376 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1896.
westlichen Ostsee, am 14. an der Nordsee, am 19. und 20, an der ganzen Küste,
am 21. und 22. an der östlichen Ostsee und am 24. und 25. an der Küste westlich
der Oder anf.
Stürmische Winde wehten über größerem Gebiete am 3, aus SW—NW,
Stärke 8, an der mittleren und östlichen Ostsee und am 4. aus Nord—NE,
Stärke 8 und im Osten vielfach 9, über demselben Gebiet, am 6. und 7. aus
SW—WNW, meist Stärke 8, ostwärts der Oder, am 11. aus SW— West, Stärke 8,
an der mittleren und östlichen Ostsee und am 12., 28. und 29. mehr vereinzelt an
der östlichen Ostsee aus Nord—NE, Stärke 8 bis 9.
Die beobachteten Windrichtungen waren im November ziemlich gleich-
mäfsig vertheilt; unter den durch relative Häufigkeit ausgezeichneten Richtungen
treten indessen die östlichen bedeutend hervor gegen die westlichen Richtungen.
Eine zu Anfang des Monats Centraleuropa bedeckende Depression, in
welcher ein niederschlagreiches Minimum von Frankreich durch Nordwestdeutsch-
land nach dem Riga-Busen schritt, wurde am 3. und 4, durch ein vom Ocean
vordringendes, seinen Kern über die Britischen Inseln nach Norddeutschland
verlagerndes Hochdruckgebiet ostwärts gedrängt; dabei entstanden durch Wechsel-
wirkung des Maximums mit einem auf seiner Vorderseite von Mittelskandinavien
über die südliche Ostsee nach Westrussland ziehenden Minimum am 3. und 4.
die oben erwähnten Stürme an der Ostsee.
uange währte die Herrschaft des am 5. West—Ost über die Mitte Europas
gestreckten Maximums nicht, da bereits am 6. und 7. eine im Norden lagernde
Depression sich südwärts, das Maximum zurückdrängend, ausbreitete, wobei ein
südostwärts über Lappland und Finnland fortschreitendes Minimum in der Ostsee
Stürme aus SW bis WNW hervorrief.
Eine Ausdehnung über ganz Centraleuropa erfuhr die Depression durch
Einschliefsung des Gebietes eines am 8. vom Kanal südostwärts durch Frankreich
fortschreitenden Minimums, doch nur vorübergehend, da am 9. ein Maximum sich
von Westen her über die Mitte des Kontinents bis nach Russland ausbreitete.
Auch dieses wurde bald wieder südwärts gedrängt durch eine über Nordeuropa
lagernde Depression; Minima zogen über die mittlere Ostsee nach Esthland und
durch die südliche Ostsee nach Kurland und riefen am 11. und 12., wie oben
angegeben, Stürme in der Ostsee hervor.
Die Wetterlage erfuhr mehrfache wesentliche Aenderung durch ein
Nord—Süd gestrecktes, am 12. bis 14. ostwärts über Europa von den Britischen
Inseln bis nach Russland fortschreitendes umfangreiches Hochdruckgebiet, dem
wiederum ein Depressionsgebiet gleicher Ausdehnung folgte. Letzteres bedeckte
nur kurze Zeit die Westhälfte Europas, da es am 15. bis 16. südostwärts nach
lem mittleren Mittelmeer fortschritt, während das im Osten lagernde Maximum
sich über Skandinavien ausbreitete und mit einem im Westen über dem Ocean
nahenden Maximum in Verbindung trat.
Nachdem am 17. ein breiter Rücken hohen Druckes, von den Britischen
Inseln über das Nordsee- nach dem Ostseegebiet gestreckt, bestanden hatte,
gewann eine im Nordwesten über dem Ocean lagernde Depression Einflufs auf
Nordwesteuropa und erhielt diesen am 18. bis 20. bei hohem Druck über Süd-
westeuropa, bis das über der Biscaya-See lagernde Maximum sich am 21. nord-
ostwärts bis nach Finnland hin ausbreitete. Nun folgte die Herrschaft hohen
Luftdruckes; über die Mitte Europas zunächst SW—NE, dann West—Ost und
schliefslich NW—SE gestreckt, erhielt sich vom 22. bis Ende des Monats ein
breites Gebiet hohen Luftdruckes, den Kern hohen Druckes zunächst im Osten,
dann im Westen aufweisend, als sich ein intensives Maximum über dem Ocean
im Nordwesten entwickelte. Durch Wechselwirkung mit einer Depression über
Westrussland wurden am 28, und 29. in der Ostsee die genannten Stürme aus
Nord bis Nordost hervorgerufen.
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
Berlin SW, Kochstralse 68—71.