Annalen der Hydrographie nnd Maritimen Meteorologie, Januar 1896.
Abschnitt 1 ist unter der Ueberschrift „Meteorologische Verhältnisse der
Küste von Deutsch-Ostafrika“ schon im Jahrgang 1895 dieser Annalen, Seite 2 ff.,
erschienen. Einige Theile aus anderen Abschnitten, namentlich die Beschreibung
des vorzüglichen Hafens der Mansa-Bai, sind ebenda Seite 6, 10 und 12 mit-
getheilt. Den Leser, welcher sich ein Bild von dem Gang solcher Vermessungen
machen will, verweisen wir auf den Artikel Seite 43 u. f. desselben Jahrganges
der Annalen „Verlauf der Vermessungsarbeiten in Lindi, Deutsch-Ostafrika“,
Ch.
Notizen.
l. Ein Flufskabel von 1100 Sm Länge von Para nach Manaos.
Der Dampfer „Faraday“ wird bald England verlassen, zu einer der interessantesten
Reisen, die jemals zur Kabellegung unternommen worden sind. Er geht nach
dem Amazonenstrom, um Para am Atlantischen Ocean mit einem Punkte 1100 Sm
weit im Innern zu verbinden, und wird bei günstigen Verhältnissen den Flufßs
selber hinauffahren') und das Kabel auf der ganzen Strecke im Bette des
mächtigen Stromes legen. Die Flufsstrecke ist dazu seit einiger Zeit vermessen
worden, und sollte das Unternehmen glücken — woran nicht zu zweifeln ist —,
dann wird das Kabel schliefslich bis nach Peru hinein fortgesetzt werden. Der
Amazonenstrom verläfst Peru etwa unter dem 70. Längengrad, und seine langen
Arme reichen von hier aus nach Westen und Süden bis innerhalb 70 Sm vom
Stillen Ocean. Dieser Theil des Stromes ist zweifellos breit und tief; denn vor
19 Jahren hatte Peru eine kleine Flotte von Kanonenbooten darauf, die über
800 Tonnen grofs waren, mit einem Tiefgang von 12 Fufs (3%/s m). Es waren
alles in Europa gebaute Seeschiffe, die die Reise von Callao zur Mündung des
Amazonenstromes durch die Magellan-Strafse gemacht hatten. Man denkt in
Lima daran, dafs binnen wenig Jahren eine Dampferlinie auf dem Amazonenstrom
Ober-Peru und Europa verbinden wird. („Nautical Magazine“ 1895. S. 958.)
2. Zur Einfahrt von Marseille bei Nordweststurm, (Nachtrag zum
Bericht des Kaiserlich deutschen Generalkonsuls für Marseille, Herrn Bartels,
vom 19. Oktober 1895.)?) Nach weiter eingezogenen Erkundigungen können bei
Nordweststurm (Mistral) die aus Osten kommenden Dampfer auch auf der Rhede
von Porquerolles (rade de Porquerolles), einer der hyerischen Inseln gleichen
Namens, vor Anker .gehen, um besseres Wetter abzuwarten.
Was Toulon als Nothhafen betrifft, so gewähren die grofse Rhede (grande
rade) bei St. Mandrier und die Lazarethrhede (rade du Lazaret) bei Tamaris
bereits genügenden Schutz. Das Einlaufen in die kleine Rhede (petite rade)
erscheint ohne Lootsen unrathsam, weil bei den dort verankerten zahlreichen
Bojen leicht eine Verschlingung der Ankerketten erfolgen kann. Der Zugang
zur kleineren Rhede rechts vom Steindamm (jetee) — in der Richtung auf
Toulon — ist nur für Faarzenge von geringerem Tiefgange bestimmt; der Haupt-
eingang befindet sich links.
3. Helles Meteor. An Bord des deutschen Schiffes „Lika“, Kapt.
B. Müller, wurde nach einer Angabe in dem meteorologischen Journale am
24. April 1895, um 8'/% Uhr abends, im Südatlantischen Ocean, anf 32° 15’ S-Br
und 26° 15‘ W-Lg eine Sternschnuppe beobachtet, welche von NE nach SW in
die Milchstrafse schofs. Für einen Augenblick war die Luft wie durch einen
starken Blitz erhellt. Ein scharf begrenzter feuriger Streifen, etwa 20 Grad
lang, blieb noch drei Minuten nachher sichtbar, dann breitete sich derselbe mehr
und mehr aus, nahm eine ganz andere Form an und verdunkelte allmählich. Nach
10 Minuten war nichts mehr von ihm zu sehen.
1) Siehe diese Annalen 1895, S. 14: „Die Ansegelung von Para und die Wasserstralse des
Amazonenstromes.“ D. Red.
2) Siehe diese Annalen 1895, Heft VII S. 275.