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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 24 (1896)

Reise der Bark „Anna Schwalbe“ von Rangun nach Santos. 
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Der Passat wehte nun mit steifer Briese, und wir gelangten innerhalb 
7 Tagen bis 60° O-Lg. Barometerstand am 20. morgens in 21°S-Br und 63° O-Lg 
am höchsten, 766,6 bei 26,8°C. Am 22. mittags in 21° 58‘ S-Br und 58° 36‘ O.Lg, 
Wind ESE 1, Barometer 763,7 bei 27,6° C, Luftwärme 30,0° C und Meereswärme 
26,8° C, wurde der Wind flau, nachdem wir während der vorhergehenden Nacht 
schon anhaltendes Blitzen im Südwesten mit Donner, Böen und Regen gehabt 
hatten, wobei bedeutende Südwestdünung. Es war damals im Süden eine Störung 
im Luftmeer, wahrscheinlich ein weit nach Norden vorgedrungenes Minimum. 
Sowie wir dies merkten, steuerten wir etwas nördlicher und hielten uns dann 
später auch noch nördlich von der direkten Route. Schon mit dem steifen Passat 
der vorhergehenden Wache hatten wir schwache nordöstliche Strömung empfunden. 
Ob dies nun eine Gegenströmung des Passatstromes war oder durch die atmo- 
sphärische Störung vor uns verursacht wurde, wobei derzeit möglicherweise ein 
stürmischer Südwest südlich von Madagaskar oder Bourbon geweht haben mochte, 
vermag ein einzelner Beobachter nicht zu entscheiden, 
Wir steuerten nicht weit südlich von Bourbon weg gut frei an,Madagaskar 
vorbei und fanden den Strom unweit letzterer Insel sehr verschieden laufend: 
vom 26. bis 27. mittags von 50!/2° bis 491/2° O-Lg Strom S 70° O0, 29,9 Sm; vom 
27. bis 28, mittags von 49!/2° bis 48° O-Lg Strom N 44°O, 31,0 Sm; vom 28. bis 
29, mittags von 48° bis 44° 0-Lg Strom S 50° W, 40,5 Sm, vom 29. bis 30. mittags 
von 44° bis 40° O-Lg Strom S 59° W, 31,0 Sm. An den beiden ersten Tagen 
war der Wind flau, aus Ost—Nordostrichtung gewesen, worauf frischer SE _durch- 
kam und der Passat wieder in seine Rechte eintrat. Reisedauer von 80° bis 
40° O-Lg 15% Tage, von Rangun 41 Tage, also ein Gewinn von 9 Tagen gegen 
das Mittel früherer Reisen. 
Der Wind hielt nun in den folgenden Tagen mit frischer Briese an, drehte 
aber dabei von SE durch Ost bis Nord. Um Mitternacht des 2. Mai hatten wir 
ein grofses Gewitter mit massenhaftem Blitzen, Donner und Regen, worauf ver- 
änderliche Briese und Windstille folgten. Am 3. mittags war 31° 38° S-Br und 
30° 56‘ O-Lg erreicht, Wind NE 1, Barometer 7646 bei 25,5° C, Meereswärme 
25,7° C.° Wir hatten die Strömung in den letzten drei Tagen wieder aus ver- 
schiedenen Richtungen gehabt: vom 30. April bis 1. Mai N 71° W, 18,3 Sm, vom 
1. bis 2. S 42° O0, 24,2 Sm, vom 2. bis 3. S 33° W, 40,5 Sın. Am folgenden Morgen, 
den 4., erblickten wir die afrikanische Küste und befanden uns am Mittage in 
39° 50' S-Br und 29° 25‘ O-Lg, Wind NNW 5, Barometer 760,4 bei 25,7° C, 
Meereswärme 24,9° C und Strom im letzten Etmal S 17° W, 50,0 Sm. Am Abend 
dieses Tages sahen wir das schöne neue Feuer von East London. 
Es traten nun einige Tage stürmische Nordwest- und Südwestwinde auf, 
zeitweilig bis zu Stärke 10 anwachsend, dabei hoher steiler Seegang, womit wir 
zwar durch das Wasser zurücktriehen, jedoch mit Hülfe der günstigen Strömung 
noch immer etwas über den Grund vorwärts kamen. Während dieser Zeit wurden 
folgende Versetzungen beobachtet: Vom 4. bis 5. S 49° W, 66 m, vom 5. bis 7. 
S 68° W, 80 Sm in zwei Tagen, und vom 7. bis 8. S 64° W, 27,7 Sm, Hiermit 
waren wir auf der Agulbas-Bank und etwas westlich von Kap Francis, dem West- 
eingang nach Algoa Bai, angelangt. 
Während der folgenden Nacht ging der Wind von SW durch Süd nach 
SE und frischte auf; Strom vom 8. bis 9. N 88° W, 24,0 Sm. Am 10. Mai mittags 
war die Länge von Kap Agulbas passirt,; und wir waren in den Atlantischen 
Ocean hineingelaufen 
Der SE brachte uns nun nicht allein am Kap der Guten Hoffnung vorbei, 
sondern entwickelte sich zum stetigen Passat, womit wir am 18. Mai den Meridian 
von Greenwich in 23° S-Br erreichten. Soweit war die Reise recht gut gewesen, 
59 Tage ab Rangun. Nun aber fing der Aufenthalt an; flauer Passat und 
sogar westliche Winde traten zunächst auf, womit wir wenigstens nördlicher 
kommen konnten, denn ich begann schon mir Vorwürfe zu machen, von vorn- 
herein nicht mehr nördlich gesteuert zu haben; doch was später folgte, beweist 
eben, dafs man auch in der Mitte der Passatregion zeitweilig keinen Passat- 
wind findet. 
Am 26. Mai hatten wir mittags 16° 15‘ S-Br und 10° 4‘ W-Lg erreicht, Wind 
NEzN 4, Barometer 767,1 bei 23,6° C, Mecreswärme 23,7° C. Die Strömung 
war seit dem Passiren von Kap Agulhas immer nordwestlich gewesen, in den 
Ann. d. Hyär, ote., 1896, Heft XII.
	        
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