accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1896, 
Die Entfernung von Horn Island bis Pascagoula beträgt sechs bis sieben, 
bis Scranton ungefähr acht Sm. Eine regelmäfsige Verbindung existirt nicht, 
man ist auf die Schleppdampfer angewiesen, welche Leichter bringen und abholen, 
Die Kapitäne derselben sind sehr zuvorkommend, und wenn mehrere Schiffe dort 
jJaden, geht es auch recht gut, sonst ist es unbequem, da die Entfernung für 
Schiffsboote eine ziemlich weite ist. 
Proviant ist in Scranton und Pascagoula gut und preiswürdig zu bekommen; 
wenn grofse Quantitäten gekauft werden, kann man sie aus den grofsen Depots 
in New Orleans wohl noch billiger erhalten. Frisches Fleisch kostet 10 Cents 
das Pfund, Gemüse ist nur im Strafsenhandel zu erstehen. Frisches Wasser 
bekommt man von den Schleppdampfern für ein Cent die Gallone an Bord 
gepumpt. Sie holen es fünf Sn flulsaufwärts. Auch Steinkohlen bringen die 
Dampfer mit ab, Brennholz kann man sich von den Leichterschiffern kaufen. 
In Scranton ist ein ziemlich gutes Hotel, von einem Spanier gehalten, und 
in Pascagoula hat ein Deutscher schon lange Jahre ein anständiges Logirhaus. 
Hier trifft man in der Badesaison oft Deutsche aus New Orleans mit ihren 
Familien, gröfsere Picknickpartien kommen dann sehr oft nach den Schiffen und 
nach Horn Island hinaus, und es herrscht ein fröhliches Leben. 
Einige Bemerkungen über Rangun. 
Aus dem meteorologischen Journale des Schiffes „Undine“, Kapt. H. OTTO. 
Am 19. Juni 1891 um 12 Uhr mittags ankerten wir in der Nähe der 
Lootsenbrigg vor der Mündung des Rangun-Flusses. Es wehte ein frischer Süd- 
westmonsun, das Wetter war anhaltend dick von Regen. Erst gegen Abend 
erhielten wir einen Lootsen und mufsten dann noch bis zum nächsten Abend auf 
unserem Ankerplatz liegen bleiben, bevor wir einen Schleppdampfer bekommen 
konnten. Mit einem beladenen Schiffe segeln die Lootsen nicht den Fluß hinauf, 
sondern verlangen stets einen Schlepper, Zur Zeit ist aber nur ein einziger vor- 
handen, und da dieser keine Konkurrenz zu fürchten hat, so hält er sich, wenn 
er nicht beschäftigt ist, immer in Rangun auf. Trifft es sich daher nicht so, dafs 
man gerade dann vor der Mündung des Rangun-Flusses ankommt, wenn der 
Dampfer ein Schiff nach See geschleppt hat, so muß man, um denselben zu 
erhalten, nach Rangun telegraphiren. Der Schlepplohn beträgt für ein ein- 
kommendes Schiff in Ballast */4 Rs., in Ladung 1 Rs. für jede Tonne der Größe 
des Schiffes, ausgehend ebensoviel. Der Lootse darf nur mit Genehmigung des 
Kapitäns und nach einer schriftlichen Ermächtigung von demselben hierzu während 
der Nachtzeit den Flufs mit einem Schiffe befahren; die Hastings-Untiefen dürfen 
zur Nachtzeit unter keinen Umständen passirt werden, jedes einkommende Schiff 
hat unterhalb derselben zu ankern und den Tag abzuwarten. 
Wenn man in der Nacht oder zur Zeit der Ebbe, selbst wenn auch im 
letzten Falle ein günstiger Wind weht, vor die Mündung des Flusses gelangt, so 
wird zunächst kein Lootse von der Brigg an Bord kommen. Es ist daher noth- 
wendig, in diesen Fällen Alles fertig zu machen, um ankern zu können, was jedoch 
nicht gerade ganz nahe bei der Brigg zu geschehen braucht, denn diese läßt 
sich, wenn sie einen Lootsen abzusetzen hat, entweder mit dem Strome dicht an 
das Schiff herantreiben oder geht unter Segel. Zur Nachtzeit ansegelnd, thut man 
gut, rechtzeitig ein Blaufeuer zu zeigen, denn es sind sehr oft nur wenige Lootsen 
auf der Brigg, und dasjenige Schiff, welches zuerst signalisirt, wird zuerst bedient, 
Wir trafen in Rangun recht schlechtes Wetter, da der Südwestmonsun in 
seiner vollen Kraft auftrat. Während unseres ganzen Aufenthaltes hierselbst vom 
19. Juni bis zum 21. Juli 1891 kamen höchstens drei bis vier regenlose Tage 
vor. Sehr oft, wenn das Wetter zur Ebbezeit schön gewesen war, brach beim 
Eintritt der Fluth eine Böe aus WNW herein, welche einen den ganzen Tag 
und die folgende Nacht ununterbrochen anhaltenden Regen brachte. Das Löschen 
und Laden wurden durch solche Witterungsverhältnisse natürlich sehr erschwert, 
and waren nur ausführbar, indem man ein grofses dichtes Segel als Schutz über
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.