Knipping: Stürme oder Taifune. im äufsersten Osten, 1894;
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Meilen umspannen zu wollen; der Wunsch liegt ja nahe und ist natürlich, aber
unausführbar ohne Schiffsbeobachtungen.
Hier mag noch auf die gröfste, wahrscheinlich in der Natur dieser
Stürme selbst liegende Lücke unserer Kenntnisse über die Taifune innerhalb des
ostasiatischen Monsungebietes hingewiesen werden; sie betrifft die Gegend
innerhalb des Bogens 9° N-Br, 145° O-Lg, 20° N-Br, 130°O-Lg und 31° N-Br,
145° O-Lg, aus der nur ganz vereinzelte Beobachtungen mit den Windstärken
11 und 12 vorliegen. Sowie man aus diesem Gebiete nach Westen, NW oder
Norden vorschreitet, häufen sich die Orkanbeobachtungen sehr schnell.
E. Knipping.
Notizen.
1. Meteor. An Bord des auf der Reise von Bahia nach St. Vincent €. V.
sich befindenden Dampfers „Curityba“, Kapt. A. Birch, wurde laut meteorologischen
Journals am 14. August um 7 Uhr 10 Min. abends, auf 7,0° S-Br und 33,6 W-Lg
in mw. NNW und einer Höhe von etwa 30° über dem Horizont eine hell-
leuchtende grüne Feuerkugel beobachtet, welche bis zu einer Höhe von etwa
15° senkrecht hinunterfiel, dann plötzlich, scheinbar durch die Berührung mit
einer Wolke, nach SW abbog und in einer Höhe von etwa5° über dem Horizont
in mw. NW!'/N, einen Dampfstreifen hinterlassend, verschwand. Die Dauer der
ganzen Erscheinung betrug etwa 10 Sekunden; die Kugel hatte einen scheinbaren
Durchmesser von annähernd 5 Minuten, ;
2. Einige Bemerkungen über St. Pierre (Martinique). Von Kapt.
Nichelson, Führer des Schiffes „Theodore“,
Die Stadt St. Pierre liegt an der Westseite der Insel; die Rhede
ist, aufser von Osten, überall offen. Da aber, mit Ausnahme der Monate Mai
bis September, in welchen des öfteren westliche Winde auftreten, der Passatwind
weht, so ist sie während des gröfsten Theiles des Jahres völlig sicher. Nur bei
einem Orkane, von denen die Insel des öfteren heimgesucht wird, ist die Lage
eines Schiffes auf der Rhede von St. Pierre eine sehr gefährliche, so dafs alsdann
viele Schiffe verloren gehen. Die Bai von St. Pierre hat fast überall grofse
Wassertiefen bis dicht unter Land, zu tief für Schiffe zum Ankern. Gegenüber
dem Südende der Stadt erstreckt sich indessen eine Bank mit 15 Faden (27 m)
Tiefe genügend weit auswärts, um einer Anzahl Schiffe Gelegenheit zum Ankern
zu bieten. Früher lagen in der Bucht zwei Reihen gut verankerter Festmache-
bojen, welche aber in dem Orkane von 1891 sämmtlich vertrieben sind.
Schiffe, welche nach St. Pierre bestimmt sind, können den Hafen sowohl
von Süd als von Nord machen, sie müssen aber bis nahe an die auf der Rhede
liegenden Schiffe‘ hinansegeln, bevor der Lootse an Bord kommt. Beide Anker
müssen, je mit mindestens 54 m (30 Faden-) Kette überholt, klar sein zum Fallen,
auch sind genügend Trossen auf Deck zum Gebrauch in Bereitschaft zu halten.
Nachdem der Lootse an Bord gekommen ist, wird eine lange gute Leine nach
dem Lande gebracht und dort an einer Stelle festgemacht, gegenüber welcher
das Schiff seinen Ankerplatz erhalten soll. Ist das Schiff bis zu der passenden
Stelle gelangt, läfst man den ersten Anker fallen, nimmt die Leine aus dem
Boote von hinten über und hievt das Schiff über Steuer weiter. An der
entsprechenden Stelle wird der zweite Anker fallen gelassen, und wenn das
Schiff nahe genug an Land gebracht ist, wird es in einer Reihe mit den schon
anwesenden Schiffen, vom Heck aus vermittelst einer Kette am Lande festgemacht.
Die Kosten für das Festmachen des Schiffes (einschliefslich der Benutzung des
Bootes) beitragen 25 bis 30 Fr.; dieselbe Summe ist dem Boote für seine Dienste
beim Verlassen des Ankerplatzes zu zahlen. Die Hafenunkosten sind niedrig;
für „Theodore“, ein Schiff von 680 Registertonnen, beliefen sich dieselben
(einschliefslich der Ausgaben für das Boot und für Trinkwasser) auf 395 Fr.
Für das Stauen von 940 Tonnen Rum, Zucker und Kakao hatten wir 1135 Fr.,
für Leichtergeld 2240 Fr. zu zahlen. Die Kommission für die Befrachtung des
Schiffes betrug 5%. Frisches Fleisch und Fische sind mäfsig im Preise, anderer
Proviant ist jedoch meistens theuer. Es ist erlaubt, den Ballast einfach über
Bord zu werfen. Ein deutsches Konsulat ist in St. Pierre nicht am. Platze.