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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1896.
sein einer Schneedecke mit klarem Nachthimmel ist für die Entwickelung strenger
Winterkälte in hohem Mafse günstig; dazu kam aber in diesem Falle noch die
Wirkung des Lufttransportes, indem nördliche und östliche Winde vorherrschend
waren, ‚welche die Luft aus kälteren Gegenden zu uns herüberführten, Als am
29. ein Hochdruckgebiet über der mittleren Ostsee lag, gegenüber einem Minimum
über der Adria, ging unter dem Kinflufßs östlicher Winde die Temperatur in
unseren Gegenden sehr beträchtlich herab, an vielen Stellen unter — 20°; zu
Triest. herrschte zu dieser Zeit stürmische Bora. Die tiefsten Temperaturen
kamen indessen im Februar vor (Königsberg — 24°, Marggrabowa — 28°,
Ratibor — 24°, Erfurt — 29° [dagegen Inselsberg — 20°], Kassel — 24°,
Chemnitz — 26°, Lüneburg — 25°, Hamburg —17°, Helgoland — 11°, Rom —5°,
Brindisi — 1°, Palermo — 2°, St. Petersburg — 26°, Haparanda — 30°
Archangelsk — 36° C).
Hervorzuheben ist ferner der heftige, von Hochwasser begleitete Sturm
aus Ost und NE, welcher am 30. Januar die Ostsee heimsuchte und welcher an
der ostpreufsischen Küste eine orkanartige Gewalt erreichte.
Sehen wir ab von dem kalten, niederschlagsreichen Monat März, so war
das Frühjahr warm, ziemlich heiter und ftrocken mit vorwaltend westlichen
Winden. Die Aenderung der Druckvertheilung und der Eintritt warmer oceanischer
Luft wurde am 24. März durch einen Sturm verursacht, welcher an der west-
deutschen Küste vielfach einen orkanartigen Charakter annahm; dabei traten an
den deutschen Küsten stellenweise Gewitter auf, welche sich in den folgenden
Tagen wiederholten und namentlich im Monat Mai sehr häufig waren. Mitte
Mai machte sich der Kälterückschlag, welcher zu dieser Zeit durch Eintritt von
Nachtfrösten stets gefürchtet wird, sehr stark bemerkbar, indem die Temperatur
vis zu 6° unter den Mittelwerth herabging und vielfach, namentlich in den
Gebirgsgegenden, Nachtfröste vorkamen.
Die hervorstechendste Eigenthümlichkeit des diesjährigen Sommers war
seine grofse Veränderlichkeit in Bezug auf Temperatur und Wetter überhaupt
and dann die grofse Gewitterhäufigkeit, zuweilen verbunden mit sehr starken
Niederschlägen. Bemerkenswerth sind die grofsen Regenmengen, welche am
21. Januar im südöstlichen Theile der Mark Brandenburg niedergingen: zu Triebel
fielen in 3!/2 Stunden 143 und zu Bobersherg in 2 Stunden 129 mm Niederschlag.
Auch im Juli und August fielen in Begleitung von Gewittern vielfach starke
Niederschläge, obgleich die Regenmengen den Durchschnitt im Allgemeinen nicht
arreichten. — Die höchsten Temperaturen traten im Binnenlande durchweg im
Juli (am Monatsschlusse), an der Küste meist im August ein; als absolute Maxima
wurden zu Bromberg 35°, zu Königsberg, Berlin, Posen, Breslau, Torgau und
Darmstadt 34° beobachtet. Das Wetter war im Allgemeinen ruhig, stürmische
Winde waren selten und dann nur von geringer räumlicher und zeitlicher Aus-
jehnung.
Der Herbst 1895 wurde eingeleitet durch einen ungewöhnlich warmen,
heiteren und trockenen September, welcher zu dem vorhergehenden Sommer in
ainem auffallenden Kontrast steht. Allerdings sind wir gewöhnt, im September
schönes, sonniges und heständiges Wetter, den sogenannten „Altweibersommer“,
zu erwarten, aber wollen wir in der Wetterchronik einen ebenso schönen Sep-
tember, wie den diesjährigen, aufsuchen, dann müfsten wir schon weit zurück-
gehen. Die einzelnen Phasen des Witterungsverlaufs im September knüpfen
sich an das Verhalten der barometrischen Maxima und Minima: in den ersten
Tagen des- Monats Minima, über den hohen Norden Europas fortziehend; und
andererseits Maxima, über Mitteleuropa ostwärts fortwandernd, und daher un-
unterbrochen heitere Witterung in ganz Deutschland, anhaltend bis zum 11. Sep-
jember. Dann folgt eine Verlegung der Minima und Maxima nach Süden hin
and dementsprechend lebhafte, an der Küste zeitweise stürmische westliche Luft-
vewegung mit trüber, vielfach regnerischer Witterung, welche bis zum 20. anhält.
Aber am 22. tritt wieder die erstgenannte Wetterlage und daher wieder sonnige,
ruhige Witterung ein, welche bis zum 2. Oktober anhält. In ganz Centraleuropa
sowie auf den britischen Inseln erreichten die Temperaturen aufserordentlich
hohe Werthe, so dafs sie hinter den Sommertemperaturen nur wenig zurückblieben;
aus Frankreich sowie aus England wurden sogar Fälle von Sonnenstich gemeldet.
Als höchste Temperaturen wurden beobachtet: zu Berlin 32,7°, Frankfurt a. 0. 32,6°