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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 25 (1897)

Herrmann: Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1896. 105 
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abgesehen worden. Hinzugefügt worden ist eine Tabelle über die Sturmtage an 
der deutschen Küste. . 
Das Jahr 1896 zeigte einen sehr ungewöhnlichen Verlauf der Witterung 
in Deutschland. Mit milden und trockenen Wintermonaten begann das Jahr; 
im Verhältnifs zur Jahreszeit aufserordentlich warmen Märztagen folgte ein kaltes 
unfreundliches Frühjahr. Die ersten Juniwochen brachten zwar warmes und vielfach 
heiteres Wetter mit allerdings sehr zahlreichen Gewittern; indefs schon zur Zeit 
der Sommersonnenwende trat ein neuer Wetterumschlag ein, und mit kurzen Unter- 
brechungen herrschte im Allgemeinen trübes, regnerisches und meist kühles Wetter 
den ganzen übrigen Sommer hindurch und im Herbst bis zu den ersten Tagen 
des Oktober. Alsdann trat eine Abnahme der Bewölkung und der Niederschläge 
ein, und zwar vorzugsweise im nordöstlichen Deutschland, während die südwest- 
lichen Gebiete des deutschen Reiches noch länger unter regnerischem Wetter zu 
leiden hatten. Die beiden letzten Monate des Jahres sind wieder wie die beiden 
ersten als trocken und für Westdeutschland als mild, für Ostdeutschland als kalt 
zu bezeichnen. 
Dieser eigenthümliche Verlauf der Witterung steht mit den eigenartigen 
Windverhältnissen und der entsprechenden Luftdruck vertheilung im Zusammenhang; 
im ersten Vierteljahr herrschten die westlichen Winde in aufsergewöhnlicher 
Weise vor, die wärmere oceanische Luft Centraleuropa zuführen, während vom 
April bis August überwiegend nördliche Winde mit kürzeren Unterbrechungen 
niedrigere Temperaturen bedingten. 
Hervorzuheben ist noch die geringe Zahl der Sturmtage in diesem Jahre 
an der deutschen Küste, 
Mit dem Schlufs des Jahres 1895 tritt im gröfsten Theile Deutschlands 
ein plötzlicher und intensiver Wetterumschlag ein; eine Periode stärkeren Frostes 
nimmt unter dem Eindringen einer Depression von Westen her ihr Ende mit 
Ausnahme für Ostdeutschland, und das intensive 'Thauwetter, verbunden mit 
ergiebigen Regenfällen an den letzten beiden Dezembertagen, läfst im westlichen 
Deutschland mit Ausnahme der höchsten Lagen die Schneedecke verschwinden, 
Vom 31. Dezember bis zum Neujahrstage entwickelt sich über Europa plötzlich 
ein intensiveres Hochdruckgebiet, wobei über Deutschland das Barometer 
innerhalb 24 Stunden um daselbst selten hohe Beträge, nämlich um 10 bis 
18 mm, steigt, und bis Ende Februar bleibt Deutschland weitaus überwiegend 
unter dem Einflufs hohen Luftdruckes. Die Monatsmittel der auf das Meeres- 
niveau reducirten Barometerstände für Januar und Februar übersteigen mit Aus- 
nahme der Küstengebiete 770 mm; sie sind um Beträge bis zu 9 mm höher als 
die vieljährigen Mittel für diese beiden Monate. “Trotzdem treten längere 
Kälteperioden nicht mehr auf; sondern mit Ausnahme einiger wenigen, kleine 
Gruppen bildenden Tage erhebt sich die Temperatur mindestens am Tage über 
den Gefrierpunkt. Dieser nach den gewöhnlichen Erfahrungen scheinbar bestehende 
Widerspruch zwischen den örtlichen hohen Luftdruckwerthen und den wenig 
niedrigen Temperaturen findet seine Erklärung in dem Umstande, dafs der höchste 
Luftdruck meist theils westlich, theils südlich von dem größeren Theile 
Deutschlands sich befindet und ferner im Norden Europas Depressionen auftreten. 
Demzufolge herrschen, wie schon bemerkt, wärmere westliche Winde vor, und 
trübes, vielfach nebliges Wetter verhindert im Allgemeinen eine stärkere Ab-- 
kühlung durch Ausstrahlung der Erdoberfläche. Als aber nach dem 15. Februar 
der höchste Luftdruck nach dem Nordosten Europas sich verlagert und damit 
für eine längere Zeit, d. i bis zum 26. Februar, östliche Winde und heiteres 
Wetter einsetzen, ist die Sonnenwirkung am Tage bereits so grofs, daß nur ein 
langsamer Rückgang der Temperatur eintritt und erst vom 21. an über Ost- 
deutschland, vom 23. an über Nordwestdeutschland, aber erst vom 25. an all- 
gemein auch über Süddeutschland auch am Tage der Frost bestehen bleibt. Im 
Januar bewirken dagegen östliche Winde, verbunden mit geringem Aufklaren, 
sofort ein erhebliches Sinken der Temperatur. Dies ist in gröfserer Ausdehnung 
in der Nacht zum 9. Januar der Fall, nachdem ein starker, über der Ostsee 
stürmischer Nordostwind am Abend eingesetzt hat. An der deutschen Küste dreht 
in der Nacht zum 10. Januar der Wind wieder nach West, während im tieferen 
Binnenlande die Ostwinde mit geringerer Bewölkung fortdauern. Demzufolge 
besteht vom 10. bis 12. Januar ein aufserordentlich starker Temperaturgegensatz 
Ann. a. Hydr. ete.. 1897, Heft 11L.
	        
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