Ebert: Magnetische Kraftfelder,
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Magnetische Kraftfelder.
Die Erscheinungen des Magnetismus ete., dargestellt auf Grund
des Kraftlinien-Begriffes. ;
Von H. EBERT, Professor der Physik .an der. Universität Kiel, Leipzig 1896.
Das Streben der heutigen Physik nach möglichst objektiver Erkenntni[fs
und hypothesenfreier Darstellung der Naturerscheinungen kommt in.den neueren
Anschauungen über das Wesen der magnetischen, elektrischen und auch optischen
Phänomene : besonders hervorragend‘ zum Ausdruck.‘ Diese. von Faraday
begründeten, von Maxwell und Helmholtz weiter entwickelten "Theorien sind
durch die bahnbrechenden Arbeiten von Heinrich Hertz zu einem gewissen
Abschluß gelangt. Wenn nun auch bereits mehrfache Versuche vorliegen, diese
Auffassungen in die systematischen Darstellungen : der. genannten Erscheinungs-
gruppen einzuführen, so bietet doch zuerst Herr Professor H. Ebert in Kiel
unter dem Titel der Ueberschrift ein Lehrbuch dar, welches in-leicht fafslicher
Form die Lehre vom Magnetismus und der Elektrieität, durchweg dem neuesten
Standpunkt der theoretischen Erkenntnils entsprechend, aus den Fundamenten
entwickelt. ) . .
Da in dem Buche stets von den Erscheinungen ausgegangen wird, wie
sie sich dem Auge zeigen, so leiten sich die Begriffe und Gesetze ungezwungen
aus der Anschauung ab. Die Beschreibung der Versuche und Modelle wird in
der Weise gegeben, dafs dieselben danach von dem Leser selbst mit Sicherheit
ausgeführt und angefertigt werden können, wodurch gleichzeitig eine aufser-
ordentlich lebhafte und anschauliche Darstellung erreicht wird.
Wir glauben nicht zu irren, wenn wir annehmen, dafs dem gröfseren
Theile unserer Leser diese neueren Entwickelungen noch fremd geblieben sind.
Daher möchten wir uns nicht auf eine kürzere Besprechung des Buches
beschränken, sondern im Folgenden aus demselben einige Darlegungen :aus-
führlicher wiedergeben. Wir hoffen dadurch um so wirksamer zum Studium des
Buches selbst anzuregen, und zwar sind es‘ praktische Gesichtspunkte, die uns
dies sehr wünschenswerth erscheinen lassen. Denn diese neueren Anschauungen
und die daraus sich ergebenden Methoden haben bereits in der Elektrotechnik,
insbesondere bei der Konstruktion der Stromerzeuger, der Motoren sowie zu
ihnen in Beziehung stehender Apparate, mit grofsen Erfolgen Anwendung gefunden,
und lassen diese Erfolge erwarten, dafs die weitere Anwendung der neueren
Theorien auch die magnetischen Verhältnisse an Bord eiserner Schiffe und ins-
besondere auch ihre Beeinflussung durch .elektromagnetische Maschinen und
Starkstromleitungen einfacher und in klarerem Lichte zeigen ‘wird, als sie sich
bisher darstellten. Je vollständiger und klarer die Naturerscheinungen vor dem
yeistigen Auge stehen, desto besser werden sie nutzbringend verwerthet :oder
ihre schädlichen Einwirkungen bekämpft werden können. ;
Für die neuere Entwickelung der Lehre von .der Elektricität‘ und. dem
Magnetismus ist charakteristisch, dafs das Wesentliche der Erscheinungen in den
Aufsenraum ihrer Träger, in das „Feld“, verlegt wird. So. sind es bei dem
Magnet nicht mehr hypothetische, an gewissen Punkten aufgehäufte Fluida, die
unvermittelt in die Ferne wirken, sondern Druck- und Zugspannungen im Felde,
welche die Magnete bewegen. Beim galvanischen Strom flielst nicht etwas im
Leiter, sondern der wichtigste Theil der ganzen Erscheinung spielt sich in dem
amgebenden Raume, in dem die magnetischen Stromwirkungen sich bemerkbar
machen, im „Stromfelde“, ab. Daher sind es diese Felder und die durch ‚sie
kontinuirlich von Stelle zu Stelle fortschreitenden Kräfte, die „Kraftfelder“,
welche bei den neueren Theorien in dem Vordergrunde des Interesses stehen;
ihr Bau, ihre Struktur wird durch die „Kraftlinien“ beschrieben. x
Durch die Einführung und konsequente Anwendung des Kraftlinienbegriffes
kann das ganze Gebiet in einheitlicher und vollkommen systematischer. Weise
behandelt werden.‘ Die einzelnen Erscheinungsgruppen ‘sind. zu. einer Kette
innerlich nothwendig aus- und aufeinander . folgender Thatsachen verbunden,
Ferner gewinnen die einzelnen Gesetze sehr an Anschaulichkeit, da man sie un-
mittelbar aus den Kraftlinienbildern ablesen kann.