Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1896.
Unter den Ursachen oceanischen Kreislaufs scheint die Verdunstung die
Hauptrolle zu spielen,
Nach einer Schätzung verdampft in den Passatgebieten ein Kubikzoll
Wasser in 24 Stunden von jedem Quadratzoll Oberfläche (1 Zoll =— 25 mm), und
Beobachtungen aufsergewöhnlicher Verdunstung in See bei der Nordostküste
Afrikas werden mitgetheilt.
Eine genaue Betrachtung der Stromkarte der Welt zeigt uns, dafs die
hauptsächlichsten Oberflächenströmungen in den verschiedenen Öceanen rund um
die Gebiete kreisen, wo die Verdunstung mit der gröfsten Lebhaftigkeit vor sich
geht. Das Streben des äquatorialen Oberflächenwassers nach Westen hin wird
mehr als Ursache denn als Folge des oceanischen Kreislaufs betrachtet, und die
Ansicht Vieler, dafs das äquatoriale Westwärts-Fließsen unmittelbar dem Antrieb
der Passate zu verdanken ist, nicht angenommen, sondern behauptet, dafs, wenn
alle Reibung zwischen der Meeresoberfläche und den Passaten aufgehoben wäre,
der allgemeine oceanische Kreislauf doch derselbe bleiben würde wie er ist,
obwohl die Richtung und Stärke der einzelnen Strömungen vielleicht etwas
geändert werden würden. Dafs Luft und Wasser in den äquatorialen Gegenden
beide nach Westen streben, ist vermuthlich derselben Ursache zuzuschreiben.
Die Wirkung der ungleichen Anziehung des Mondes in der oceanischen
und atmosphärischen Gezeitenwelle wird betrachtet, und es wird die Möglichkeit
angenommen, dafs die Winkelgeschwindigkeit der Meeresoberfläche, besonders in
den äquatorialen Gebieten, durch die ungleiche Anziehung des Mondes in höherem
Mafse vermindert wird, als die Geschwindigkeit der festen Erdkugel. Wenn die
Umdrehungs-Geschwindigkeit des Oceans dadurch um ein Tausendstel mehr ver-
mindert worden wäre als die der Erde, so würde dieser Betrag vollauf die west-
liche Bewegung der Meeresoberfläche in den äquatorialen Gegenden erklären,
und diese westliche Bewegung würde mit zunehmender Tiefe abnehmen.
Mit Bezug auf die Wirkung der Winde haben wiederholt ausgeführte
Beobachtungen den Vortragenden zu der Ansicht geführt, dafs der Wind nicht
nothwendigerweise die Ursache des dabei beobachteten Stromes ist, aber dafs
er einen Weg geringeren Widerstandes für die Ueberführung von Wasser in der
Richtung bahnt, wohin der Wind weht. Da örtliche Störungen des Gleich-
gewichts überall an der Oberfläche des Meeres auftreten, entsteht eine Ober-
flächenströmung, wenn der örtliche, den Ausgleich anstrebende Strom mehr oder
weniger mit dem Winde fließt, eine Unterströmung, wenn der örtliche aus-
gleichende Strom gegen den Wind aufarbeiten muls.
Die Wirkung der Luftdruckänderungen, die Ungleichheiten in der Höhen-
lage verursachen, müssen nothwendigerweise Strömungen irgend einer Art durch
die Ueberführung von Wasser veranlassen. Diese Wirkung bedarf der Unter-
suchung.
Der letzte Theil des Vortrages beschäftigt sich mit praktischen Bemer-
kungen über Strombeobachtungen, wovon sich kein brauchbarer Auszug geben
Jäfst. Alle benutzten Hülfsmittel werden sorgfältig beschrieben, und Probebogen
werden mitgetheilt, wie man am besten ein Strömungstagebuch führt. Der Vor-
tragende schliefst mit dem Hinweis darauf, welch wichtigen Dienst ein oder zwei
Besitzer grofser Jachten der Wissenschaft leisten könnten, wenn sie vereint
gründliche Beobachtungen über Strömungen einer bestimmten Gegend zu bestimmten
Zeiten ausführten.
Die Bedeutung des Hafens von Barranquilla, Columbia.
Die folgenden Einzelheiten über den Hafen von Barranquilla und seine
Bedeutung für den Handel mit Columbia sind einem jüngst erschienenen britischen
Konsularbericht des Herrn Villiers entnommen. Die natürliche Beschaffenheit
des Landes, durchzogen wie es ist von Bergketten, die gröfstentheils nur von
Maulthierpfaden gekreuzt werden, macht es erklärlich, dals die Haupthandels-
ader der Magdalenen-Strom ist, und darum sind die Häfen an oder nahe bei
seiner Mündung natürlich die wichtigsten. Es sind dies Barranquilla und
Cartagena; jenes eine verhältnifsmäfsig junge Stadt mit 35000 Einwohnern,