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Full text: 67, 1939

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1939. 
stellenweise reife Früchte, die offenbar einer zweiten herbstlichen Blütezeit 
entstammen; denn schon in der zweiten Augusthälfte trägt Quilineja wieder 
Blütenknospen, die neben den reifen Früchten kurz vor der Öffnung stehen. 
Nun blühen auch die Narzissen, die Brombeere, die auch in den letzten Monaten 
schon einige Blüten aufwies, und die chilenischen Hölzer Pelü (Sophora tetrap- 
tera), Teniu (Weinmania trichosperma) und Espino Blanco (Raphithamnus ecyano- 
carpus). Am 13, VIIL, an einem lauen Abend, war in einem nahen Sumpfe das 
erste Froschkonzert (Pleuroderma) zu hören. Anfang September beginnt ungefähr 
zu gleicher Zeit mit Minemifie (Rubus radicans) die Apfelblüte. In der ersten 
Hälfte des Oktober, während die Linde und etwas später die Robinie ihre Blätter 
entfalten und die Apfelbäume schon ganz grün sind, blühen zugleich mit Ginster 
und Flieder Ciruelillo (Embothrium coccineum), Callecalle (Libertia ixioides), 
Chaura (Pernetthya mucronata) und Loasa (Loasa acanthifolia), und Tepü (Tepualia 
stipularis) trägt stellenweise reife Früchte. In der zweiten Oktoberhälfte, während 
Flieder, Maiglöckchen, Akelei, Hirtentäschelkraut und Ahorn in voller Blüte 
stehen, blüht nun auch Nalca oder Pangue (Gunnera chilensis). Die Blütezeiten 
von Quintral und Michai sind vorüber. Anfang November bringt neben vielen 
anderen die Blüten des Fingerhutes (Digitalis purpurea) und der Himbeere und 
im Walde -die des Chaquihue (Crinodendrum Hookerianum). Während die Fuchsie 
noch immer in Blüte steht, fliegen schon Mitte November die reifen Samen des 
Löwenzahnes über die Viehweiden, Anfang Dezember, in der Hochblüte von 
Brombeere, Fingerhut und Eukalyptus, beginnt der Arrayän (Myrceugenia apicu- 
lata) und bald danach die Murta (Ugni Molinae) zu blühen. 
Schon diese wenigen Beobachtungen lassen erkennen, daß das Pflanzenleben 
auf Calbuco keine Winterruhe kennt. Deshalb werden vor allem die uns ge- 
wohnten Eigentümlichkeiten von Frühling und Herbst stark verwischt. 
5. Anthropoklimatische Beobachtungen: Im ganzen wird das Klima des Calbueo- 
gebietes von uns als frisch und angenehm empfunden, was wohl auf die ziemlich 
gleichmäßigen und niedrigen Temperaturen und die Staubarmut der Luft zurück- 
zuführen ist. Auch die häufigen und im allgemeinen nur mäßig starken Winde 
sprechen dabei mit. Windstille bei Sonnenschein und laue Nordwinde, bevor der 
Regen eingesetzt hat, wirken manchmal etwas drückend und ermüdend, jedoch 
in weit geringerem Maße als etwa in Deutschland die Gewitterschwüle. Eine 
bedeutende Annehmlichkeit des calbucaner Klimas gegenüber dem der nahen 
Kordillerenküste besteht darin, daß die Regenperioden, die für manche Europäer 
so bedrückend sind, kürzer, abwechlungsreicher und nicht so düster sind wie in 
den Fjorden und küstennahen Kordillerentälern. 
Bemerkenswert erscheint, daß die Bevölkerung Südchiles, insbesondere im 
Gebiet zwischen Lago Llanquihue und Ancud, die Ansicht vertritt, daß im Ver- 
laufe der letzten Jahrzehnte eine deutliche Klimaänderung eingetreten sei. Soviel 
ich aus den zahlreichen übereinstimmenden Berichten entnehmen kann, ist danach 
eine Verkürzung der sommerlich trockenen Zeit und vielleicht auch eine Er- 
höhung der Wintertemperaturen zu verzeichnen. Um diese Berichte zu bekräf- 
tigen, wird immer wieder die Tatsache angeführt, daß man vor 40 und 30 Jahren 
vom chilenischen Nationalfeiertage an (18. IX.) Sommerkleider zu tragen pflegte, 
was heute nicht mehr möglich ist, Vermutlich handelt es sich um eine Klima- 
schwankung; denn K, Martin bemerkt, daß das südchilenische Klima neuerdings 
(1899) „trockener“ geworden sei. . 
Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, daß an verschiedenen Stellen des 
westpatagonischen Küstengebietes Anzeichen für eine derzeitige positive Strand- 
linienverschiebung vorliegen, so auch sehr deutlich an der E-Küste von Calbuco, 
B. Beobachtungen in Puerto Puyuhuapi., 
Die folgenden Beobachtungen wurden in Puerto Puyuhuapi (44° 19’ 35” 5, 
72° 35’ 18” W) in der Provinz Aysen am N-Ende des 100 km langen gleichnamigen 
Fjordes im Sommer 1937/38 (Dezember bis Februar) gemacht. Sie wurden durch 
Berichte des Dipl.-Ing. 0. Uebel, der dort seit 1935 ansässig ist, ergänzt. Durch 
nahe, bis 2000 m sich erhebende Bergketten zu beiden Seiten des Fjordes werden
	        
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