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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1897.
Richtung der Gezeitenströme jederzeit zu kennen. Als Anhalt möge dienen:
S. M. S. „Kaiser“ passirte am 3. November um 1” p die Insel, Lausch vor dem
Sarah Galley-Kanal, als dort ungefähr Niedrigwasser war. Von hier bis etwa
3b 30” p lief an der Ostküste des Archipels noch starke Ebbe in südlicher Rich-
tung. Zieht man etwa vier Stunden von der Zeit des Hochwassers bei Ketau
ab, so erhält man die Zeit, zu welcher der Strom vor dem Vernon-Kanal kentert,
annähernd.
Die bekannte Hafenzeit der Bonham-Strafse kann nach den Beobachtungen
S. M. S. „Kaiser“ ohne wesenilichen Fehler als gültig für den Steep Island-Pafs
angenommen werden. Dies ist für nächtliche Fahrten und bei dickem Wetter
besonders wichtig, da der Strom zwischen beiden Durchfahrten unter Umständen
mit 3 bis 4 Sm Geschwindigkeit auf die mitten vorliegenden Hobson-Inseln setzt.
Ansteuerung von Tinghai. Als gutes Mark im Bell- Kanal kann ein
kleiner Berg dienen, der sich, nachdem man die Südostecke der Insel Bell in
2 Sm Abstand passirt hat, in der Richtung Nz0*/20 gut von dem hohen Hinter-
land abhebt. Dieser Hügel, welcher in Folge der Bebauungsart wie gestreift
aussieht, führt, in der angegebenen Peilung recht vorausgehalten, durch die Mitte
des Bell-Kanals.
Beim Einsteuern auf die eigentliche Rhede von Tinghai kann als gutes
Vorausmerk der am meisten westlich gelegene Gipfel der Insel Taju dienen.
Auf. dem Plan — Engl. Adm.-Karte No. 1395, Tit. XI, No. 62 — sind hier drei
kleine, durch Watten getrennte Inseln eingezeichnet. Thatsächlich stellen sich
diese drei kleinen Inseln, von denen die nördlichste als Takeu, die südlichste
als Sarah in der erwähnten Karte bezeichnet ist, als eine fortlaufende lang-
gestreckte Insel mit drei Gipfeln dar. Die Zwischenräume zwischen den Gipfeln
sind seit Vornahme der der Karte zu Grunde liegenden Vermessungen durch
Anschlickung in fruchtbares Land verwandelt worden.
Wusung-Barre und Rhede. 58. M.S. „Kaiser“ passirte am 11. No-
vember die Barre bei Niptide - Hochwasser und fand als geringste Tiefe 8,5 m.
Dieser für Niptide bedeutende Wasserstand war dem herrschenden Ostwind zu-
zuschreiben, welcher das Wasser des Yang-tse-kiang stark aufstaut. Auf der
Innenrhede von Wusung ankerte S. M. S. „Kaiser“ in folgenden Peilungen:
Die grofse Bake am Westufer des Wusung, welche zur Einsteuerung in
die Durchfahrt der inneren Wusung-Barre dient, in Eins mit der Nordecke des
Wusung-Hotels; und
Signalmast und Nordecke des Zollhauses in Eins.
Das durch die obige Deckpeilung bezeichnete Loch von etwa 200 m im
Durchmesser und 11m Wasser bei Springtide Niedrigwasser ist der einzige
Ankerplatz für Schiffe von 8 m Tiefgang. Er ist aus dem Grunde unicht
empfehlenswerth, weil der Strom dort nicht in Richtung des Flufsbettes setzt,
sondern in einem von Stunde zu Stunde innerhalb der Tide wechselnden Winkel.
Infolge davon kommt das Schiff sehr leicht quer zum Strom, der zeitweis als
Drehstrom auftritt. Da bei Springtide die Fluth ganz aufserordentlich schnell
und gleich mit 3 bis 4 Sm Fahrt einsetzt, so wird der Anker leicht durch den
Grund gezogen, und das Schiff geräth ins Treiben. Nachdem dies einmal ein-
getreien, Jag S. M.S. „Kaiser“ stets mit aufgebänkten Feuern und manövrirte
beim Wechsel von Ebbe auf Fluth mit Ruder und Maschine, um ein Querschlagen
des Schiffes zu verhüten. Aufserdem mufste beim Einsetzen der Fluth die Fluth-
kette gesteckt und bei nachlassender Fluthstärke wieder eingehievt werden. Alle
diese Umstände lassen für tiefgehende Schiffe zur Zeit der Springtiden das
Ankern im Wusung nicht sehr empfehlenswerth erscheinen. Schiffe mit geringerem
Tiefgang sollten jedenfalls diesen Ankerplatz meiden.
Die Stromverhältnisse im Mündungsgebiet des Yang-tse-kiang
sind in den Karten durchgehend nur für Springtide gegeben. Bei Niptide läuft
die Ebbe westlicher. In dem Meerestheil zwischen der Bonham-Strafse und den
Hobson-Inseln trat dieser Unterschied besonders klar zu Tage. Bei der Reise
nach Wusung zur Springtide boten die Angaben der Karte einen guten Anhalt,
hei der Rückreise zur Niptide setzte jedoch bei Niedrigwasser an Stelle des zu
erwartenden Südsüdweststromes ein starker Südoststrom von 2 bis 3 Sm die
Stunde. S. M. S. „Kaiser“ schreibt diesen Umstand auch dem Einflufs der Winde
auf die Stromverhältnisse zu, am 15. und 16. November hatte frische Nordwest-