Herrmann: Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1896, 109
Mainthal und Regmnitzthal bis gegen Erlangen, ferner in einigen Küstengegenden,
Posen und Mittelschlesien,
Am 28. August steigt das Barometer stark im Osten Kuropas, beginnt
jedoch im Westen zu fallen. Es stellt sich so in den letzten Tagen des August
eine Druckvertheilung her, ähnlich der, die in den ersten zwei Dritteln des Juni
stattfand; hoher Luftdruck im Osten, besonders Nordosten, niedriger im Westen,
besonders Südwesten. In den Tagen bis zum 14. September, in denen mit
kurzer Unterbrechung diese Druckvertheilung besteht, kommen Gewitter und
Hagelfälle, wenn man die vorgerücktere Jahreszeit in Betracht zieht, häufig vor,
wenn auch nicht so zahlreich wie im Juni; die Zahl und Ergiebigkeit der Regen-
fälle steht der jener ähnlichen Tage nicht wesentlich nach. Die Temperatur
erhebt sich dabei in den ersten Septembertagen über die des August, übersteigt
aber bei der geringeren Sonnenwirkung nirgends mehr 27°. Schon in den
ersten Tagen des September beginnen ausgedehntere Herbstnebel aufzutreten.
Die Witterungsverhältnisse ändern sich nicht wesentlich, als am 15. September
der hohe Luftdruck im Osten verschwindet und eine westliche Luftströmung die
Herrschaft über Deutschland gewinnt. Eine umfangreiche Depression breitet
sich über Europa aus; zahlreiche Minima treten auf und durchziehen zum Theil
Deutschland; die starken Regenfälle halten daher an.
Ein am 23, und 24. September über der südlichen Nordsee und Ostsee
vorüberziehendes tiefes Minimum ruft in diesen Tagen stürmische westliche Winde
über ganz Deutschland hervor, die an der Küste zu einem schweren Sturm ausarten.
Gegen Ende September lassen die Niederschläge an Häufigkeit nach, und
der Oktober weist besonders in der ersten Hälfte des Monats eine gröfsere Zahl
trockener Tage auf. Deutschland steht in dieser Zeit überwiegend unter dem
Einflufs hohen Luftdruckes, Das Wetter ist dementsprechend auch häufig heiter,
wenn auch vielfach nebelig, und warm; das Thermometer steigt mittags vielfach
über 20°. In der zweiten Hälfte des Monats und den ersten drei Tagen des
November macht dagegen eine von Nord nach Süd über Europa sich erstreckende
Depression ihren Einflußs durch trübes, kühleres Wetter und häufigere Regenfälle
geltend; besonders im Südwesten Deutschlands sind die Niederschlagsmengen
bedeutend. Gelegentliches nächtliches Aufklaren führt im Binnenlande stellen-
weise Nachtfröste herbei.
Die Nachtfröste werden allgemeiner nach dem 4. November, an welchem
Tage ein Hochdruckgebiet von Westen her sich über Deutschland ausbreitet.
Damit tritt zugleich theils heiteres, theils nebeliges, zum gröfsten Theil trockenes
Wetter ein. Dieses Wetter hält bis Anfang Dezember an, mit kurzen Unter-
brechungen von niederschlagsreicheren Tagen, an welchen Europa von Nord nach
Süd durchstreichende Einsenkungen des Luftdruckes die sonst bestehende Herrschaft
hohen Luftdruckes über Deutschland zeitweise brechen. Die stellenweise dabei
auftretenden Schneefälle sind zu gering, um eine Schneedecke zu bilden, die bei
den 0° übersteigenden Tagestemperaturen bestehen bleiben könnte.
Besonders im letzten Drittel des November überwiegen die östlichen Winde,
und die Temperatur sinkt derartig, dafs vom 26. bis 29. an zahlreichen Orten
Deutschlands das Thermometer nach strengerer Kälte in der Nacht auch gegen
Mittag unter dem Thaupunkte bleibt, nachdem schon gegen Mitte des Monats
im äußersten Osten Deutschlands Tage mit über Mittag anhaltendem Frost zu
verzeichnen waren.
Eine am 30, November im Nordosten Europas auftretende etwas tiefere
Depression führt über Norddeutschland lebhaftere nordwestliche Winde und damit
eine vorübergehende Erwärmung herbei, der schon am 2. Dezember erneute Ab-
kühlung folgt. Das in den letzten Tagen des November nordwestlich von
Deutschland lagernde Hochdruckgebiet verschiebt sich nämlich schnell ostwärts,
die Winde gehen daher bei klarem Wetter in Norddeutschland nach Südost um,
and mäfsigere Kälte tritt daselbst wieder ein. In Ostdeutschland herrscht vom
3. bis 6. Dezember selbst über Tag strenger Frost. Eben in diesen Tagen ist
aber über Süddeutschland Thauwetter eingetreten, welches sich mit einer Depression
von Westen her am 7. Dezember auch über das übrige Deutschland ausbreitet
und mit Regenfällen verbunden ist. Dieses warme Wetter mit nur geringen und
nicht allgemein verbreiteten Nachtfrösten hält bis zum 14. Dezember an. Mit
dem 15. Dezember geht die Temperatur wieder etwas zurück, und die Nieder-