Berichten über die Wirkung des Oels sind
Beobachtungen, welche obige Behauptung stützen, bisher nicht gemacht,
In der Preisschrift „Die Verwendung von Oel zur Beruhigung der Wellen“
bemerkt Kapt. R. Karlowa in dem das Segeln in hoher Quersee behandelnden
Abschnitt auf Seite 21: „Je gröfser die Geschwindigkeit des Schiffes, desto achter-
licher wird das Oel zur Geltung kemmen. Genaue Grenzen lassen sich dafür
bis jetzt nicht aufstellen, doch scheint eine Fahrt von 14 bis 15 Sm die Stunde
bei einem Schiff von 350 bis 400‘ (105 bis 120 m) Länge noch nicht zu grolßs
zu sein, um nicht durch vorne am Bug austretendes Oel das Schiff von mittschiffs
bis nach hinten noch gegen überbrechende Seeen zu schützen.“
„Arethuse“ ist 76 ın lang, es wäre also, zumal die Entfernung des vorderen
Klosets vom Bug nicht angegeben. ist, immerhin möglich, dafs bei höherer Fahrt
als 8 Sm das Oel seine Wirkung nicht mehr an der Schiffsseite bezw. dicht hinter
dem Heck hätte äufsern können.
Für diese Auffassung spricht auch die Beobachtung des Kapt. 0. Schmidt
der Hamburger Bark „Selene“ (s. diese Annalen 1891, Seite 375). Derselbe lenzte
zunächst platt vor der See und wandte Oel mit gutem Erfolg an, im weiteren
Verlauf des Sturmes kam die See etwas vom Steuerbord ein, das Oelen blieb
ohne Wirkung, Fahrt des Schiffes 11 bis 13 Sm.
Andererseits liegen aber auch Berichte vor, bei welchen auch bei größerer
Schiffsgeschwindigkeit das Oel seine Schuldigkeit that. So führt Kapt. R. Karlowa
in der bereits erwähnten Preisschrift an:
Bark „Neptun“ lenzt 24* vor schwerem Westsüdweststurm, bringt an jeder
Seite am Krahnbalken einen Oelsack aus, der so gut wirkt, dafs aus der bis
dahin dichtgerefften Fock und Vormarssegel die Reffe ausgesteckt werden und
das Schiff mit 11,6 Sm Durchschnittsfahrt 24* lang läuft.
‘Englische Bark „Wallace“, dwarssee laufend, mit etwa 9 Sm Fahrt, wendet
Oel im vorderen Luvkloset mit gutem Erfolg an.
Dampfer „Bohemia“, 105 m lang, läuft mit 10 Sm Fahrt quersees, hängt
am Bug zu luward zwei Oelbeutel aus, das Oel hatte Zeit, die See, die meistens
mittschiffs überschlug, zu dämpfen und am Ueberschlagen zu hindern.
. Annalen 1887, Seite 229. S.M.S. „Preufsen“, 95 m lang, auf Westkurs
mit 10 Sm Fahrt, Wind ENE 7 bis 8, See 6, läfst durch das vorn am Bug gelegene
Luv-Mannschaftskloset Oel tröpfeln mit sehr gutem Erfolg.
Annalen 1888, Seite 281, Dampfer „Main“, En lang, wandte auf
Kurs 0N0'40 rw. 13,5 bis 14 Sm Fahrt bei Nordwest 8& bis 10, die See 4 bis
5 Strich von Backbord achter ein, aus einem vor der Brücke aufgestellten Gefäfs
Oel zur Wellenberuhigung mit wunderbarer Wirkung an; 60 bis 70 Tropfen Oel
in einer Minute.
Die letztangeführten fünf Beispiele scheinen der Behauptung des Herrn
Baretge zu widersprechen, insoweit sie sich auf die Grenzen bezieht, welche die
Fahrt des Schiffes der Wirkung des Oeles setzt. Da aber in den weitaus meisten
Berichten . über Anwendung von Oel zur Wellenberuhigung Angaben über die
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