Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1896.
abgeleitet, aus welcher sich der Unterschied in der Fluthwelle, je nach der Gröfse
des Gradienten, ersehen läfst. — ‚Leider wird diese Tafel vom Verfasser nicht
egeben.
5 Die früher von Sir Lubbock gegebenen Daten erklärt Verfasser für wenig
werthvoll, da in denselben nichts darüber angegeben ist, ob die Beobachtungen
bei Windstille oder Sturm oder bei welcher Windstärke sonst angestellt wurden.
Verfasser selbst hat nun aus Beobachtungen der Gezeiten zu Boston-Dock,
an der Ostküste Englands, welche einen Zeitraum von zwei Jahren umfassen
und nur zu solcher Zeit angestellt sind, wo die Windstärke unter 3 der Beaufort-
Skala lag, so daß er glauben konnte, den Einflufßs des Windes als ganz aus-
geschlossen betrachten zu dürfen, folgende Tafel abgeleitet:
Anzahl der
beobachteten Gezeiten
zz
36
45
16
Mittel (152)
Mittlere Höhe der
Kinth in Fuls
19,84
20,53
22,45
20,36
| 20,80
!
1
4
Abweichung im Sinne:
Berechnete Fluthhöhe —
Beobachtete
— 12,71 Zoll
+1100
+11L00
—1200
+ 11,68
Abweichung des Barometer-
standes vom mittleren
0,36 Zoll höher
0.42 „ niedriger
0,36 „ höher
0,33 „ niedriger
+0,38
Unter diesen 152 Beobachtungen befanden sich nach Angabe des Verfassers
jedoch 61 Fälle, in welchen die Resultate gerade das Gegentheil des Erwarteten
ergaben, indem nämlich bei hohem Barometerstande eine hohe Fluth, oder um-
gekehrt bei niedrigem Barometerstande eine niedrige Fluth stattfand. Verfasser
schliefst hieraus, dafs der Einflufs des Windes doch bei Weitem der gröfsere sein
müsse und auch in seinen Beobachtungen noch zum Ausdruck gelange,
Einfluß des Windes.
Wenn Stürme längs einer Küste in derselben Richtung wie die Fluth-
strömung wehen, so bewirken sie eine Erhöhung des Kammes der Fluthwelle,
Ebenso erhöhen Winde, welche direkt auf das Ufer zu wehen, den Wasserstand
daselbst. Im entgegengesetzten Falle findet natürlich das Umgekehrte statt. Der
Betrag der Erhöhung, welche so eventuell die Fluthwelle erfährt, ist abhängig
von der Größe des Unterschiedes zwischen Hoch- und Niedrigwasser (der
Amplitude der Gezeiten), und zwar so, dafs bei einer gröfseren Amplitude auch
ein stärkeres Anschwellen der Fluthwelle durch den Wind stattfindet. — Der
Verfasser giebt nun die beobachteten Daten über die Gröfse dieses Anschwellens
für verschiedene Punkte der Küste von England und Holland sowie eine Anzahl
besonders auffallender Anschwellungen bei und nach heftigen Stürmen in aus-
führlicher Weise an. Besonders sorgfältig werden in Bezug auf den vorliegenden
Gegenstand die Stürme vom 16. und 17. November 1893 und 13. November 1894
untersucht. Aus den Gezeitenbeobachtungen während des letztgenannten Sturmes
an folgenden 14 Orten: Holyhead, Belfast, Liverpool, Glasson-Dock, Leith, Sunder-
land, Boston-Dock, Dover, Sheerness, Vietoria- and Albert-Docks, Portsmouth,
Devonport, Cardiff, Avonmouth ergab sich Folgendes:
Mittlere Höhe der Springfluth (13. November
= Vollmond). ...000000.0000 4 4
Mittlere Windstärke nach der Beaufort-Skala
Mittlere Abweichung der Fluthhöhe von ihrer
gewöhnlichen Höhe . . ..
An der Westküste wurde der Kamm der Fluthwelle um 3'/2 Fufs durch
den Sturm gehoben und um nahe denselben Betrag an der Ostküste erniedrigt,
entsprechend der zu jener Zeit vorherrschenden Windrichtung.