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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1896. 
Tage um 4'/"p das Signal „Nordweststurm“ angeordnet. Die Sturmwarnungen 
für diese Sturmperiode langten also rechtzeitig an den bedrohten Küstenstrecken 
an, urd andererseits entsprachen die in den Warnungstelegrammen angegebenen 
Aussichten vollkommen den nachfolgenden Thatbeständen. !) 
Auch die Sturmwarnungen, welche bei Gelegenheit der zwei letzten vor- 
hergehenden grofsen Stürme im Jahre 1894 vom 7. bis 12. Februar und am 
22. Dezember, müssen als voll eingetroffen bezeichnet werden. Ueberhaupt zeigt 
die Statistik der Sturmwarnungen, daß gerade die schwersten und ausgebreitetsten 
und von Unglücksfällen am meisten begleiteten Stürme der früheren Jahre von 
der Seewarte am besten vorhergesagt wurden, nur einige sehr wenige Fälle waren 
von Mifserfolgen begleitet. 
Ein sehr wichtiges klimatologisches Element ist die Sonnenscheindauer, 
welche von den Bewölkungsverhältnissen abhängt. Die mögliche Sonnenschein- 
dauer (d. h. bei beständig völlig klarem Himmel) beträgt für unsere Gegenden 
etwa 4460 Stunden im Jahre, wobei ja nalürlich die Lage des Ortes zur Um- 
gebung in Betracht kommt. Aber von dieser möglichen Summe geht ein grofser 
Theil durch den Einflufs der Bewölkung verloren. Dieser Verlust ist sehr ver- 
schieden und hängt hauptsächlich ab von der geographischen Breite, von der 
maritimen oder kontinentalen Lage, von der Erhebung über der Erdoberfläche, 
dann aber auch von den örtlichen Verhältnissen, wie die nachfolgende Tabelle IH, 
welche die wirkliche Sonnenscheindauer für das Jahr und die Monate für einige 
ausgewählte Stationen Europas angiebt, deutlich zeigt. Dabei ist zur Vergleichung 
noch die mögliche Sonnenscheindauer für Hamburg, Breslau und Madrid gegeben. 
Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Anzahl der Beobachtungsjahre. 
Auf das Jahr entfallen im Durchschnitt etwa: für die britischen Inseln 1400, 
für das mittlere Deutschland 1700, für Oesterreich 2000, für Italien (wenigstens) 
2400, für das centrale Spanien 3000 Stunden Sonnenschein. Das macht in 
Procenten (d. h. Verhältnifs der wirklichen zur möglichen Dauer) ungefähr: für 
die britischen Inseln 30%, für das mittlere Deutschland 38%, für Oesterreich 
45°%o, für Italien (wenigstens) 54° und für das centrale Spanien 68°%0. Man 
sieht hieraus, dafs die Sonnenscheindauer nach Süden hin rasch zunimmt und 
nach und nach aufserordentlich hohe Werthe erreicht. Aber auch nach Osten 
bin wird die Sonnenscheindauer, wenn auch nicht in demselben Verhältnifßs und 
mit derselben Regelmäfsigkeit wie nach Süden hin, gröfser (wie beispielsweise 
Rostock 1693, Katharinenburg 1782 Stunden). 
Mit der Erhebung über dem Meere nimmt die Sonnenscheindauer ab, wie 
in unserer Tabelle die Zahlen für Ben Nevis sowie für Sonnblick deutlich zeigen. ?) 
Industrielle Grofsstädte haben wegen des grofsen Staubgehaltes der Luft 
eine bedeutend geringere Sonnenscheindauer als die Umgehung, wie eine Ver- 
gleichung yon London und Hamburg init den benachbarten Stationen zeigt. 
Hieran schlieisen wir eine Tabelle (LV), welche die Sonnenscheindauer in 
Stunden für eine Anzahl deutscher Stationen Iür das Jahr 18390 enthält, und 
ferner eine solche (V), welche die Abweichungen dieser Zahlen von den Mittel- 
werthen veranschaulicht. 
Aus diesen Zahlen ergiebt sich ein erheblicher Mangel an Sonnenschein 
in den Monaten yom Dezember bis in den April hinein, dagegen ein noch be- 
deutenderer Ueberschufs in den Monaten Juni, August, November und insbesondere 
im September, so dafs die Jahressumme im Allgemeinen größer ist, als es den 
Durchschnittswerthen entspricht. Die gröfste Sonnenscheindauer weist Geisenheim 
auf, im Sommer einen Ueberschußs von 96, im Herbst sogar von 110 Stunden. 
Dafs die Sonnenscheindauer neben den Feuchtigkeitsverhältnissen einen grofsen 
Einflußs auf die Vegetation und die Ernteerträge ausübt, ist zweifellos, und daher 
dürften diesbezügliche Untersuchungen sehr lohnend sein. Auffallend geringe 
Sonnenscheindauer zeigt Hamburg, wie es auch den normalen Verhältnissen ent- 
spricht. Der durehschnittliche Ausfall von mehr als 200 Sonnenscheinstunden 
mufß zweifellos der Verunreinigung der Luft durch Kohlenstaub zugeschrieben 
1) Eine ansführliche Besprechung dieses bemerkenswerthen Sturmes wird voraussichtlich im 
nächsten Hefte dieser Zeitschrift erscheinen. 
2) Vgl. „Naturwissenschaftliche Rundschau“, Jahrg. 1895, No. 47, S. 597 f£#.,
	        
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