5364 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1896,
schließen dann zugleich mit den Ebenen kreisförmige Kanäle von rechteckigem
Querschnitt ein. Werden die Kraftlinien so gewählt, dafs durch jeden dieser
Kanäle der Kraftifluß 1 geht, so stellen dieselben Einheitskraftröhren dar. Da
die Feldstärke eines geradlinigen Stromträgers umgekehrt proportional mit der
pP
Entfernung abnimmt, so mufs der Radius des p‘" Kraftlinienringes = e2i sein,
wenn der des innersten = 1cm ist und i die Konstante des koncentrischen
Kraftliniensystems (die sogenannte Stromstärke) ist.
Fig. 5 stellt verkleinert ein solches Diagramm des magnetischen Feldes
eines geradlinigen Stromträgers dar.
Durch Kombination zweier solcher Diagramme wird auch hier das gemein-
same magnetische Feld zweier Stromträger gewonnen. Diese Kombination
geschieht wie früher dadurch, dafs
die Diagonalen der Vierecke gezogen
werden, welche die Linien der beiden
Diagramme bilden. Durch die sich an-
einanderschliefsenden Diagonalen ist
die Lage der senkrecht zu den beiden
parallelen Ebenen die Einheitsröhren
des gemeinsamen Feldes abschliefsenden
Scheidewände bezeichnet; die Entfer-
nung zweier solcher Linien voneinander
ist umgekehrt proportional der Feld-
stärke. Fig. 6 und 7 zeigen die Kom-
binationen der Diagramme zweier
Stromträger (A, und A,), und zwar
Fig. 6 bei gleicher, Fig. 7 bei entgegengesetzter Stromrichtung. Fig. 7 giebt also
auch das Bild des Kraftlinienverlaufes einer Stromschleife in einer senkrecht zu
dieser gelegten Ebene,
Die durch die Eisenspähne erzeugten Kraftlinienbilder zeigen, dafs ein
Stück weichen Eisens im Felde eines Magnetpoles Kraftlinien nach sich hinzieht
Fig. 5.
Fig. 6.
und in sich aufnimmt, beachtet man dabei die Richtung derselben, so findet man,
dafs die in das Eisen hineingehenden Kraftlinien an anderen Stellen wieder
heraustreten. Das Eisen hat also eine gröfßsere Durchströmbarkeit („Permeabilität“)
als Luft und andere feste Körper.
Dadurch erklären sich die verschiedenen magnetischen Wirkungen des
weichen Eisens: der Zug der Kraftlinien bewirkt Annäherung zwischen Magnet-
polen und weichem Eisen,‘ ebenso das Hineinziehen eines Kisenkerns in ein vom
galvanischen Strome durchflossenes Solenoid; durch Aufnahme der Kraftlinien
entzieht ein Schirm weichen Eisens die Körper der Wirkung eines auf der
anderen Seite liegenden Magnetpoles etc.