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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Ebert: Magnetische Kraftfelder. 559 
man ein „unipolares“, . Es hat fast in allen Querschnitten eine radiale Kraft- 
linienanordnung. . 
Um die beiden Pole eines Magnets in eindeutiger Weise zu bezeichnen, 
dient auch hier als Mittel die Thatsache, dafs ein mit seiner Achse in der 
Horizontalebene frei drehbarer Magnet sich auf der Erde stets in einer bestimmten 
Richtung einstellt (Nord- und Südpol des Magnets).. 
Der Umstand, dafs die magnetische Wirkung von langen, dünnen Magnet- 
stäben fast ausschliefslich auf die Enden koncentrirt ist, ermöglicht es, einen 
einzelnen Pol der Wirkung eines festliegenden Magnetes auszusetzen, denn der 
Stab kann immer so lang gewählt werden, dafs der andere Pol aufserhalb der 
nachweisbaren Feldwirkungen zu liegen kommt. Wird dann ein an einem Faden 
vertikal über einer Tischplatte aufgehängter langer stark magnetisirter Stahl- 
draht der Wirkung eines auf der Tischplatte liegenden Magnets ausgesetzt, so 
zeigt sich, dafs der untere, nach allen Richtungen der Horizontalebene bewegliche 
Stabpol von einem gleichnamigen Pol des Magnets weggeschoben, von einem 
ungleichnamigen aber angezogen wird, Die Erscheinung ist also polar sowohl 
in Bezug auf den einen wie den anderen in Wechselwirkung tretenden Magnet. 
Hat man auf einem untergelegten Kartenblatt die Kraftlinienbilder der 
auf dem Tisch liegenden Magnete erzeugt, so bemerkt man, dafs die Bewegung 
des beweglichen Stabpoles den Kraftlinien folgt. Dies tritt besonders auffällig 
hervor, wenn man einen kurzen Magnetstab mit seiner Mitte, also seiner In- 
differenzzone, unter den Aufhängepunkt des Stahldrahtes legt. Wird der 
bewegliche Stab an das magnetisch polar mit ihm gleichnamige Ende des fest- 
liegenden Magnets gebracht, so geht er in einem Bogen um die Indifferenzzone 
herum zum anderen Polerlde hin. Er folgt also nicht der geraden Verbindungs- 
linie der beiden Pole, sondern der .Kraftlinienrichtung. 
Aus all diesem folgt, dafs den Kraftlinien ein bestimmter Richtungs- 
sinn innewohnt, der sich in den verschiedenen Antrieben äufsert, welche 
bewegliche Nord- und Südpole in dem Felde erfahren. 
Mifst man nun den + Richtungssinn den Antrieben bei, welche ein beweg- 
licher Nordpol im magnetischen Felde erfährt, so trifft man damit die Festsetzung: 
Die Kraftlinien verlaufen in dem Sinne, in dem ein beweglicher 
Nordpol in ihnen vorangeschoben wird. 
Und es ergiebt sich daraus ferner: Bei allen Magneten gehen die 
Kraftlinien von dem Nordpole aus und ziehen sich durch das Feld 
nach dem Südpole desselben hin, woselbst sie einlaufen. 
Wenn. der Nordpol eines beweglichen Magnets in der Richtung der Kraft- 
linien, der Südpol dieser Richtung entgegengesetzt bewegt wird, so mufs sich 
bei der Vereinigung beider Pole an einer kurzen Magnetnadel diese gerade in 
die Richtung der Kraftlinien stellen. . Diese Linien sind im Allgemeinen Kurven; 
die Magnetnadel nimmt die Richtung der Tangente an dieselben an. Der 
Richtungssinn der Kraftlinien ist daher durch die Stellung einer kleinen Magnet- 
nadel in jedem Punkte des Feldes gegeben, wenn man längs derselben von ihrem 
Südpol nach ihrem Nordpol hinblickt. 
Solche „Probenadeln“ sind zur Erforschung der Konstitution verwickelter 
Magnetfelder sehr wichtig. (Es ist durch dieselben also auch eins der Mittel 
für die Untersuchung des magnetischen Feldes auf eisernen Schiffen in die Hand 
gegeben. D. Ref.) 
Bei den Wirkungen, welche ein beweglicher Pol in einem Magnetfelde 
erfährt, fallen drei einzelne Momente auf: eine bestimmte Richtung, ein bestimmter 
Richtungssinz und eine bestimmte Stärke. Solche mit Richtung, Sinn und 
Intensität begabten Gröfsen nennt man „Vektoren“; ein Vektor ist geometrisch 
durch eine Strecke von bestimmter Mafszahl darstellbar, welche von einem Punkte 
aus in einer bestimmten Richtung gezogen wird. Zwei von einem Punkte aus- 
gehende gleichartige Vektoren summiren sich ganz allgemein derart, daß die 
Diagonale des von den beiden Vektoren gebildeten Parallelogramms die Summe 
derselben darstellt. 
Für die Stärke der magnetischen Kraft an jedem Punkte des Feldes giebt 
die Dichtigkeit, mit der die Kraftlinien durch den Raum verlaufen, einen Anhalt. 
Diese Dichtigkeit ist am einfachsten nach der Zahl der Kraftlinien zu beurtheilen, 
welche ein zu ihrem Verlaufe senkrechtes Flächenstück durchsetzt, z. B. die im
	        
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