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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

548 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1896.
scheinlich recht treffend — mit einer heranstürmenden schaumgekrönten Welle.
Von zwei Stellen — Ahrensbök und Boltenhagen in Mecklenburg — wird deutlich
das Emporziehen des Böenbogens aus West bis NW zum Zenith vor dem Regen
beschrieben; . der Bogen hob sich in diesem Falle weifs von den dunklen blaugrauen
 Wolken darüber und darunter ab. Der von mir befragte Eisenbahnschaffner
in Ahrensbök erklärte, daß die hier als Fig. 19 reproducirte Figur von Seite 730
des Jahrganges 188%2 dieser Annalen auf das Gesehene passe, wenn der dort
dunkle Bogen als hell auf dunklerem Grunde angenommen werde. Dasselbe wird
auch von Herrn Professor Dr. van Bebber bestätigt, der das Heraufziehen der
Böe in Boltenhagen beobachtet hat. Ueber dem gezackten oberen Rande des
Bogens lag eine schwarzblane Wolkenmasse. Einen so merkwürdig ausgeprägten
Böenbogen erklärt mein Kollege nie vorher gesehen zu haben. Von Doberan
wird gemeldet: „Wolke tiefblau mit breitem weifsen Rande“, und auch in Grofs-Timmendorf
 wurde etwas jenem Bogen Aehnliches wahrgenommen, doch gelang
hier die Verständigung über das Gesehene nicht ganz. Es scheint sich dabei um
das zu handeln, was Hann als „Draperie“ bezeichnet (vgl. a. a. O0. S. 732 und
Fig. 25 im neuen „Internationalen Wolkenatlas“).
In sehr ausgeprägter Form — als schmaler dunkler Bogen — ist der
Böenbogen als charakteristisch für die Pamperos dargestellt von D. Christison
im „Scottish Meteor. Soc. Journal“, Bd. V, S. 335. Deutlich beschrieben, als
„cloud roll“, obwohl auf den beigegebenen Abbildungen nicht sicher erkennbar,
ist er auch für die „southerly bursters“ zu Sydney durch H. A. Hunt in den
von Aberecromby kürzlich herausgegebenen „Three Essays on Australian Weather“,
Im westlichen Verwüstungsgebiet war es neben der Finsternifs das den
Hagelwolken so häufig eigenthümliche gelbliche Aussehen, das besonders auffiel;
die Wolken sollen „schwarz mit gelben Stellen“ (Gnissau) oder „schwarz und
braun“ (Travenort) ausgesehen haben.
1m Vergleich mit dem Gewittersturm vom 9. August 1881, dessen sich
Viele, die ich sprach, noch gut erinnerten, soll der hier untersuchte sich durch
längere Dauer und, wie auch die gestürzten Objekte zeigen, durch die Richtung
unterschieden haben; jener kam aus SW, dieser aus WNW. Der Hagel soll
westlich vom Wahlsdorfer Holz diesmal noch schwerer gewesen sein; auch die
Windschäden übertreffen in dieser Gegend jene von 1881 bedeutend. Das grofse
Gut Wensin dagegen lag diesmal am Südrande des Hagelschlages und soll nur
14 000 Mk. Entschädigung erhalten haben; 1881 lag es in der Mitte des Hagelstriches
 und erhielt 100 000 Mk.
Aus der Vertheilung der Windschäden über einen Streifen von mindestens
3 km Breite und aus der Beschreibung des Windstofses durch die Augenzeugen,
deren mehrere den Böenbogen, keiner aber einen Trombenschlauch gesehen,
ergiebt£ sich, daß wir es mit einer Gewitterböe von der Art derjenigen vom
9. August 1881, nicht aber mit einer Windhose wie diejenige bei Oldenburg im
Juli 1890 zu thun haben. Leider reicht freilich das mir vorliegende Material
nicht aus, um die räumlichen Verhältnisse der Gewitterböe rechts und links vom
Streifen ihres zerstörenden Auftretens genau festzustellen, In Hamburg war, wie
Fig. 17 (siehe oben S. 505) beweist, der Wind in diesem Gewitter nur sehr mäßig.
Ist es nach allem hier Beigebrachten auch sicher, dafs im Gewittersturm
vom 10. Juli 1896, wie in jenem vom 9. August 1881, die Verheerungen durch
einzelne verstärkte Theile einer in breiter Front vordringenden „Linienböe“
bewirkt wurden, so bleibt doch die Natur dieser orkanmäfsigen Stücke der Böe
und ihr Verhältnifs zum übrigen Phänomen noch dunkel. Bekanntlich erklären
Mohn und Hildebrandsson in ihrer gemeinsamen Arbeit über die Gewitter
Skandinaviens*!) die Böenlinie überhaupt für eine Kette von einander durch
Zwischenräume getrennter Wirbel, wobei offenbar Wirbel um vertikale Axe
gemeint sind. Genügend gestützt ist die Thatsache, dafs verschiedene Stellen
der langen Böenlinie resp. Gewitterfront verschieden entwickelt sind. So lange
aber in den Zwischenräumen zwischen den Stellen gröfserer Stärke keine der
Böe entgegengesetzten Winde sich nachweisen lassen, kann von Wirbeln um
vertikale Axe nur die Rede sein, wenn man die Bewegung der Luft relativ zum
fortschreitenden Phänomen, also nach Abzug seiner Translationsbewegung,

} Les orages de ]a peninsule Scandinave. Upsala 1888,
            
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