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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Köppen: Die Gewitterbüe vom 10. Juli 1896 in Ostholstein, 
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nachdem mindestens seit 4" 5” die telegraphische Verbindung wegen Gewitters 
unterbrochen war. Vergleichen wir damit die Zeitangabe für die Böe in Rostock, 
5% 50” p, so ergiebt sich, dal der Gewittersturm die Entfernung von 99 km in 
90 Minuten zurückgelegt hat, was der Geschwindigkeit der Böe vom 9. August 1881 
gleichkommt. ; 
Wichtiger ist es, die äußere Erscheinung und den Verlauf des Phänomens 
festzustellen, da diese auf seine Natur Licht werfen können. 
Auf allen Punkten des von mir bereisten Striches Garbeck—Ahrensbök— 
Travemünde wurde mir die außerordentliche Finsternils geschildert, die während 
dieses Gewitters herrschte, und dasselbe wird von Lübeck, Süsel, Neustadt und 
Klütz berichtet. Durch die drohende schwarzblaue Wolkenmasse im West und 
NW wurde das Nahen des Unwetters früh genug angemeldet, dafs die Meisten 
Zeit gehabt haben, einige Vorkehrungen zum KEmpfange desselben zu treffen: 
unter Dach sich zu begeben, Thüren zu verrammeln, Anordnungen an das Gesinde 
zu treffen, auch wenigstens einen Theil des Weges vom Felde bezw. Heuschlage 
zum Hofe zurückzulegen. Zur Beurtheilung der Dauer des Unwetters und des 
Zeitpunktes der größsten Windstärke in demselben ist die Thatsache zu beachten, 
dafs viele der Gesprochenen den Anfang desselben aufserhalb, das Ende innerhalb 
des Hauses durchgemacht haben, auch. Wege von mindestens 5 Minuten Dauer 
in. ihm zurückgelegt haben, ‚und dafs die Zerstörungen in einzelnen Fällen vor, 
in anderen nach ihrer Ankunft zu Hause stattgefunden haben. Die mündlichen 
Angaben über die Dauer schwankten zwischen 1 Minute und *%4 Stunden, doch 
wurden dabei offenbar nicht immer. dieselben Phasen der Erscheinung gemeint. 
Das Bild, das ich. mir nach der grofsen Mehrzahl der Schilderungen machen 
konnte, ist etwa dieses: 
„. .. Während das Gewölk heraufzog, herrschte Schwüle mit Windstille oder 
Jeichtem Wind zwischen Ost und Süd; in Gnissau wurde dabei ein dünner Nebel 
bemerkt, der wie Rauch auf der Gegend lag. Hufner Finck in Grofs-Timmen- 
dorf hat von seinem Hofe aus.den 200 Schritt nach NO von da auf dem Felde 
beschäftigten Knechten zugerufen, nach Hause zu kommen, und deutlich ihr „Ja“ 
vernommen. Es regnete bereits schwach, ehe der schwere Windstofs mit Regen- 
guß und Hagel kam, auch der Wind scheint nicht gleich im Beginn des Un- 
wetters, sondern erst einige Minuten später am stärksten gewesen zu sein. Nach 
Darstellung des Windmüllers in Garbeck hat der Wind dort zuerst etwa 5 Minuten 
lang mit furchtbarer Gewalt aus West und danach weitere 5 bis 10 Minuten mit 
geringerer Kraft, aber immer noch stürmisch, aus NW geweht. Der Regen hat 
nach mehrfachen Angaben länger gedauert als der Sturm. 
Fim 19. 
Das Aussehen des heranziehenden Unwetters wird etwas verschieden 
geschildert. Eine Trombe, einen von den Wolken herabhängenden Schlauch, 
hat Niemand gesehen; eine Zeichnung des Aussehens. war daher, ganz abweichend 
von dem Oldenburger Falle, von Niemand zu erlangen. Ein einziger Zeuge,. der 
Schullehrer von Travenort, gab an, eine horizontale Drehung in der heranziehenden 
dunklen Masse gesehen zu haben. Die übrigen sprachen nur von Rollen und 
stürmischer Durcheinanderbewegung; zu ihrer genauen Beobachtung hatte Niemand 
Zeit und Lust. Ein Arbeiter:in Travenort verglich die Erscheinung — wahr-
	        
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