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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

106 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1897 
zwischen dem Küstengebiet mit Thauwetter und Mittel- und Süddeutschland mit 
strengem, auch über Tag anhaltendem Frost, 
Der Vorherrschaft des hohen Luftdruckes entspricht die geringe Menge 
der Niederschläge in den ersten beiden Monaten des Jahres; besonders ausgedehnt 
und ergiebig sind die Niederschläge in den Tagen vom 14. bis 17. Januar, am 
25. und 26. Januar, am 12, und an den letzten beiden Tagen des Februar. 
Während der ersten dieser Perioden stärkeren Niederschlages bedeckt ein 
Depressionsgebiet den weitaus gröfsten Theil Europas; der tiefste Barometerstand 
(unter 725 mm) befindet sich zwar im hohen Norden, doch durcheilt ein weniger 
tiefes Minimum die Britischen Inseln und alsdann Mitteldeutschland und führt am 
14. Januar ergiebige Schneefälle besonders im westdeutschen Binnenlande herbei. 
Der nördlich von diesem Minimum verbleibende deutsche Küstenstrich weist an 
diesem Tage nur geringere und vereinzelte Niederschläge auf, obwohl daselbst 
der Luftdruck meist niedriger ist als in Süddeutschland. Am 15. Januar erscheint 
innerhalb der unseren KErdtheil bedeckenden Depression im Norden Schott- 
lands ein anderes tiefes Minimum mit Barometerständen unter 730 mm, welches 
über die Nordsee, das Skagerrak und Südschweden hinzieht; die ergiebigen 
Niederschläge verbreiten sich daher alsdann auch über ganz Norddeutschland, 
das nunmehr ebenfalls auf der Südseite dieses Minimum gelegen bleibt. Am 
15. Januar wehen gleichzeitig stürmische südwestliche Winde über Westdeutschland, 
die am 16. an der Küste unter Ausbreitung auf die deutsche Ostsee in Nordwest- 
winde übergehen. 
Nicht so ergiebig sind die im Wesentlichen auf Westdeutschland beschränkten 
Niederschläge des 25. und 26. Januar; sie bieten aber deshalb ein besonderes 
Interesse, weil sie bei hohen Barometerständen stattfinden, die nur stellenweise 
und dann um nur geringe Beträge unter 765 mm herabgehen. Ihr Entstehen ist 
der Bildung einer von Südwest nach Nordost verlaufenden Einsenkung des Luft- 
druckes zuzuschreiben, die am 25. Januar von den Britischen Inseln bis nach 
Finland sich hinzieht und aus dieser Lage südwärts sich verschiebt. Am 26, 
erstreckt sich daher diese Einsenkung von Frankreich nach den russischen Ostsee- 
provinzen; ein Minimum des Luftdruckes im Betrage von etwa 764 mm befindet 
sich an diesem Tage über Westfalen. 
Die am 12. Februar auf Norddeutschland beschränkten, nur an der Küste 
ergiebigeren Niederschläge finden an der Grenze einer Nordeuropa bedeckenden 
Depression statt. Der ziemlich geradlinige Verlauf der Isobaren von Westnord- 
west nach Ostsüdost bei hoch nördlicher Lage des Minimum der Depression 
bedingt im Allgemeinen sonst nicht erhebliche Niederschläge, sondern, wie es 
auch an diesem Tage der Fall war, bei entsprechenden räumlichen Luftdruck- 
differenzen starke westliche Winde; die Veranlassung zu diesen Niederschlägen 
ist daher wiederum in einer geringen Einsenkung des Luftdruckes zu suchen, die 
von der nördlichen Nordsee nach Kurland sich hinzieht bei etwas höheren Baro- 
meterständen über dem mittleren Skandinavien. 
Die letzten beiden Tage des Februar bilden mit ihren Niederschlägen den 
Anfang eines regnerischen Zeitabschnittes mit vielfach starken zeitweise stürmischen 
westlichen Winden. Vom Europäischen Nordmeer aus breitet sich eine Depression 
ziemlich schnell südostwärts über den gröfsten "Theil Kuropas aus; dieselbe 
‚enthält sehr tiefe Minima, die zum Theil über die Nordsee und Südskandinavien 
fortschreiten. Die westlichen Winde führen ein Steigen der Temperatur herbei, 
so dafs wieder Thauwetter eintritt und vom 3. März an im Allgemeinen zunächst 
auch keine Nachtfröste mehr beobachtet werden. Die stärksten Niederschläge 
fallen in den Tagen vom 6. bis 9. März und am 11. und 12, März, an welchen 
Tagen sowohl im Südwesten als Nordosten Europas der Luftdruck höher ist und 
Deutschland also wiederum in einer barometrischen Einsenkung liegt, die von 
Nordwest nach Südost Europa durchstreicht. Dabei entwickeln sich mehrfach 
kleinere sekundäre Depressionen, die weniger in den Barometerständen als in 
den Windverhältnissen und am 6. März in ausgebreiteteren Gewittern sich zeigen. 
Die wolkenbruchartigen Regenfälle, die in den Tagen vom 7. bis 9. März in 
Süddeutschland niedergehen, veranlassen daselbst starkes Hochwasser. 
Da vom 10. März an im Rücken der einzelnen südostwärts gegen Süd- 
russland ziehenden Depressionen wiederholt hoher Luftdruck und damit nord- 
östliche Winde auftreten. so geht von diesem Tare an die Temmneratur wieder
	        
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