Ann. d. Hydr. etc., XXYV. Jahrg. (1897), Heft III.
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Hydrographische Bemerkungen über den Tshusan-Archipel, Wusung,
die Mündung des Yang-tse-Kiang, Formosa-Kanal.
Nach Berichten S. M. S. „Kaiser“, Kommandant Kapt. z. S. ZEYE, 1896,
Nagasaki, 26. 10. 9° 37” p — 29. 10. 1"17” p. Rhede von Tinghai 31. 10. 2* 12" p
— 4% 37” p. Rhede von Tshinhai 3. 11. 8" 15”a — 4* 37” p. Tehangtau
major 4. 11. 5° 10” p — 6. 11. 12" 32" p. Wusung- Rhede 15. 11. 5" 50” a —
26. 11. 2 25” p Amoy.
Wind — Wetter. Der Wind war leicht zwischen NW—ENE; östlich
vom Tshusan -Archipel NNE—NzW 5 bis 6. Am 31. Oktober zwischen Tinghai
und Tshinhai war der Himmel bedeckt, dickes, drohendes Gewölk in NW, um
a» 20” p zeigte sich in NW eine Wasserhose rings von dunkelem Gewölk um-
geben. Im Uebrigen war das Wetter gut und sehr sichtig, nur morgens bis
zwei Stunden nach Sonnenaufgang lag über den Inseln des Archipels ein leichter
Nebel. Am 15. bis 16. war das Wetter regnerisch mit Böen aus NW5 und
zeigte einen drohenden Charakter, der auf eine. Depression im Süden
schliefsen liefs.
Stromverhältnisse. Auf der Fahrt von Nagasaki zum Vernon-Kanal
wurde am 26. und 27. Oktober entgegen den Stromkarten, nach welchen ein
westlicher Strom von 1 Sm die Stunde zu erwarten war, kein Strom beobachtet,
erst am 28, wurde ein ganz geringer südöstlicher Strom festgestellt. .
Im Tshusan-Archipel beobachtete S. M. S. „Kaiser“ verschiedentlich
Abweichungen der Strömungen, von den in den Segelanweisungen und Seekarten
enthaltenen Angaben. (China Sea Directory 1894, Vol. III, Engl. Adm. Karte
No. 1429, Tit. XI, No. 61.)
So setzte am 29. Oktober im Vernon-Kanal ein südöstlicher Strom mit
1 Sm, der auch noch nach dem Passiren der Insel Roundabout, nach Ost setzend,
sich bemerklich machte. Da in den Vernon-Kanal drei Stunden vor Hochwasser
bei Ketau-Spitze eingelaufen und Roundabout zwei Stunden vor Hochwasser
passirt wurde, so hätte starker Nordweststrom mitsetzen müssen, was jedoch erst
im Towerhill-Kanal der Fall war. Am 3. November wurde das Hochwasser bei
Roundabout erst 3!/2 Stunden nach der berechneten Eintrittszeit beobachtet, und
der Südost-Ebbstrom mit etwa 3 Sm Geschwindigkeit setzte erst eine halbe
Stunde danach ein, im Ganzen also zwei Stunden später als zu erwarten war.
Am 31. Oktober nachmittags wurde im Kintang-Kanal ebenfalls eine Ver-
spätung des Einsetzens des Nordweststromes festgestellt, derselbe setzte erst
1!/a Stunden, nicht, wie zu erwarten, 3 Stunden vor Hochwasser bei Ketau-
Spitze ein. Zwei Stunden vor Hochwasser wurde bei der Insel Yuen-su noch
Ostsüdoststtom von 1 Sm beobachtet. Im Ko-Kanal lief etwa halbe Fluth, und
es wurden entgegen früheren Beobachtungen keine Stromwirbel beobachtet.
Es bestätigte sich somit die schon im vergangenen Frühjahr gemachte
Erfahrung, welche auch im China Sea Directory 1894 Vol. III, S. 339 gegeben
ist, dafs die beste Zeit zum Einlaufen in den Vernon-Kanal 7,5 Stunden nach der
Monds-Meridian-Passage in Greenwich ist.
Sehr unregelmäßig scheinen die Stromverhältnisse südlich der beiden
Tshangtau-Inseln zu sein. Während S. M. S. „Kaiser“ dort vom 3. zum 4, No-
vember zu Anker lag, lief ein starker westlich setzender Strom 15 Stunden lang,
ohne zu kentern. Im inneren Tshangtau-Hafen dagegen entsprachen die Strö-
mungen der Segelanweisung und Karte.
Aufserdem machte es sich für die Navigirung östlich von dem Archipel
sehr unangenehm fühlbar, dafs nirgends eine Hafenzeit. angegeben ist. Gerade
in den Kanälen zwischen Tshusan und den östlich vorgelagerten Untiefen, wo
der Strom oft aufserordentlich stark setzt, wäre es von Vortheil, Höhe und
Aun. a. Hyär. ete., 1897, Heft IIL