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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Grossmann: Stehendes Eis auf der Weser bei Bremen, 
Gruppiren wir die Einzelfälle nach der Dauer der Eisdecke, so ergiebt 
sich folgende Vertheilung um jenen Mittelwerth: 
Tabelle IL. 
Dauer ı 
Tage 
0—10 
ıL—20 
-1—30 
1—40 
1—50 | 
‚1. —60 
50 u. mehr 
Zahl der | W-——. 
Fälle Tage 
18 99 
17 244 
13 345 
3 101 
9 397 
4 215 
1 65 
165 
"1466) 
Die Dauer von 0 bis 10 Tagen war also nur wenig häufiger als die von 
11 bis 20 Tagen, und sogar diejenige von 21 bis 30 Tagen trat nicht gerade 
erheblich weniger auf; dagegen überstieg die Dauer nicht 20 Tage in mehr als 
der Hälfte aller Fälle, da die Fälle mit stehendem Eis von 30 Tage übersteigen- 
dem Bestehen erheblich zurücktreten. 
Wie aufsergewöhnlich die für solche längere Dauer statthabenden Be- 
dingungen sein müssen, ergiebt sich aus dem hier scheinbar zufälligen Verlauf 
der vier letzten Häufigkeitszahlen 3, 9, 4, 1, die Zeugnif ablegen, dafß ein 
siebzigjähriger Zeitraum bedeutend zu kurz ist, um die Gesetzmäfsigkeit hervor- 
treten zu lassen. Jene ganz ungewöhnlich lange Periode stehenden Eises von 
65_ Tagen Dauer fiel in den Winter 1870/71, am ersten Weihnachtsfeiertag be- 
ginnend, und charakterisirft zur Genüge die anhaltende Kälte jenes Winters; die 
drei nächstlängsten Perioden traten 1837/38 mit 57, 1847/48 mit 55 und 1857/58 
mit 52 Tagen Dauer auf. 
Das früheste Eintreten stehenden Eises an der Weserbrücke wurde während 
unseres Zeitraumes am 17. November 1858 beobachtet, während der längste 
Fortbestand auf den 28. März 1845 fiel, zu Ende desjenigen Winters, der mit 
zusammen 78 Tagen während zweier Perioden die längste Gesammtdauer stehen- 
den Eises aufweist. Der Zeitraum, während welchem solches in den 70 Jahren 
in Bremen vorkam, umfalst also 132 Tage oder mehr als !/s Jahr. 
Weiter werfen wir die Fragen auf, wie sich das stehende Eis auf den 
Winter vertheile, welche Dauer bei Zugrundelegung dieser siebzigjährigen Be- 
obachtungen der an einem bestimmten Wintertage bestehenden stehenden His- 
decke im Mittel zukomme. In Betracht kommt hierbei offenbar, dafs die Be- 
dingungen für eine lange Dauer stehenden Eises zu Anfang und zu Ende des 
Winters aus naheliegenden Gründen in gleicher Weise ungünstig sind. Die Be- 
rechnung wurde für jeden Tag vom 17. November bis 28, März durchgeführt 
und dann die Resultate für den mittleren Tag der von Dove in die Meteorologie 
eingeführten Pentaden (Zeiträume von je 5 Tagen) umgerechnet. Für jeden 
solchen mittleren Pentaden-Tag giebt Tabelle III!) die Häufigkeit des Vorkommens 
stehenden Eises an der Weserbrücke in Procenten (70 Jahre auf 100 umgerechnet) 
sowie die mittlere Dauer des Fortbestandes einer an solchem Tage vorhandenen 
stehenden Eisdecke (wobei der Ausgangstag, abweichend von der übrigen 
Rechnungsweise, nicht mitgezählt wurde); hinzugefügt wurden die fünftägigen 
Temperaturmittel (1855/92) für Hamburg,?) welche annähernd denselben Gang 
wie die Temperatur in Bremen im Mittel für jenen Zeitraum aufweisen werden. 
‘) Bei dieser Berechnung wurde der einzige 29. Februar, der 1888 mit stehendem Eis vor- 
kam, fortgelassen, . 
2) van Bebber: „Die tägliche und jährliche Periode der Temperatur zu Hamburg“, diese 
Zeitschrift, XXI. Jahre., 1893, S. 484.
	        
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