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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Pascagoula, Mississippi, 
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Hinter dieser sich West—Ost erstreckenden niedrigen Inselkette von Ship- 
bis Dauphine Island liegt der meistens flache Mississippi-Sund, welcher im NW 
in den Lake Borgne übergeht und danu durch enge Straßen mit dem grofsen 
Lake Pont Chartrain, nördlich von New Orleans, verbunden ist, während dieser 
wieder vermittelst eines Kanals in den Mississippi führt, so dafs eine flache 
Fahrstralse zwischen jener Stadt und der Bai von Mobile entsteht. 
Was nun die Ansegelung der hiesigen Häfen anbetrifft, so ist die Strömung 
meistens von der Windrichtung abhängig und setzt immer nach Lee, worauf man 
besondere Rücksicht zu nehmen hat. Gezeitenströmungen werden nur bei Wind- 
stillen bemerkbar und sind dann auch noch sehr abhängig von den Windverhält- 
nissen in weiterer Entfernung. Ein Gutes findet man hier in dem flachen Wasser 
der Bai, welches in einem Abstand von 50 Sm von den Inseln selten 30 Faden 
(55 m) beträgt und nach dem Lande zu allmählich abflacht. Das Loth ist des- 
halb auch der zuverlässigste und bei Nebel der einzige Führer. 
Mit östlichem Winde von Süden kommend, wird man wohl thun, Mobile- 
Feuerthurm in Sicht zu laufen, und im passenden Abstand längs den Küsten von 
Dauphine- und Petite Bois Island das Horn Island-Feuer in Sicht zu bekommen 
suchen und, wenn nach Ship Island-Hafen bestimmt, weiter segeln, bis das Feuer 
von Nord-Chandeleur auszumachen ist. Mit westlichen Winden muß man sich 
den Chandeleurs nähern, doch aufserhalb der 10 Fadenlinie (18 m): bleiben und 
wird dann entweder den Feuerthurm von Nord-Chandeleur oder Horn Island in 
Sicht bekommen, und, wenn nach Pascagoula bestimmt, in passendem Abstand —- 
sage auf 6 bis 7 Faden Wasser — nach Osten steuern, bis Horn Island-Feuer- 
thurm in Sicht kommt. 
Die Lootsen von Pascagoula liegen mit ihrem Kutter innerhalb der Barre 
und kommen erst in See, wenn sie Schiffe sehen, die auf den Hafen zusteuern, 
Das Fahrwasser im Horn Island Pass ist sehr Veränderungen unterworfen und 
bedeutend eingeengt durch ein grofses Flach, welches sich westlich von Petite 
Bois Island ab erstreckt. Es liegen einige rothe spitze Tonnen an der Petite 
Bois-Seite und ebensolche schwarze an Horn Island, auch eine große Ansegelungs- 
tonne eben aufserhalb der Barre. Während unserer Anwesenheit wurde die Barre 
im etwa NNO-Kurs passirt und wenn man dann die Nordseite beider Inseln in 
Linie hatte, mußte scharf nach Westen umgebogen werden, woselbst sich querab 
von der äufsersten Spitze von Horn Island noch eine innere Barre, mit etwa 
2 Fu’ weniger Wasser als auf der Aufsenbarre, gebildet hat. Auf letzterer sind bei 
Springfluthen etwa 21 Fufs (6,4 m) Wasser, doch ist dies viel von der Windrichtung 
im Golf von Mexiko abhängig. Im Ganzen genommen ist Horn Island Pass 
kein Fahrwasser, welches fremde Schiffe, die nicht kürzlich dort gewesen sind, 
ohne Lootsen benutzen sollten, da es häufigen Veränderungen unterworfen ist, 
besonders bei Orkanen, nach welchen selten eine Tonne noch auf ihrem richtigen 
Platze liegen dürfte und, wenn dies auch der Fall sein sollte, doch durchaus nicht 
mehr die Grenzen des Fahrwassers bezeichnen würde. Wenn am Sonnabend 
Nachmittag keine ansegelnden Schiffe in Sicht sind, so geht der Lootsenkutter zur 
Abholung von Proviant und zum Wechseln der Lootsen nach Pascagoula und 
kommt am Sonntag früh wieder zur Station, 
Schiffe, die von Mai bis Oktober ankommen, müssen zur Quarantänestation 
südlich von Round Island; letztere ist eine kleine, runde, bewaldete Insel in der 
Mitte des Mississippi-Sundes, auf deren Südspitze ein weilser Feuerthurm gebaut 
ist, von.dem ein weilses festes Feuer gezeigt wird. Zur anderen Jahreszeit 
kommt der Doktor zum gewöhnlichen Ballastplatz, westlich vom Ladeplatz, Der 
Arzt, welcher zur Zeit auf Round Island auf Station ist, Dr. E. F. Griffin, ist 
ein gefälliger alter Herr, welcher keine unnöthigen Schwierigkeiten macht, er 
hat auch das Glück gehabt, dafs in den letzten 20 Jahren, seitdem er seinen 
Posten hier vertritt, keine ansteckenden Krankheiten über den Seeweg in Pasca- 
goula eingeführt worden sind. Ich möchte hier noch wieder die Bemerkung ein- 
schieben, dafs die amerikanischen Quarantäneärzte die ausgedehntesten Macht- 
befugnisse in ihrem Wirkungskreise besitzen, und wenn auch ein sogenanntes 
Gesundheitsamt vorhanden ist, unter welchem sie stehen; so würde dieses sich 
nie auf Seite eines Kapitäns gegenüber den ärztlichen Anordnungen stellen; man 
thut, also eut, letztere mit möglichster Bereitwilligkeit zu befolgen.
	        
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