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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1896. 
wenn das Barometer stationär wird oder wieder fällt. Das typische Barogramm 
der Böe ist eine, gewöhnlich die Mitte eines Wellenthals einnehmende, aufwärts 
gerichtete Stufe oder Zacke. In den letzten drei Jahren sind aber mehrmals 
Aufzeichnungen von Barographen aus der Zerstörungsspur eines Tornados oder 
aus ihrer nächsten Nähe gewonnen worden, die einen ganz anderen Charakter 
zeigen und zwar aus den Tornados von Little Rock, Ark., vom 2. Oktober 1894, 
von Saint Louis, Mo, vom 27, Mai 1896 und von Paris vom 10. September 1896. 
Figur 23 zeigt diese drei höchst interessanten Kurven, die übereinstimmend in 
der Mitte eines barometrischen Wellenthals einen ganz kurzdauernden, aber 
viele Millimeter betragenden Ausschlag nach 
Ss L.Rock unten, eventuell gefolgt von einigen gewöhn- 
lichen Gewitterzacken, aufweisen; die Hori- 
zontalstriche geben Abstände von je 5 mm 
an. Bei Veröffentlichung des ersten dieser 
Barogramme, 1894, weist noch das 
Washingtoner Wetter - Bureau auf die 
Möglichkeit hin, dafs diese Druckschwankung 
rein lokal durch eine saugende Wirkung 
des Windes im Gebäude erzeugt sein könnte; 
die völlige Uebereinstimmung mit den beiden 
in diesem Jahre gewonnenen Barogrammen 
macht dies aber sehr unwahrscheinlich; wir 
dürfen in den Kurven vielmehr wohl ein 
annähernd richtiges Bild des Luftdruckes 
aufserhalb des Hauses sehen. Gewifs geben diese Kurven nicht die äufsersten Gröfßsen 
dieser Schwankung an, besonders nicht für St. Louis, wo der Barograph mehr als 1 km 
von der Centrallinie der Zerstörungen entfernt war, wenngleich auch an der Station es 
heftig genug wehte, um z. B. das Gehäuse des Thermographen zu zerstören. In Little 
Rock und Paris (Tour St. Jacques) ging die centrale Zerstörungsspur über die Stationen 
zelbst weg. Die Annahme, dafs ein erheblicher Theil der Verwüstungen durch diese 
plötzliche Druckverminderung selbst bewirkt sei, indem die stärkere Spannung der Luft 
im Innern der Häuser die Mauern hinausgeworfen habe, muß dennoch mit Vorsicht 
aufgenommen werden. Denn Häuser, deren Mauern z. B. der Hamburger Bau- 
vorschrift entsprechen und einen Druck von 200 kg pro Quadratmeter aushalten, 
würden erst bei einem Druckunterschied von mehr als 11mm zwischen innen 
und aufsen Schaden leiden. Bei so äufserst undichten Behältern, wie unsere 
Häuser es sind, mufßs man aber annehmen, dafs selbst bei explosionsartig raschen 
Druckänderungen zur ein Bruchtheil derselben als Druckdifferenz zwischen außen 
und innen wirksam wird, weil der Rest Zeit hat sich auszugleichen. Es erscheint 
daher wahrscheinlich, dafs die Mehrzahl der nach aufsen geworfenen Wände 
und abgehobenen Dächer dem Ueberdruck des durch irgend welche Oeffnungen 
ins Haus sich verfangenden Windes und nur vereinzelte Fälle dem noch nicht 
ausgeglichenen Ueberdruck der eingeschlossenen Luft ihre Zerstörung verdanken. 
Weder in St. Louis noch in Paris hat man eine trichter- oder schlauch- 
förmige, zur Erde reichende Wolke gesehen, sondern nur, ebenso wie 1886 in 
Crossen, eine rotirende Bewegung im Gewölk, In Little Rock konnte die 
Wolkenbildung wegen der Dunkelheit nicht erkannt werden. Der Tornado von 
St. Louis war aber nur eine Einzelerscheinung in einer ganzen Gruppe von 
Tornados, die sich zwischen 3 und 9*p auf einem Raume von 400 km Länge 
und 50 km Breite an vielen Stellen abspielten und von denen einige mit 
deutlichem Tornadotrichter auftraten. Nach der „Monthly Weather Review“ 
‘March 1896) gehörten sie einem großen Gewitter an, das nach der gewöhnlichen 
Weise der Sommergewitter des centralen Mississippi-Thales mit seiner Breitseite 
südostwärts fortschritt. 
Man darf erwarten, dafs der für die Untersuchung ganz ungewöhnlich 
günstige und hoffentlich nicht bald wiederkehrende Umstand, dafs zwei Tornados 
mitten durch so volkreiche Städte wie St. Louis und Paris hindurchzogen, von 
den Meteorologen der betreffenden Länder noch weit gründlicher ausgenutzt 
werde, als bis Jetzt bekannt geworden ist, und einen wesentlichen Schritt zur 
Klärung des vielen zur Zeit noch Räthselhaften in diesen Erscheinungen be- 
dingen werde.
	        
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