538 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1896.
letzten acht Tagen aber nur schwach, 5 bis 10 Sm täglich. Jetzt wurde der Wind
aber fast ganz still, und in den nächsten acht Tagen, vom 28. Mai bis 5. Juni, in
durchschnittlich 15%2° S-Br, konnten wir nur drei Längengrade nach Westen hin
zut machen. Von 0° bis 20° W-Lg brauchten wir 20 Tage und verloren damit
Alles wieder, was wir bis zum Meridian von Greenwich gewonnen hatten. Am
7. Juni befanden wir uns in 15° 0 S-Br und 20° 33’ W-Lg, Wind NNE 1, Baro-
meter 768,8 bei 27,8° C, Luft 27,0° C trocken und 22,7° C feucht, Meereswärme
26,1° C. Während der Windstillenpause lief immer hohe Südwestdünung, das
Schiff schlingerte, und 5 bis 10 Mal in der Minute peitschten die Segel Masten,
Stengen und Wanten, so dafs man viel mehr Verschleifs als in einer Sturmperiode
hatte. Außer der Südwestdünung war das Meer ruhig und wohl in weitem Ab-
stand von uns Windstille.
Leider kommt nach einer derartigen grofsen Passatstörung selten schnell
frische Briese wieder durch; so ging es auch uns, Winde von Stärke 2 bis 4,
immer flach von hinten mit sehr geringer günstiger Strömung, wobei man mit
einem nach und nach mehr mit Gras bewachsenen Schiffe nur langsam vorwärts
kommen konnte. Wir brauchten von 20° bis 40° W-Lg 12 Tage und befanden
ans am 18. Juni mittags in 22° 31‘ S-Br und 40° 56‘ W-Lg. Wind NW 2, Baro-
meter 768,0 bei 25,0° C, Meereswärme 22,3° C. Land in Sicht — die hohen
Berge von Maccahe zwischen Kap St. Thome und Kap Frio.
Hierauf ging der Wind nach SW, flau mit steigendem Barometer, welches
am 19., 8 Uhr abends, etwa 15 Sm in ONO!/20 von Kap Frio am höchsten,
773,6 bei 22,0° C, stand. In der darauffolgenden Nacht, Wind SE schwach,
passirten wir Kap Frio, welches um 8 Uhr morgens den 20. noch in Sicht war.
Zwischen Kap Frio und Santos hatten wir noch einen Tag Westwind und
später sehr leichte Briesen, so dafs wir erst am 24. Juni dort ankamen. Reise-
Jauer 96 Tage.
Port Everett am Puget-Sund, Washington- Territorium (jetzt
Staat), Westküste von Nordamerika. ©)
Nach einem Bericht des Kapt. OHLSEN, Führer des Schiffes „Orbis“, vom Mai 1892,
Port Everett, ein noch in den ersten Anfängen der Entwickelung be-
griffener Seehandelsplatz, liegt auf dem linken Ufer der Mündung des Flusses
Snohomish in den Possession-Sund, einen östlichen Seitenarm des Puget-Sundes.
Es sind hier in einer verhältnifsmäfsig kurzen Entfernung von einander vier Orte
entstanden, nämlich: Westeverett, etwa 3,0 Sm südlich der Flufsmündung, an dem
Possession-Sund, Nordeverett, auf dem äufsersten Ende des westlichen Flufsufers,
Dsteverett, etwa 3,5 Sm weiter flußsaufwärts und auf dem Landwege 1 Sm von
Westeverett entfernt, und Südeverett oder Lowell am Flusse, etwa 2,5 Sm ober-
halb Osteverett, Die drei ersten Orte haben zusammen eine Einwohnerzahl von
annähernd 4500, der letztere eine solche von rund 1000. An industriellen
Unternehmungen sind in der Ausführung begriffen: eine Schiffswerft in Nordeverett
und grofse Papiermühlen in Südeverett; außerdem befindet sich eine Sägemühle
auf dem rechten Flufsufer, gegenüber von Osteverett im Betrieb. Auf der Schiffs-
werft müssen noch einige Maschinen aufgestellt werden. Port Everett hat
Eisenbahnverbindung mit dem Binnenlande. Die Eisenbahn überschreitet den
Flufs bei Nord- und bei Südeverett und ist bis zur Landungsbrücke in Westeverett,
Jem Anlegeplatz der Seeschiffe, ausgebaut. Ost- und Westeverett sind durch eine
Straße mit einander verbunden, welche bei dem ersten Orte von einer kurzen
Querstrafße gekreuzt wird. Die Ufer des Flusses haben einen dichten Urwald-
bestand. Hinter dem flachen, aus Marschboden bestehenden rechten Ufer erhebt
sich das Land bis zu einer Höhe von 120 bis 150 m.
Ktwa 14 Sm von der unteren Eisenbahnbrücke den Flufs aufwärts liegt
die Stadt Snohomish, mit einer Bevölkerung von ungefähr 3000 Seelen. Bei
dieser Stadt wird der Fluß, der hier eine Breite von 30 m (100 Fuß) hat, von
) Betrifft die britische Admiralitäts-Karte No. 1947.