Ann. d. Hydr. ete., XXV. Jahrg. (1897), Heft I.
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Kreuzfahrten im Kaiser Wilhelms-Land und Bismarck-Archipel.
Aus dem Reisebericht S, M. S; „Möwe“, Kommandant Korv,-Kapt. JANKE.
Dem in Singapore am 23. August erhaltenen telegraphischen Befehle
gemäß verliefs 5, M. S. „Möwe“ am 30. September früh den Hafen von Matupi,
um die Festlegung der Grenze zwischen dem deutschen und englischen Schutz-
gebiet jm Kaiser Wilhelms-Land in der befohlenen Weise auszuführen, nachdem
bis dahin der neu an Bord gekommene Besatzungstheil einigermafßsen mit den
Schiffsrollen bekannt gemacht und Kohlen und Proviant aufgefüllt waren.
Auf Grund der hohen Verfügung vom 4, April 1895 gestattete ich dem
Geometer Parkinson aus Ralum, zwecks Sammlung von ethnologischen Objekten
für das Berliner Museum sich an Bord für diese Fahrt nach Neu-Guinea ein-
zuschiffen. .
Zunächst wurde durch den St, Georgs-Kanal än der Südküste von Neu-
Pommern auf ca 3 bis 5 Sm Entfernung entlang gesteuert, um sich bei dieser
Gelegenheit über die bereits auf dem Dampfer „Stettin“ bei der Hinfahrt nach
Matupi dem Kommando mitgetheilten Ungenauigkeiten in der Adm.-Karte No. 100
zu orientiren. .
Am 1. Oktober gegen 6 Uhr abends wurde das Südkap gesichtet und
dann Kurs auf die Neu-Guinea-Küste nach der „Hercules Bay“ genommen.
An der Südküste von Neu-Pommern wurde der Südostpassat etwas süd-
licher wehend vorgefunden, der während- der Tagesstunden gut auffrischte, so
dafs Raasegel gefahren werden konnten, gegen Abend aber ganz abflaute, um
Landwinden Platz zu machen.
Am 2, Oktober wurde die „Hercules Bay“ angesteuert und nunmehr in
südöstlicher Richtung an der Neu-Guinea-Küste entlang gedampft, um zunächst
vor der Icore- Flufsmündung‘ — einem kleinen Flusse ca 5 Sm nördlich des
Clyde-Flusses — zu Anker zu gehen, ‘
Nach einer Mittheilung des stellvertretenden Landeshauptmanns, Herrn
Korv.-Kapt. a. D. Rüdiger, ist von dem Gouverneur des englischen Schutz-
gebietes, Mac Gregor, bei einer Rekognoscirungsfahrt im Jahre 1894 mittelst
mehrfacher Sternbeobachtungen die Position des Mitre-Felsens auf 8° 2‘ 50“ S-Br
beobachtet worden, wonach der 8. Breitenparallel um 2’ 50“ nördlich gelegen und
die Grenze nicht durch den Mitre-Felsen gegeben sel.
Da nach Ansicht des Herrn Kapts. a. D. Rüdiger die Angaben des
englischen Gouverneurs völlige Zuverlässigkeit beanspruchen, indem die englischen
Beobachtungen an Land mit einem 5“-Universalinstrument ausgeführt worden
sind, ankerte ich zunächst an der Mündung des Icore-Flusses, dessen Mündung
danach ca 1 Sm nördlich des 8. Breitenparallels liegen mußte. ‘. .
Dieser kleine Fluß ist auf der Adm.-Karte No. 100 überhaupt nicht an-
gegeben, dagegen auf der von Mac Gregor entworfenen Kartenskizze der
Grenzgegend.
Gegen 5 Uhr abends wurde auf ca 10m Wasser */2 Sm von der Fluls-
mündung ab geankert, indem die Letztere ohne Schwierigkeiten beim Entlang-
steuern an der Küste aufgefunden war. ,
Mehrfache am selbigen Abend an Bord aufgenommene Sternbeobachtungen
ergaben eine ungefähre Breite von 7° 58‘ Süd.
Hiernach schienen sich die englischen Beobachtungen zu bestätigen, und
blieb ich deshalb vor der Icore-Mündung mit S, M. S. „Möwe“ liegen, um genaue
Ortsbestimmungen an Land an den kommenden Tagen vorzunehmen.
Leider erschwerte an der ganzen umliegenden Küste eine starke Brandung
jegliches Landen ungemein, so dafs nur mit vieler Mühe vermittelst des Rink-
bootes die nöthigen Instrumente gelandet werden konnten und, nachdem glücklich
an Land geschafft, auch für längere Zeit an Land gelassen werden mulsten, da
die Beobachtungen durch ungüustige Witterung sehr verzögert wurden. Zur
Ann. d, Hydr. ete., 1897. Heft I.