Reise der Bark „Anna Schwalbe“ von Rangun nach Santos.
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Der Passat wehte nun mit steifer Briese, und wir gelangten innerhalb
7 Tagen bis 60° O-Lg. Barometerstand am 20. morgens in 21°S-Br und 63° O-Lg
am höchsten, 766,6 bei 26,8°C. Am 22. mittags in 21° 58‘ S-Br und 58° 36‘ O.Lg,
Wind ESE 1, Barometer 763,7 bei 27,6° C, Luftwärme 30,0° C und Meereswärme
26,8° C, wurde der Wind flau, nachdem wir während der vorhergehenden Nacht
schon anhaltendes Blitzen im Südwesten mit Donner, Böen und Regen gehabt
hatten, wobei bedeutende Südwestdünung. Es war damals im Süden eine Störung
im Luftmeer, wahrscheinlich ein weit nach Norden vorgedrungenes Minimum.
Sowie wir dies merkten, steuerten wir etwas nördlicher und hielten uns dann
später auch noch nördlich von der direkten Route. Schon mit dem steifen Passat
der vorhergehenden Wache hatten wir schwache nordöstliche Strömung empfunden.
Ob dies nun eine Gegenströmung des Passatstromes war oder durch die atmo-
sphärische Störung vor uns verursacht wurde, wobei derzeit möglicherweise ein
stürmischer Südwest südlich von Madagaskar oder Bourbon geweht haben mochte,
vermag ein einzelner Beobachter nicht zu entscheiden,
Wir steuerten nicht weit südlich von Bourbon weg gut frei an,Madagaskar
vorbei und fanden den Strom unweit letzterer Insel sehr verschieden laufend:
vom 26. bis 27. mittags von 50!/2° bis 491/2° O-Lg Strom S 70° O0, 29,9 Sm; vom
27. bis 28, mittags von 49!/2° bis 48° O-Lg Strom N 44°O, 31,0 Sm; vom 28. bis
29, mittags von 48° bis 44° 0-Lg Strom S 50° W, 40,5 Sm, vom 29. bis 30. mittags
von 44° bis 40° O-Lg Strom S 59° W, 31,0 Sm. An den beiden ersten Tagen
war der Wind flau, aus Ost—Nordostrichtung gewesen, worauf frischer SE _durch-
kam und der Passat wieder in seine Rechte eintrat. Reisedauer von 80° bis
40° O-Lg 15% Tage, von Rangun 41 Tage, also ein Gewinn von 9 Tagen gegen
das Mittel früherer Reisen.
Der Wind hielt nun in den folgenden Tagen mit frischer Briese an, drehte
aber dabei von SE durch Ost bis Nord. Um Mitternacht des 2. Mai hatten wir
ein grofses Gewitter mit massenhaftem Blitzen, Donner und Regen, worauf ver-
änderliche Briese und Windstille folgten. Am 3. mittags war 31° 38° S-Br und
30° 56‘ O-Lg erreicht, Wind NE 1, Barometer 7646 bei 25,5° C, Meereswärme
25,7° C.° Wir hatten die Strömung in den letzten drei Tagen wieder aus ver-
schiedenen Richtungen gehabt: vom 30. April bis 1. Mai N 71° W, 18,3 Sm, vom
1. bis 2. S 42° O0, 24,2 Sm, vom 2. bis 3. S 33° W, 40,5 Sın. Am folgenden Morgen,
den 4., erblickten wir die afrikanische Küste und befanden uns am Mittage in
39° 50' S-Br und 29° 25‘ O-Lg, Wind NNW 5, Barometer 760,4 bei 25,7° C,
Meereswärme 24,9° C und Strom im letzten Etmal S 17° W, 50,0 Sm. Am Abend
dieses Tages sahen wir das schöne neue Feuer von East London.
Es traten nun einige Tage stürmische Nordwest- und Südwestwinde auf,
zeitweilig bis zu Stärke 10 anwachsend, dabei hoher steiler Seegang, womit wir
zwar durch das Wasser zurücktriehen, jedoch mit Hülfe der günstigen Strömung
noch immer etwas über den Grund vorwärts kamen. Während dieser Zeit wurden
folgende Versetzungen beobachtet: Vom 4. bis 5. S 49° W, 66 m, vom 5. bis 7.
S 68° W, 80 Sm in zwei Tagen, und vom 7. bis 8. S 64° W, 27,7 Sm, Hiermit
waren wir auf der Agulbas-Bank und etwas westlich von Kap Francis, dem West-
eingang nach Algoa Bai, angelangt.
Während der folgenden Nacht ging der Wind von SW durch Süd nach
SE und frischte auf; Strom vom 8. bis 9. N 88° W, 24,0 Sm. Am 10. Mai mittags
war die Länge von Kap Agulbas passirt,; und wir waren in den Atlantischen
Ocean hineingelaufen
Der SE brachte uns nun nicht allein am Kap der Guten Hoffnung vorbei,
sondern entwickelte sich zum stetigen Passat, womit wir am 18. Mai den Meridian
von Greenwich in 23° S-Br erreichten. Soweit war die Reise recht gut gewesen,
59 Tage ab Rangun. Nun aber fing der Aufenthalt an; flauer Passat und
sogar westliche Winde traten zunächst auf, womit wir wenigstens nördlicher
kommen konnten, denn ich begann schon mir Vorwürfe zu machen, von vorn-
herein nicht mehr nördlich gesteuert zu haben; doch was später folgte, beweist
eben, dafs man auch in der Mitte der Passatregion zeitweilig keinen Passat-
wind findet.
Am 26. Mai hatten wir mittags 16° 15‘ S-Br und 10° 4‘ W-Lg erreicht, Wind
NEzN 4, Barometer 767,1 bei 23,6° C, Mecreswärme 23,7° C. Die Strömung
war seit dem Passiren von Kap Agulhas immer nordwestlich gewesen, in den
Ann. d. Hyär, ote., 1896, Heft XII.