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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Köppen: Die Gewitterböe vom 10. Juli 1896 in Ostholstein. 
AB 
N- und E-Azimute | S- und W-Azimute 
Linker Rand 
Mitte . . . 
Rechter Rand 
280/0 
10% 
39/0 
720/9 
909% 
979% 
Indessen fiel die vorwiegende Richtung nicht durchaus mit der Längsaxe 
des Zerstörungsstreifens zusammen: im Crossener Sturm war letztere SW —NE, 
erstere Süd— Nord; im Sturm vom 10. Juli 1896 erstere ungefähr West—Ost, 
letztere WNW—ESE. Wahrscheinlich ist dieses durch den Unterschied zwischen 
der Windrichtung am Erdboden und jener in einiger Höhe darüber bedingt. 
Mag man indessen beim Zustandekommen der orkanmäfsigen Stücke der 
Böe die Mitwirkung von (relativen) Wirbelbewegungen um vertikale Axen 
hinzuziehen oder nicht, immer bleibt die Entstehung des langen Böenbandes die 
Hauptaufgabe, welche in der Naturgeschichte der Böen zu lösen ist. Bei der 
Diskussion der Böe vom 9. August 1881 (diese Ann. 1882, S. 728, 729, 736 und 
737) habe ich die Bildung dieses Bandes und der zugehörigen Druckstufe 
yröfßtentheils thermischen Ursachen zugeschrieben und auf die nahe Analogie 
mit gewissen von Herrn Vettin experimentell hergestellten Bewegungen hin- 
gewiesen, in zweiter Linie aber die durch Verzögerung am Erdboden entstehende 
„Brandung“ dafür verantwortlich gemacht und die Aehnlichkeit der Böe mit der 
Bore-Welle betont. Auch heute scheinen mir die dort angeführten Umstände 
die am meisten entscheidenden bei diesem Phänomen zu sein; im Jahre 1889 
haben inzwischen einerseits L. De Marchi, andererseits H. v. Helmholtz‘) 
die Analogie der Böen mit gewissen rein mechanischen Phänomenen der Hydraulik 
eingehender verfolgt, nämlich mit dem Wassersprung und den an der Grenze 
zwischen verschieden bewegten Flüssigkeiten entstehenden Wellen. 
Der von De Marchi herangezogene Wassersprung (ressaut der 
französischen, salto di Bidone der italienischen Physiker). ist ein selten be- 
schriebenes, in den Lehrbüchern der Physik nicht erwähntes Stau-Phänomen.”*) 
Wird die Bewegung fliefsenden Wassers in einem offenen Kanal durch 
irgend ein Hindernifs verzögert, so findet eine Aufstauung statt; der Wasser- 
spiegel steigt oberhalb des Hindernisses, bis die Menge des abfliefßsenden Wassers 
wiederum jener des zufliefßsenden gleich geworden ist. Die aufgestaute Oberfläche 
wird dabei, wenn die Strömung fortdauert, über 
den Horizont des Hindernisses nach rückwärts auf- 
steigen, weil zur Unterhaltung der Strömung ein 
Gefälle erforderlich ist; die hydraulische Stauweite 
wird also gröfser sein als die hydrostatische, die 
Stauung wird erst in beträchtlicher — mathematisch 
genommen in einem Kanal von gleichmäfsigem Ge- 
fälle erst in unendlicher — Entfernung vom Wehr 
aufhören. Das gilt aber nur für tiefe und langsam 
fließende Gewässer. Bei schneller Strömung und geringer Wassertiefe tritt die 
umgekehrte Erscheinung hervor; die Wasserfläche zeigt an einer Stelle oberhalb 
des Hindernisses einen plötzlichen Anstieg, den von Bidone zuerst beschriebenen 
sogenannten Wassersprung (Fig. 21). 
Zur Bildung eines Wassersprunges ist es erforderlich, dafs die Wassertiefe 
oberhalb desselben, t, kleiner sei als v%g, worin v die Geschwindigkeit ebenda, 
und g die Beschleunigung der Schwere ist. Damit der Sprung seinen Ort im 
1) De Marchi: Saggio d’applicazione dei principii dell’ idraulica alla teoria delle correnti 
dell’ aria (Annali dell’ Uffeio Centr. di Meteor, P, 1, Vol. VIII, 1886). Roma 1889. — Helmholtz: 
„Ueber atmosphärische Bewegungen, zweite Mitth.“, Sitzungsber, der Berl. Akad. 1889, S. 503. 
2) De Marchi citirt dafür „Recherches hydranliques“ von Darcy und Bazin in den 
„Savants 6trangers“, t. XIX, 1865, die mir zur Zeit nicht zugänglich sind. In Hülsse’s Maschinen- 
Encyclopädie behandelt Weifsbach den Wassersprung im Artikel „Bewegung des Wassers“ 7. Lief. 
S. 180 ff. (Bd. II) mit einer Figur. Neuerdings hat ihn Prof. M. Möller ausführlicher, mit einer 
Reihe von Illustrationen, in seinem Aufsatze: „Ungleichförmige Wasserbewegung“ in der Zeitschrift 
des Archit.- und Ingen.-Vereins zu Hannover, Bd. XL, 1844, Heft 8, besprochen, 
Ann. 4. Hyär. ete., 1896, Heft X].
	        
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