Ann. d. Hydr. etc, XXIV. Jahrg. (1896), Heft XI.
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Kapstadt — Swakop-Mund —— Walfisch-Bai — Kap Cross — Grofse
Fisch-Bucht — Mossamedes — Espiegle-Bucht — St. Mary-Bucht —
St. Paul de Loanda.
Aus dem Reisebericht S. M. S. „Sperber“, Kommandant Korv;-Kapt. REINCKE. März und April 1896.
(Hierzu Tafel 8.)
A, Kapstadt — Swakop-Mund.
1. Kurse, Küste. Am 29. Februar, 2* 15” p, verließ S. M, Krzr. „Sperber“
den Hafen von Kapstadt mit NzW-Kurs, zwischen Robben Island und Mouille
Point hindurchsteuernd. Dieser Kurs wurde bis 8" p beibehalten, dann auf N!/.O
geändert und hiermit, um gut frei von der Küste zu sein und den unter derselben
häufig auftretenden Nebel zu vermeiden, bis zum 1. März 12% Mittag weiter
gesteuert. Sowohl der Leuchtthurm von Robben- wie von Dassen Island war
gut zu sehen, auch hob sich der Tafelberg sehr gut ab, so dafs noch in einer
Entfernung von 20 Sm Peilungen von ihm genommen werden konnten, Das
Besteck am 1. März ergab östliche Stromversetzung; es wurde deshalb der Kurs
auf Nord geändert, Als das Besteck am 2. keine weitere östliche Stromversetzung
zeigte, wurde von Mittag an wieder N'/2O gesteuert und dieser Kurs bis zum
Mittag des 3. beibehalten. Vom Mittagsbesteck wurde der Kurs 5 Sm frei von
der Pelikan-Spitze gesetzt und NO!2N gesteuert. Um nicht während der Dunkelheit
vor der Küste anzukommen, wurde während der Nacht mit kleiner Fahrt gedampft,
am Morgen halbe Fahrt aufgenommen und um 5* 20” mit 0'/4N-Kurs auf Swakop-
Mund zugehalten. Gegen !/27" trat dichter Nebel ein, so dafs, als derselbe um
Sh noch zunahm, mit W!4S wieder von der Küste abgesteuert wurde. Gegen
10h klarte es soweit auf, dafs eine Höhe genommen werden konnte; es wurde
deshalb wieder auf die Küste zugehalten. Gegen 12" fing es an mehr aufzu-
klaren, der Nebel verzog sich bald vollständig. Um 12* 45” wurde Land gemacht
und beim Näherkommen Swakop-Mund B. B. voraus gesichtet. Die. im vorigen
Jahr angegebenen Erkennungszeichen, hohe Dünen südlich des Swakop, ferner
niedriges Gestrüpp an der Mündung des Flußbettes, lielsen sich gut zum Auf-
finden des genannten Ortes verwenden. Als eine weitere gute Ansteuerungsmarke
sei der Berg Colguhoun erwähnt, der bei einigermafsen sichtigem Wetter schon
auf gröfsere Entfernung hervortritt. Um 2* 10” wurde in der Peilung: große
Flaggenstange OzS, weißes Haus bei der. Mündung SSO'/2O, Berg Colquhoun
0!/8N, in 12 m Wasser ungefähr 1!/» Sm vom Strande geankert.
Die im vorigen Jahre angegebene Anfahrtsrichtung für Boote ist nicht
mehr richtig; sie befand sich in diesem Jahre ungefähr 50 m südlicher und zwar
mufste man senkrecht auf den Galgen zufahren, an dem die Nebelglocke sich
befindet. Die Brandung war ziemlich stark, jedoch ging das Landen gut von
statten. | .
2. Wind, Wetter, Strom. Der Wind wehte in den ersten Tagen aus
dem Südwestquadranten bis. zu Stärke 4, mälsigen Seegang hervorrufend. Es
wurden Segel gefahren. Im Laufe des 2. drehte er und wehte bis zum
Nachmittage des 3. aus dem Nordost- und Nordwestquadranten bis zu Stärke 2.
Vom 3. an war er, mit Stillen abwechselnd, SW bis Süd, Stärke 1 bis 4... ..
Das Wetter war, von dem mehrfach auftretenden Morgennebel abgesehen,
durchweg schön; die Temperatur schwankte zwischen 14,7 und 24,9°. , In; den
Nächten war es angenehm kühl. Beim Auslaufen aus der Tafel-Bucht. wurde
etwas auflandig setzender Strom beobachtet. Am folgenden Tage ergab ‚das
Besteck nördlichen Strom bis zu 0,8 Sm in der Stunde. Am 2. war der Strom
nordnordwestlich, 0,7 Sm in der Stunde. An den beiden folgenden Tagen setzte
der Strom nördlich und‘ auflandig NzO bis nordöstlich, . 0,4 ‚und 0,2 Sm in
der Stunde. 2
Ann. d. Hvar. ete.. 1896. Haft XIL