566 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1896.
Tabelle würde die Fluth bis auf 16 X 1,05 = 16,80 Fuß steigen, was nicht mit
dem angezogenen Beispiel übereinstimmt. Nach der Tabelle würde bei einer
Windstärke 3 die Fluthgröfse von 16 Fufßs nur 16 x 0,63 = 10 Fufs werden,
während das Gesagte 16 Fufßs -+ 16 X !/ Zoll = 16 Fuß + 8 Zoll = 16,7 Fufßs
als Fluthgröfe angiebt. Letzteres ist natürlich das Zutreffende, weil die Annahme,
dafs eine Windstärke unter 5 erniedrigend auf die Fluthgröfse einwirkt, ungereimt
ist. Man mufs daher die Faktoren der am Schlufs der Mittheilungen in Heft II
dieser Annalen stehenden Tabelle noch mit der Fluthgröfße in englischen Fulsen
multipliciren, um die Anzahl englischer Zoll zu finden, um welche der Wind der
zugehörigen Windstärke die Fluthwelle erhöht oder erniedrigt, je nachdem die-
selbe mit dem Winde oder gegen den Wind gerichtet ist. In dem angezogenen
Beispiele beträgt somit die Erhöhung nicht 16 > 1,05 = 16,8 Fuß, sondern viel-
mehr 16 Fufßs + 16 > 1,05 Zoll = 16 Fufßs + 16,8 Zoll = 16 Fuß + 1,4 Fuß
= 17,4 Fuls.
Wheeler will nicht behanpten, dafs man sich ganz auf diese Formel ver-
lassen kann, vielmehr damit die Lootsen oder Kapitäne nur annähernd auf den
Einflufs hinweisen, welchen die Gezeiten von dem Winde erleiden und wodurch
sie die Tiefen ableiten können, welche für das Passiren von Barren oder Untiefen
in Tideströmen zur Verfügung stehen werden.
Abgesehen von dem Gesagten, weicht aber das Resultat von Wheeler
nach dem Wochenblatt „de ingenieur“ vom 11. April d. J. gänzlich ab von dem,
was die Erfahrung bezüglich des Einflusses des Windes auf die Gezeiten in den
Niederlanden lehrt. Diese hat nämlich ergeben, dafs die Fluthgröfse — der
Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser — im Mittel nicht nennenswerth
durch den Wind geändert wird, doch dafs der Wind hauptsächlich auf den
mittleren Seestand Einflufs hat. Dieser wird erhöht, wenn der Wind auf die
Küste gerichtet ist, und im umgekehrten Falle erniedrigt. Die heftigen Sturm-
fAuthen entstehen an der niederländischen Küste bei Nordwestwind und nicht bei
Südwestwind, welcher längs der Küste, somit in der Richtung der Fortpflanzung
der Fluthwelle weht, während dagegen gerade auf den letzten Umstand Wheeler
Nachdruck legt. Ob die Fluthgröfse durch den Wind gröfser oder kleiner wird,
hängt von Zufälligkeiten ab, hauptsächlich von der Zeit des Sturmes hinsichtlich
der Zeit des Hochwasser.
Fällt z. B. der Sturm während steigenden Wassers auf die Küste, so ist
die Erhöhung stärker, nimmt der Sturm bei fallendem Wasser wieder ab, so wird
der Niedrigwasserstand mehr normal — also nur eine starke Erhöhung des Hoch-
wassers, somit eine Vergröfserung der Fluthgröfse die Folge sein. Wenn
umgekehrt ein Sturm bei fallendem Wasser eintritt, während Niedrigwasser seine
größte Stärke erreicht, und beim folgenden Hochwasser abflaut, dann wird in
der Hauptsache nur das Niedrigwasser durch Aufwehung erhöht und somit die
Fluthgröfse durch den Sturm verkleinert.
Wie bekannt ist, hängt die Aufwehung vor Allem von der Seetiefe ab;
in untiefem Wasser ist die Aufwehung stärker als in tieferem Wasser. Die Auf-
wehung beirägt in Zeeland mit grofsen Gezeitenunterschieden absolut nicht so
viel mehr als die in der Zuiderzee mit sehr kleinen Gezeitenunterschieden. So
betrug z. B. bei dem Sturm vom 6. bis 8. Dezember 1594 der Stand des Hoch-
wassers in den Zeeuwschen Strömen ungefähr 1,5 bis 1,7 m mehr als das mittlere
monatliche Hochwasser zwischen Ymuiden und dem Helder, wo der Gezeiten-
unterschied viel geringer ist, 1,59 bis 1,7 m also ungefähr ebenso viel, während
in der Zuiderzee mit den so geringen Gezeitenunterschieden die Sturmfluth ver-
hältnifsmäfsig sehr hoch war und 2 bis 2,5 m über das mittlere monatliche Hoch-
wasser aufgelaufen war.
Die Aufwehung proportional der Fluthgröfse zu setzen, würde für nieder-
Jändische Verhältnisse nicht angebracht sein. Bestimmte Aufwehungs-Koefficienten,
unabhängig von der Wassertiefe und anderen lokalen Umständen, müssen daher
auch zu ganz unbefriedigenden Ergebnissen führen. Die Wheelersche Tabelle
ist auf die niederländischen Verhältnisse und somit auch wahrscheinlich auf die
anderer Nordseeküsten keineswegs anwendbar.
Ebenso ist es wahrscheinlich, dafs der Barometerstand hauptsächlich auf
den mittleren Seestand und nicht so sehr auf die Fluthgröfse Einflufs hat,
wie auch Admiral Wharton dieser Ansicht hinneigt, Die Ergebnisse, welche