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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

v7. Horn: Tiefhaltung des Hafens von Ymuiden, 
79 
Die: aus dem Hafen gebaggerten Massen in der Zeit vom 1. Juli 1875 bis 
1. Juli 1895 betragen im Ganzen 13224229 cbm, also pro Jahr im Mittel 
661 211 cbm. 
Im Verband mit den in Ausführung begriffenen Verbesserungen des Nord- 
see-Kanals, bestehend in der Verbreiterung und Vertiefung desselben und in der 
Erbauung einer neuen Seeschleuse, ist in den Jahren 1891 bis 1894 eine tiefere 
Fahrrinne in dem Aufsenhafen von 150 m Breite bis 9,5 m — N. A. P. Tiefe ausge- 
baggert und der Aufßenkanal auf dieselbe Tiefe gebracht. Das abgelaufene Jahr, 
1. Juli 1894 bis 1. Juli 1895, kann nun als ein wichtiges insofern genannt 
werden, als in erster Linie obne aufsergewöhnliche Mittel diese tiefe Fahrrinne 
hat unterhalten werden können und ferner, weil in diesem Jahre eine Sturmfluth 
vorgekommen ist, welche alle anderen bis jetzt beobachteten an Höhe: übertrifft. 
Wie bekannt ist, wird das Nordsee-Kanal-Profil zur Zeit vergröfsert, und 
zwar auf 25m Sohlenbreite und 9,0 m — A. P. Tiefe gebracht, damit nach 
Beendigung dieser, bis zur Eröffnung der neuen Seeschleuse fertigzustellenden 
Arbeit in erster Linie Schiffe von 173 m Länge, 15,45 m Breite und 8,2 m Tief- 
gang Amsterdam erreichen können, was indessen die Handelskammer in Zukunft 
nicht für genügend erachtet. Zur Bildung der 9,5 m — N. A. P. tiefen Fahrrinne 
von der Schleuse bis nach See, deren Breite sich im Aufsenkanal von 43 m auf 
100 m vergröfsert und im Aufsenhafen 150 m beträgt, sowie zur Unterhaltung 
der Tiefe von 8,5 m — N. A. P. im übrigen Theil des Aufsenhafens sind in den 
genannten vier Jahren im Ganzen 2254472 cbm gebaggert, während vom 
1. Juli 1894 bis 1. Juli 1895 allein für Unterhaltung dieser Tiefen von der See- 
schleuse bis nach See rund 632 000 cbm entfernt worden sind. Man wird nicht 
fehl gehen, wenn man in Zukunft letztere Ziffer im Mittel als die jährliche 
Baggerung betrachtet, und zwar um so weniger, als dieses Jahr wegen der Stürme 
im Januar und Februar wie Dezember 1894 ein sehr ungünstiges war. 
Der regelmäßige Sand- und Schlickzuflufs, welcher schon in gewöhnlichen 
Umständen bedeutend ist, wird noch bei Weitem übertroffen durch die großen 
Massen Sand, welche sich bei westlichen Winden nahe beim Kopf des nördlichen 
Dammes sowohl aufserhalb wie innerhalb der Mündung an der Nordseite des 
Fahrwassers absetzen. Namentlich bei dem Sturm vom 22. bis 23. Dezember 1894 
sind Veruntiefungen bis zu 3,4 m entstanden, welche indessen durch die zur Ver- 
fügung stehenden Mittel rasch wieder beseitigt werden konnten. Sind somit die Stürme 
nachtheilig für die Tiefe bei der Mündung, so können sie oft auch zwischen den 
Dämmen günstig wirken, wie dies bei demselben Sturme der Fall war. Die 
Peilungen vor- und nachher ergaben, dafs eine sehr beträchtliche Sand- und 
Schlickmasse mit dem heftig bewegten Wasser nach See geströmt ist und da- 
durch eine Vertiefung der Hafenrinne von 0,3 bis.0,5 m, auf vielen Stellen von 
0,6 m, selbst von 1,0 m entstand. 
Die fortgesetzten Aufnahmen und Messungen zeigen, dafs sich die Tiefen 
der Nordsee nach dem Strande der Hafenmündung nähern, was nur vortheilhaft 
für die Tiefe vor der Mündung sein kann. 
So zeigt eine Vergleichung der Peilungen von 1851 und 1895, dafs die 
Tiefenlinie von 13 m — A. P. sich vor der Hafenmündung dieser genähert und 
die Tiefenlinie von 10,5 m — A.P. sich bedeutend nach der Hafenmündung hin 
gebogen hat. Die Tiefenlinie von 9 m — A. P., welche sich an beiden Seiten auf 
3500 m von der Hafenachse der Küste noch genähert hat, erfährt mehr in der 
Nähe der Hafendänmme den Einflufs des Hafens, in seinem Ganzen als Strand- 
buhne betrachtet; dasselbe ist der Fall mit der Tiefenlinie von 8,0 m — A. P. 
Die allgemeine Näherung der Tiefe, welche längs der holländischen Küste 
zwischen dem Hoek van Holland und dem Helder nach den regelmäfsigen 
Peilungen zu beobachten ist, kann nur vortheilhaft für die Tiefe der Hafen- 
mündung sein. 
Eine Gefährdung des Hafens durch natürliche Ursachen braucht vorerst 
nicht gefürchtet zu werden; vielmehr kann dem Gesagten entnommen werden, 
dafs der Aufsenhafen von Ymuiden auch in Zukunft für tiefgehende Schiffe 
brauchbar bleiben wird und keine unüberwindlichen Schwierigkeiten vorhanden 
sind, die Tiefe später in Uebereinstimmung mit der Schlagschwelle der neuen 
Seeschleuse auch auf 10 m — N. A. P. zu bringen. 
Ann. d. Hvädr. ate.. 1896. Haft II.
	        
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