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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1897. 
dagegen eine solche im Südwesten des Erdtheiles aufgetreten; die Winde gehen 
über Deutschland vielfach in südöstliche über, und die Mittagstemperaturen 
erreichen gröfsere Höhen, am 28. Mai stellenweise gegen 30°. Das Auftreten 
nördlicher Winde am 29. Mai bringt sofort eine erhebliche Abkühlung mit sich. 
Die erwähnte kurze Unterbrechung der Trockenperiode des Mai durch 
ausgedehntere Regenfälle wird dadurch herbeigeführt, dafs sich am 19. Mai 
wieder eine Furche niedrigeren Luftdruckes bildet, die Europa von Nordwest 
nach Südost durchstreicht und erst inı Laufe des 22. Mai verschwindet. 
In den ersten Tagen des Juni gestaltet sich die Luftdruckvertheilung 
ungefähr entgegengesetzt zu der im Mai vorherrschenden; hoher Luftdruck lagert 
über dem östlichen, niedriger über dem westlichen Europa. Diese Druck- 
vertheilung bringt in der wärmeren Jahreszeit zwar hohe Temperaturen, aber 
auch zahlreiche Gewitter für Deutschland mit sich. Diese Verhältnisse bleiben 
bis zum 20. Juni bestehen, die Gewitterregen sind besonders im Elbgebiet und 
Süddeutschland sehr ergiebig, einzelne wolkenbruchartig; auch Hagelfälle treten 
häufiger und Schaden bringend auf, 
Im Laufe des 20. Juni setzt über Deutschland wieder eine nordwestliche 
Luftströmung ein, indem über dem nordöstlichen Europa eine Depression, über 
dein südwestlichen ein Hochdruckgebiet sich entwickelt. Damit tritt wieder 
kühles Wetter ein, die Gewitterhäufigkeit nimmt zwar ab, doch gehen immer 
noch stellenweise sehr heftige Regenfälle nieder. Diese Witterung hält bis zum 
5. Juli an. 
Von da an bis etwa zum 2. August ist die Luftdruckvertheilung über 
Europa sehr gleichmäfsig und in Bezug auf die Lage der höchsten und niedrigsten 
Werthe veränderlich; dementsprechend sind die Winde schwach und wechseln in 
der Richtung, so dafs in diesem Zeitraum keine allgemein vorherrschende Luft- 
strömung den Witterungscharakter, insbesondere die Temperatur beeinflufst. 
Dieselbe bleibt vielmehr in erster Linie abhängig von dem Grade der Bewölkung 
und erfährt daher während des zeitweise heiteren Wetters der zweiten Juliwoche 
eine Steigerung. Bewölkung und Niederschläge, die in der zweiten Hälfte des 
Monats zunehmen, bewirken sofortige Abkühlung. 
Der Veränderlichkeit der Luftdruckvertheilung entspricht auch eine große 
örtliche und zeitliche Verschiedenheit des Wetters; immerhin kann dieser Monat 
Juli nicht zu den ungünstigeren gezählt werden, da der Juli im Allgemeinen für 
den gröfseren Theil Deutschlands als regnerisch sich ergiebt. Im Juli dieses 
Jahres war aber die Anzahl der trockenen Tage an den einzelnen Orten keines- 
wegs zu gering und mit Ausnahme der ersten Woche die Temperatur meist höher 
als der vieljährige Durchschnitt, 
Dagegen ist der Monat August 1896 als ungewöhnlich kühl und überaus 
regnerisch zu bezeichnen. Die gleiche Luftdruckvertheilung, wie in der kalten 
Periode des Mai und in der, welche das letzte Drittel des Juni und die erste Juli- 
woche umfafst, ist auch in diesem Monat die Veranlassung zu den niedrigen 
Temperaturen; es besteht nämlich hoher Luftdruck im Westen, niedriger im 
Nordosten Europas und demnach eine nordwestliche Luftströmung über Deutschland. 
Wird von den hohen Temperaturen, die an den ersten drei Tagen des August 
in Ostdeutschland auftreten, abgesehen, so steigt das Thermometer nur an ganz 
vereinzelten Orten überhaupt einmal des Mittags bis auf 25°, sonst bleibt es um 
mehrere Grade davon entfernt. Ein so kühler August ist besonders in Süd- 
deutschland innerhalb der letzten 50 Jahre nicht vorgekommen. 
Die Grenze des niedrigen und hohen Luftdruckes liegt in diesem August 
bei sonst ähnlicher Vertheilung meist westlicher als im Mai und durchschneidet 
Deutschland. Dasselbe wird von zahlreichen sekundären Depressionen durch- 
zogen, die in häufiger Wiederholung starke Regenfälle mit sich bringen. In den 
Gebirgsgegenden Mitteldeutschlands und in den bayerischen Alpen fanden Ueber- 
schwemmungen statt. Bei den eigenartigen Verhältnissen dieses Monats macht 
sich augenscheinlich die Terrainbeschaffenheit in Bezug auf die Niederschläge 
stark geltend, indem auf der Windseite der Gebirge die Niederschläge besonders 
ergiebig sind, während auf der geschützten Seite der Gebirgszüge oder in gröfserer 
Entfernung von ihnen Gebiete mit geringen monatlichen Niederschlagssummen 
bestehen, so in dem oheren Rheinthal. den westlichen Theilen der Pfalz. im
	        
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