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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Ueber den Einflufs des Windes und des Luftdruckes auf die Gezeiten. 
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Veber den Einflufs des Windes und des Luftdruckes auf die Gezeiten. 
In den Versammlungen der „British Association“, Sektion G, zu Ipswich 
wurde vor einigen Monaten von Herrn W, H. Wheeler, M. Inst, C. E., zu 
Boston, England, ein Vortrag über das Thema: „The Effect of Wind and 
Atmospheric Pressure on the Tides“ ‚gehalten, dessen Inhalt geeignet ist, das 
Interesse in weiteren Kreisen des nautischen Publikums zu erregen, weshalb wir 
denselben seinem wesentlichen Inhalte nach im Nachfolgenden mittheilen: ; 
In den Versammlungen der „British Association“ ist den Gezeiten eine 
besondere Aufmerksamkeit geschenkt worden durch Sir J. W. Lubbock im 
Jahre 1832, in späterer Zeit durch ein Komitee zur Erforschung der Gezeiten- 
verhältnisse des Humber im Jahre 1864 und ein solches für Nordsee und 
Kanal im Jahre 1886. Von Sir Lubbock wurde auch der Einflufßs des Luft- 
druckes auf die Erhöhung oder Erniedrigung der Gezeitenwelle untersucht und 
das Resultat der „Royal Society“ mitgetheilt. Das Endergebnilßs war, dafs ein 
Steigen des Barometers um 1 Zoll eine Erniedrigung der Fluthwelle bewirkt, 
welche beträgt: in der Themse . .. . . 7 Zoll, 
im Mersey. .... . . 11 Zoll, 
im Avon . ... . . . 13% Zoll. 
Französische Untersuchungen haben einen Unterschied von 15 Zoll in der 
Gezeitenwelle für 1 Zoll Aenderung des Barometerstandes ergeben. 
In seiner Vorlage an die Geographische Abtheilung zu Oxford hat Admiral 
Wharton im Jahre 1894 bewiesen, dafs ein Unterschied von 1 Zoll im Baro- 
meterstande eine Aenderung von 1 Fufßs im mittleren Stande des Seespiegels zur 
Folge hat; sowie dafs in jenen Gegenden der Erde, wo der mittlere Stand des 
Barometers nach den Jahreszeiten sehr verschieden ist, während zugleich die 
Schwankung zwischen Hochwasserstand und Niedrigwasserstand (Amplitude der 
Gezeiten) gering ist, dieser Umstand sehr bemerkbar wird. 
Es scheint, "dafs keinerlei Versuche gemacht worden sind, das Gesetz ab- 
zuleiten, nach welchem der Einflufs des Windes auf die Gezeiten vor sich geht. 
Das Einzige, was darüber vorhanden ist, findet man für einzelne Küsten in den 
von der Admiralität herausgegebenen Segelanweisungen. 
Häufig ist es nothwendig, um nicht zu viel Zeit zu verlieren, Schiffe über 
Barren und in Flüssen mit Gezeitenströmungen mit sehr wenig Wasser unter 
dem Kiel über Untiefen zu führen. Bei Barren sind das etwa 2 bis 3 Fufs, bei 
Untiefen in Flüssen nur !/z bis 1 Fuß. Da nun Stürme die Wirkung haben, 
dafs sie den Wasserspiegel um mehrere Fuß heben und senken, so leuchtet ein, 
dafs es in solchen Fällen, wie oben angeführt, von Wichtigkeit ist, über den 
Einduß des Windes auf die Fluthhöhe etwas Genaueres zu wissen. Verfasser 
hat sich eingehend mit dieser Materie beschäftigt und will daher nun das Resultat 
seiner Arbeiten veröffentlichen. 
Einflufs des Barometerstandes. 
Dieser Einflufßs kann nur für bestimmte Orte angegeben werden. Der 
Verfasser behandelt nur England, Kapt. Greenwood hat 1886 der Meteoro- 
logischen Gesellschaft und 1894 der „Shipmaster’s Society“ hierüber Vortrag 
gehalten. 
Das zu Grunde gelegte Beobachtungsmaterial erstreckt sich über einen 
längeren Zeitraum und über das Gebiet der Irischen See vom Süden des 
St. Georgs-Kanals bis Morecambe Bay. Im Mittel wurde der barometrische 
Gradient über 240 Sm = 0,043 Zoll gefunden, um welchen Betrag das Barometer 
im Süden höher stand als im Norden. — Im Gebiete Grofsbritanniens herrscht 
erfahrungsgemäfs kein Sturm von einiger Bedeutung, wenn nicht der Gradient 
zwischen irgend zwei beliebigen Stationen dieses Landes !/a Zoll übertrifft; die 
Windstärke nach der Beaufort-Skala überschreitet ferner nicht 5 bis 6, wenn 
nicht der Gradient auf 15 Meilen 0,02 Zoll beträgt. Nach dem gefundenen 
mittleren barometrischen Gradienten sind also die Beobachtungen nicht bei 
stürmischem Wetter angestellt und sollten daher den Einflufs des Barometer- 
standes ziemlich frei vom Kinflusse des Windes ergeben. Kapt. Greenwood 
hat nun aus den obigen Beobachtungen eine Tafel zum Gebrauch in jener Gegend 
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