Ueber den Einflufs des Windes und des Luftdruckes auf die Gezeiten, 59
Aus den Beobachtungen, welche der Verfasser während des Zeitraumes
von zwei Jahren, wie schon erwähnt, zu Boston-Dock (Ship Wash) angestellt hat,
ergab sich, dafs in 24% aller Fälle die Fluthhöhe so stark durch den Wind
beeinflufst wurde, dafs sie um mindestens 6 Zoll von der berechneten abwich. —
In 530 von 152 Fällen betrug diese Abweichung im Mittel 31,5 Zoll, in 7 Fällen
3 Fuß, in.6 Fällen 31/2 Fufßs, in 3 Fällen 4 Fuß, .in 2 Fällen 4'% Fufls und in
1 Fall über 5 Fufs. Nach Abschlufßs der gegebenen Tabelle hat daselbst noch
eine Fluth stattgefunden, welche um 6 Fufs 3 Zoll von der ‚normalen Höhe ab-
wich. Dabei betrug der Unterschied zwischen zwei aufeinander folgenden Fluthen
in Boston 7 und auf der Nordsee 8 Fuls, .
Am Schlusse gelangt der Verfasser zu dem Endresultat, daß es ihm nicht
gelungen sei, ein strenges Gesetz aufzufinden, nach welchem der Einflufs des
Windes bezw. der Stürme auf die Gezeitenwelle dargestellt werden kann. Aus
seinen Beobachtungen hat er jedoch gewisse Zahlen ableiten können, von welchen
er annimmt, dals sie Lootsen und Kapitänen in vielen Fällen und namentlich bei
der Uebersegelung von Barren und Untiefen von Nutzen sein können. — Er
giebt nämlich für die Windstärken von 3 bis 10 der Beaufort-Skala einen be-
stimmten. aus seinen eigenen und anderen Beobachtungen abgeleiteten Faktor,
welcher mit der Fluthamplitude, ausgedrückt in englischen Fufs, multiplicirt,
die Anzahl Zoll ergiebt; um welche der Wind von der betreffenden Stärke die
Fluthwelle je nach der Richtung mit oder gegen den Wind erhöht oder erniedrigt.
Die untenstehende Tabelle giebt in Spalte I in allgemeinen Bezeichnungen,
in Spalte II nach der Beaufort-Skala die Windstärke an, während Spalte III den
in Rede stehenden Faktor enthält.
I
Leichte Briese .
Frische. Briese
Sturm +
Schwerer Sturm
6
8
9
110
III
0,63
I,84
1,05
1,26
1,44
1,68
1,89
2 10
Stehendes Eis auf der Weser bei Bremen.
Winter 1818/19 bis 1893/94.
Dr. GROSSMANN, Hamburg (Seewarte),
Im meteorologischen Jahrbuch der meteorologischen Station I. Ordnung zu
Bremen, V. Jahrgang, finden wir eine, hier in Tabelle I wiedergegebene Zu-
sammenstellung *!) der in die Winter 1818/19 bis 1893/94 fallenden Zeiträume,
während welcher die Weser an der grofsen Weserbrücke mit stehendem Eis
bedeckt war. Bis auf die Fortführung der Tabelle bis Winter 1893/04 wurde
diese an genannter Stelle vom ersten Jahrgang desselben Werkes wiederholt,
zumal sie einer weiteren Vervollständigung nicht fähig ist, da nach Mittheilung
des Herausgebers, Dr. Paul Bergholz, sich die Verhältnisse durch die Durch-
führung der Weserkorrektion vollständig geändert haben und da die Weser
durch Eisbrecher bis oberhalb der Weserbrücke jetzt den ganzen Winter hin-
durch offen gehalten wird,
1) Die Zahl der Tage mit Eisdecke ist mehrfach hier anders angegeben, indem durchweg
der Anfangs- und der Endtag des stehenden Eises mitgezählt wurden, Aufserdem wurde die in der
Öriginaltabelle für‘ den Winter 1893/94 unter Klammern angegebene stehende Kisdecke vom
4. Januar bis 18. Januar fortgelassen.