Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1897.
Von den Windrichtungen herrschien die östlichen und zumal Ost bis SE
in meist erheblichem Grade bei den Terminbeobachtungen vor.
Im Bereich eines über Nordskandinavien lagernden Minimums herrschte
zu Anfang des Monats milde Witterung an der Küste bei südwestlichen Winden,
die in Wechselwirkung der Depression im Norden mit einem über Frankreich
liegenden Maximum hervorgerufen wurden. Als dieses nach der Mitte des
Kontinents schritt, während sich die Depression südostwärts nach Westrussland
verlagerte, traten bald nordwestliche Winde ein, die Abkühlung herbeirührten und im
Osten, weiter bis NE umgehend, stellenweise stürmisch auftraten, Nachdem
das Maximum ganz Centraleuropa beherrscht hatte, nahm der Luftdruck hier ab,
während der Druck im Nordosten stieg, und es folgte vom 5. bis 12. eine Periode
mit hohem Luftdruck über der Nordosthälfte und niedrigem Luftdruck über der
Südwesthälfte Europas — Maximum über Finnland, Minimum südwestlich vom
Kanal —, welche Druckvertheilung östliche und südöstliche Winde bedingte, die
vielfach im Westen am 7. bis 9. Sturmesstärke erreichten; die Temperatur sank
beständig, zumal stark im Osten, doch nur bis zum 10. oder 11., da von Süd-
osteuropa her schliefslich wärmere Luft bis zur Küste vordrang und ein Steigen
einleitete.
Ein am 13. im Westen der britischen Inseln erschienenes Hochdruckgebiet
dehnte sich rasch bis Nordwestdeutschland aus, während die Depression von
Süden her einen Ausläufer nach dem Ostseegebiet entsandte, so daß am 14,
leichte westliche und nordwestliche Winde wehten, die mildes Wetter herbei-
’ührten. Doch breitete sich das neue Maximum bald über Nordeuropa aus;
es folgte vom 15. bis 19. eine Periode hohen Druckes über Nordeuropa gegen-
über einer Depression über Südeuropa, deren Centrum meist über dem westlichen
Mittelmeer lag, Der Verlauf der Isobaren über Südosteuropa bedingte wiederum
die Zufuhr wärmerer Luft aus Südosten, so dafs die östlichen Winde im All-
zemeinen kein Sinken der Temperatur bewirkten; nur im Osten trat am 19.
erheblich kälteres Wetter ein.
Ein am 20. und 21. vom norwegischen Meere über Lappland nach Finn-
land schreitendes Minimum drängte den über Nordeuropa lagernden hohen Druck
nach Westen zurück und bedingte das Umgehen der Winde nach NW; ein
weiteres Drehen nach SW erfolgte am 21., als ein Minimum vom Skagerrak
nach der südwestlichen Ostsee vordrang. Als dieses Minimum am 22. nach
Norddeutschland schritt, gingen die Winde nach NE um und wehten aus dieser
Richtung bis zum 25., zunächst vielfach stark, am 22. bis 24. vielfach stürmisch,
unter der Wechselwirkung hohen Luftdruckes über Nordwesteuropa und einer
ron Süden her über dem Kontinent ausgebreiteten Depression,
Am 24. bis 26. breitete sich die Depression von der Adria her über Ost-
europa aus, ein Minimum drang langsam bis zur südlichen Ostsee und dem
Bottnischen Busen vor, während eine andere Depression vom norwegischen Meere
her ein Minimum nach der Nordsee entsandte, so dafs ein umfangreiches Gebiet
niedrigen Luftdruckes am 26. Nord- und Centraleuropa bedeckte. Vom 27. bis
30. gehörte dann die Küste einer Centraleuropa bedeckenden Depression an,
deren Centrum iheils über Südschweden, theils über der südlichen Ostsee lag,
so dafs an der Nordsee nordwestliche, an den östlichen Küstentheilen südöstliche
Winde wehten und an den westlichen Küstentheilen mildere Witterung bedingt war.
Im Laufe des 30. drang relatir hoher Luftdruck von Norden her als Aus-
läufer über Skandinavien vor und trennte die nunmehr nach dem Ostseegebiet
verschobene Depression von einer Depression, die sich an diesem Tage von
Westen her über die britischen Inseln und Frankreich ausgebreitet hatte, doch
waren die Luftdruckunterschiede über Centraleuropa nur gering, so dafs in den
letzten Tagen leichte Winde wehten, deren Herkunft Sinken der Temperatur bedingte.
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