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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

van-Bebber: Rückblick auf .das Wetter in Deutschland im Jahre 1895. 81 
Erfurt 33,2°, Kassel 32,1°, Darmstadt 32,4°, Mühlhausen 32,6°, Colmar 33,4°, 
Metz 32,2°, Andererseits trat am 22. eine starke Abkühlung ein, so dafs im 
östlichen Deutschland die Temperatur stellenweise unter den Gefrierpunkt sank. 
Bemerkenswerth ist die grofse Trockenheit, welche allenthalben herrschte; in 
einigen Gegenden, insbesondere in den westlichen Gebietstheilen, fielen während 
des ganzen Monats nicht einmal 5 mm Regen. 
Der Uebergang des Altweibersommers zu der gewohnten rauhen herbst- 
lichen Witterung wurde eingeleitet durch tiefe Depressionen, welche am 2. und 
3. Oktober das nordwestliche Europa durchzogen und ihren Wirkungskreis nach 
Süden hin bis zu dem Alpengebiete ausbreiteten, in unseren Gegenden überall 
trübes, regnerisches und unruhiges Wetter hervorrufend, so dafs nunmehr der 
herbstliche Witterungscharakter mit seinen Stürmen und seinem rauhen Wetter 
zur vollen Geltung kam. Fast beständig stand die Witterung in Deutschland 
unter dem Einflufs von Depressionen, so dafs hierdurch die trübe, nasse’ und 
kalte Witterung des Oktobers erklärt ist. 
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger zeigte der Monat November einen 
Wärmeüberschufßs, welcher der warmen Periode vom 5. bis 17. zu danken ist. 
Besonders hervorzuheben sind die schweren und von Verwüstungen begleiteten 
Stürme, welche namentlich vom 9. bis zum 11. November die deutschen Küsten 
und die britischen Inseln heimsuchten. Von schweren Sturmböen begleitet, zog 
vom 9. auf den 10. ein tiefes Minimum der deutschen Küste entlang, zu Wasser 
und zu Lande überall seine Spuren hinterlassend. In der folgenden Nacht, vom 
10. auf den 11., wütheten auf den britischen Inseln verheerende Stürme, die 
heftigsten im ganzen Herbst. Starke Bäume wurden entwurzelt, Gebäude wurden 
entdacht oder sonst geschädigt, in Wales traten die Flüsse über ihre Ufer, und 
zur See fanden zahlreiche Schiffbrüche statt. 
Die hervorragendste Erscheinung des Jahres 1895 ist jedenfalls der grofse 
Sturm vom 5. bis 8. Dezember, welcher namentlich ım Nordseegebiet zu 
Wasser und zu Lande aufserordentlich grofse Verwüstungen anrichtete. KEin- 
geleitet wurde der Sturm durch ein tiefes Minimum, welches am 4. nachmittags 
über der nördlichen Nordsee erschien und dann zuerst nordostwärts, dann ost- 
wärts fortwanderte, Im Laufe des Nachmittags (am 4.) frischten die südwest- 
lichen Winde im ganzen Nordseegebiet stark auf und erreichten in später Abend- 
stunde bereits Sturmesstärke, am 5. morgens hatte sich das Sturmfeld bis zum 
Alpengebiet ausgebreitet. Seine gröfste Ausdehnung und Intensität erreichte der 
Sturm am 6. und 7., als das Minimum mit der aufserordentlichen Tiefe unter 
710 mm mitten über Skandinavien lag, gegenüber einem hohen barometrischen 
Maximum über Südwesteuropa. Schon am 5. drehten die Winde nach West und 
dann nach NW, jetzt mit orkanartiger Gewalt ungeheure Wassermassen der süd- 
östlichen Nordsee zuführend, so dafs hierdurch Sturmfluthen hervorgerufen wurden, 
welche der denkwürdigen Oktoberfluth von 1881 nicht nachstanden.  Dement- 
sprechend waren auch die Verheerungen an den abbrüchigen Ufern unserer 
Nordsee-Inseln an den Schutzwerken und Deichen viel schlimmer als bei der 
vorigjährigen Dezemberfluth. Auf Helgoland folgten fünf Hochwassertiden hinter- 
einander, obne daß ein Rückgang des Wassers erfolgte, eine Erscheinung, wie 
sie. seit Menschengedenken ihres Gleichen wohl kaum stattgehabt hat. Nach 
einer amtlichen Mittheilung ’aus Berlin vom 7. Dezember waren infolge des 
Sturmes fast sämmtliche oberirdische Telegraphenleitungen unterbrochen, so dafs 
die gesammte telegraphische Korrespondenz sehr bedeutende Störungen erlitt. 
Nicht minder schlimm waren die Verwüstungen auf See, die zahlreichen Schiffs- 
unfälle und die Verluste an Menschenleben, welche lange Zeitungsartikel aus 
jener Zeit berichten. Interessant sind die häufigen Gewitter, welche, begleitet 
von heftigen Schnee- und Hagelböen, in mehreren Zügen namentlich am 5. und 
6. an unserer Küste ostwärts vorüberzogen. 
Schon am 4. nachmittags, als noch überall ruhiges Wetter an unserer 
ganzen Küste herrschte, wurde die westdeutsche Küste von Borkum bis Rügen 
gewarnt und zwar durch das Signal „Südweststurm“, Am 5. morgens hatten an 
der deutschen Nordseeküste die Winde Sturmesstärke erreicht, und als Aus- 
breitung. der stürmischen Witterung nach Osten hin zu erwarten war, wurde 
dasselbe Signal auch für die ostdeutsche Küste angeordnet, Bis zum 7. wurde 
dasselbe Signal „Südweststurm“ an der ganzen. Küste gezeigt und an. diesem 
Ann. ad. Hvar. ete.. 1896. Heft IL. 
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